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Seltener Besuch bei Markus Lanz Grönemeyers beeindruckende Solo-Show


Er geht selten ins Fernsehen, was ziemlich schade ist. Denn bei Markus Lanz entpuppte sich Herbert Grönemeyer als grandioser Geschichtenerzähler und Alleinunterhalter.
Von Hannes Roß

Schön, dass du da bist", sagte Markus Lanz, nachdem er Herbert Grönemeyer mit seiner üblichen Superlativ-Anmoderation ("größter und erfolgreichster deutscher Künstler!") begrüßt hatte. Und schön war es wirklich, weil Herbert Grönemeyer einer ist, der eigentlich nie ins Fernsehen geht und dort mal länger etwas von sich erzählt – von den Zehn-Minuten-Auftritten bei "Wetten dass..?" oder bei Stefan Raabs "TV Total" mal abgesehen. Und jetzt also ein Grönemeyer-Spezial, als einziger Gast bei Lanz, eine ganze Stunde lang. Ein Scoop, keine Frage, obwohl die Ankündigung der Lanz-Redaktion eines "exklusive Interviews" mit Grönemeyer schon etwas zu dick aufgetragen war. Bereits vor zwei Wochen sprach Grönemeyer mit dem stern über sein neues Album und sein Leben, woraus Markus Lanz in seinen Fragen auch großzügig zitierte.

Die große Frage des Abends lautet also, was würde Markus Lanz einem Mann wie Grönemeyer entlocken können, der wie kaum ein anderer Star in Deutschland sein Privatleben für sich behält, was für Journalisten und seine Fans oft eine Plage sein mag. Aber seien wir mal ehrlich: Wären wir Grönemeyer, wir würden es doch auch nicht anders machen. Alle vier Jahre ein neues, super-erfolgreiches Album, eine ausverkaufte Tournee und dann wieder alle Stecker rausziehen, untertauchen, mit dem Auto einmal quer durch Amerika fahren, das Leben ohne Rummel genießen - in London oder in Berlin, wo Grönemeyer zuletzt die meiste Zeit verbrachte.

Der Klavier-Flügel bricht das Eis

Das Angenehme gleich zu Beginn: Grönemeyer wirkte nervös, fast ängstlich, als sich Markus Lanz mit seinen Fragekarten zu ihm beugte. Er ist kein blasierter, breitbeiniger Superstar, der sich wie andere Deutsch-Rocker mit Sonnenbrille ins Fernsehstudio setzen und so tun, als würden sie schon lange über den Dingen schweben. Das Eis brach allerdings erst, als ein ebenso nervöser Markus Lanz das holperige Gespräch unterbrach, Grönemeyer zu einem schwarzen Klavier-Flügel führte und ihn bat, einmal zu erklären wie er seine Songs komponiert. Grönemeyer war in seinem Element, grummelte zunächst ein paar Fantasie-Texte, um dann mit einer neuen Ballade abzuheben.

Von diesem Moment erlebte man einen gelösten, selbstironischen Grönemeyer in Höchstform, einem, der das öffentliche Bild des schwermütigen Grüblers auseinander nahm. Grönemeyer ließ es sich lächelnd gefallen, als Lanz seine ersten zweifelhaften Songs ("Guten Morgen, Herr Bäcker") aus den 70-er Jahren einspielte und erzählte wunderbar mit seinem schauspielerisch Talent, wie ahnungslose Ruhrpott-Plattenhändler ihn zu Anfang seiner Karriere ablehnten ("Wer will denn diesen Mist hören!").

Man hätte Grönemeyer gerne noch länger zu gehört. Markus Lanz stellte die richtigen Fragen, und Grönemeyer überraschte mit interessanten Ansichten über Flüchtlingspolitik oder Streaming-Dienste im Internet. Immerhin: im Anschluss wurde noch einstündiges Unplugged-Konzert gezeigt. Ein versöhnliches Finale.


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