HOME

Interview Ross Antony: "Ich spende meine Gage einem Tier-Gnadenhof"

Erst jetzt hat Dschungelkönig Ross Antony die erste Nacht in seiner Wohnung in Siegburg bei Bonn verbracht. Im stern.de-Interview berichtet er von seinen Grenzerfahrungen im Camp, wehrt sich gegen die Kritik an der Show und erzählt, was er mit dem Gewinn macht.

Herr Antony, bei dem, was Sie im RTL-Dschungelcamp essen mussten - unter anderem Känguru-Anus -, dürfte es von Ihrem Ehemann, einem Opernsänger, vorläufig nur noch Küsse auf die Wange geben.

So schlimm ist es zum Glück nicht. Bei meiner Rückkehr haben wir geschmust, aber nicht vor den Kameras. Inzwischen ist auch alles an mir wieder gewaschen und sauber, ich habe keine Haare vom Känguruhintern mehr zwischen meinen Zähnen.

Das Dschungelcamp gilt als Show für Promis mit Karriereknick. Wenn man ihre Website anschaut, stellt man fest, dass Sie ganz gut im Geschäft sind. Man denkt unwillkürlich: Was hat den Mann dazu getrieben, sich das Dschungelcamp anzutun?

Ganz ehrlich: Ich wollte es unbedingt machen. Es war eine Möglichkeit für mich, meine Ängste zu überwinden. Die hatten alle mit Spinnen, Schlangen, Ratten oder im Dschungel schlafen zu tun. Ich musste also nicht in den Dschungel, sondern es war mein Wunsch. Auch weil ich mir immer die Staffeln in England angeschaut habe, die sehr erfolgreich waren.

In der dritten Staffel herrschte weitgehend Friede, Freude, Eierkuchen. Haben sich die Kandidaten wirklich so gut verstanden - oder gab es eine Absprache vorab?

Wir haben uns wirklich gemocht. Zudem hatten wir vorher die Möglichkeit, uns kennen zu lernen. Wir wurden wohl passend ausgewählt, es war eine gute Mischung. Für mich war es von Anfang an interessant - mit Leuten wie Eike Immel zusammen zu kommen, der in seiner Fußballkarriere viel mit England zu tun hatte. Fußball ist seine Leidenschaft, er redet gerne darüber. Sehr viel.

Wer von Ihren Mitbewohnern hat Sie am positivsten überrascht?

Barbara Herzsprung. Ich kannte sie vorher nur aus den Medien - dass sie irgendwelche Krisen in ihrer Ehe hat und so weiter. Als ich sie dann kennenlernte, war ich positiv angetan. Sie ist superlieb, hat sich um uns alle gekümmert und sich bemüht, dass es keinen Streit gab. Ich finde, durch die Sendung ist sie zu einem wirklichen Star geworden. Weil sie sich in der Ausnahmesituation, in der wir uns befanden, vorbildlich verhalten hat. Zudem ist sie lustig und offen. Sie hat mir über ihre Ehe erzählt, warum es ihr eine Zeit lang so schlecht ging, über ihre Depressionen. Zusammengefasst war sie für mich wie eine deutsche Mama. Wir telefonieren jeden Tag, in einigen Tagen wollen wir uns auch treffen.

Von außen betrachtet sah Ihre persönliche Entwicklung so aus: Von der Memme zum Macho.

Nicht schlecht, oder? Meine englischen Freunde haben die Sendung auch angeschaut und meinten, die Deutschen sind manchmal sehr hart in ihrem Wesen. Sie halten sehr viel aus, bevor sie weinen. Ich wollte auch so sein, wie ich bin. Also zeigte ich, dass ich Gefühle und Probleme habe im Camp. An manchen Tagen bin ich super drauf und springe hin und her. Dann wieder habe ich Tage, an denen ich trauriger bin. Besonders am Anfang war das so. Da vermisste ich meinen Mann und meine Familie. Zudem waren meine Ängste groß. Man schläft ja wirklich mit giftigen Schlangen unter dem Bett und Spinnen auf dem Schlafsack.

Zu Beginn wurden sie gleich zweimal zur Dschungelprüfung verdonnert. Haben Sie die Fernsehzuschauer nicht heimlich verwünscht?

(lacht) Ich dachte, ich hätte die erste Prüfung mit den Sträußen gut hingekriegt und dadurch Ruhe. Aber die Prüfung kam den Zuschauern wohl zu einfach vor. Deshalb kam am nächsten Tag noch die, wo ich mit Ratten durchs Wasser schwimmen musste. Die Ratten haben wirklich so gestunken, dass ich keine Luft mehr und Panik bekam. Deshalb bin ich dann viel schneller geschwommen. Es war schon sehr hart.

Ähnlich ging es auch schon Ihrer Vorgängerin, der Dschungelkönigin Desiree Nick. Auch sie musste wiederholt die Dschungelprüfung bestehen. Muss man erst durchs Feuer gehen, um von den Zuschauern geliebt zu werden?

Ich weiß es nicht. Ich dachte eigentlich, dass Leute wie Lisa Bund, Eike Immel oder DJ Tomekk viel tougher sind als ich - und dass sie dehalb viel besseres anzubieten hätten. Ich war ja nur der lustige Clown ab und zu. Aber anscheinend haben die Zuschauer es gemocht, mich auf die Probe zu stellen. Schließlich haben sie fest gestellt, dass es bei mir eine Entwicklung gab. Dass ich mir Mühe gab und Mut hatte. Ich fühle mich jetzt auch viel besser. Einiges habe ich schon verarbeitet - wobei ich bei Ratten immer noch Angst habe.

Haben Sie irgendwann mal leise in sich hinein geflüstert: "Ich bin ein Star, holt mich hier raus?"

Die ersten drei Tage. (Lacht) Nein, die ganze Zeit.

Wussten Sie und Ihre Mitstreiter, warum DJ Tomekk das Camp verlassen musste?

Niemand hat uns etwas erzählt. Am Dschungeltelefon hieß es lediglich, dass er gehen muss, wegen beruflicher oder persönlicher Probleme. Es sei aber nichts Schlimmes.

Was sagen Sie zu DJ Tomekks Verhalten? Er sang die erste Strophe der Nationalhymne "Deutschland, Deutschland, über alles" und zeigte den Hitlergruß.

Ich verstehe das nicht ganz. Er ist Pole und hat eine farbige Freundin. Ich kann aber nichts Genaueres dazu sagen, ich möchte erst mit ihm darüber sprechen.

In einem Online-Medium hieß es, Sie wären bei Tomekks Aktion im Hotel in der Nähe gestanden.

Nein. Ich habe nichts davon mitbekommen.

Nun möchte DJ Tomekk ein Zeichen für Integration und den Austausch der Kulturen setzen, indem er eine Platte mit Ihnen aufnehmen will.

(lacht) Davon weiß ich noch gar nichts. Schön. Ich denke, da muss ich erst mit ihm sprechen. Aber im Moment möchte ich eigentlich keine Platte mit ihm machen.

Während Sie mit Aalschleim übergoßen wurden und Krokodilspenis kauten, gab es in Deutschland zum wiederholten Male die Debatte, ob die Dschungelshow nicht menschenverachtend sei. Hier mal drei Promi-Stimmen. Uschi Glas...

...ich wusste schon, dass Sie "Uschi Glas" sagen.

...sprach von einer Verletzung der Menschenwürde und meinte: "Die Privaten sollten nicht alles senden dürfen, nur weil das Publikum es annimmt und sie Menschen finden, die es mitmachen."

Ich finde es schade, dass sie so reagiert. Sie ist selbst eine Frau, die immer wieder mit irgendwelchen Problemen in den Medien ist. Ehrlich gesagt: Hätte sie ein Angebot wie wir bekommen, hätte sie sofort mitgemacht.

Der Journalist Peter Hahne fand, das Dschungelcamp sei ein riesiges Gewaltvideo gegen Gefühle, Seele und den gesunden Menschenverstand.

Sind diese Leute selbst nicht genügend im Fernsehen? Oder warum bringen sie sich so ins Gespräch? Ich hatte meine Gründe, ins Camp zu gehen. Ich wollte das, ich habe meine Unterschrift unter den Vertrag gesetzt. Es war meine eigene Entscheidung.

Jörg Pilawa und Regisseur Dieter Wedel fühlten sich ans alte Rom erinnert. Pilawa wartet nun nur noch darauf, dass irgend wann Menschen vor laufenden Kameras Löwen zum Fraß vorgeworfen werden.

Das finde ich schade, weil ich Jörg Pilawa kenne. In meiner Zeit bei der Gruppe Bro'Sis haben wir einiges zusammen gemacht. Von ihm hätte ich so eine Äußerung nicht erwartet.

Sie haben als Dschungelkönig einen Geldbetrag gewonnen, den sie für einen guten Zweck spenden werden. Wohin geht das Geld?

Ich spende den Gewinn, 30.000 Euro - und einen Teil meiner Gage - einem Gnadenhof bei Stuttgart namens "Animal Hope". Da werden ausgesetzte und alte Tiere gepflegt, vom Waschbären bis zum Schwein. Es gibt dort heute über einhundert Tiere. Ende des Jahres endet der Pachtvertrag. Wenn die Tiere bis dahin kein neues zu Hause finden, werden sie geschlachtet. Ich möchte alles dafür tun, dass es nicht dazu kommt.

In Deutschland machen Sie sich für Tiere stark, in Australien lassen sie sich von diversem Getier übergießen. Kein Widerspruch?

Nein. Dr. Bob aus der Show hat uns vorab gezeigt, wie gut auf die Tiere aufgepasst wird. Sie werden frei gehalten. Nach den Prüfungen kamen immer mehrere Ranger und haben sie wieder aufgesammelt, sie kommen also nicht zu Schaden. Die haben fast schon ein besseres Leben als die meisten Tiere hier in Deutschland. Und zur Heuschrecke und den Würmern, die ich essen musste: Das machen die Aborigines wirklich - so wie hierzulande Hühner oder Rinder gegessen werden. Darüber regt sich auch keiner auf.

Bei "Ich bin ein Star" haben Sie vor den Zuschauern Ihr Innerstes nach außen gekehrt. Vor einem Jahr haben sie ein Buch heraus gebracht, in dem Sie unter anderem einen Missbrauch als Kind, die Einnahme von Drogen und einen Selbstmordversuch thematisieren. Haben Sie eine exhibitionistische Ader?

Überhaupt nicht. Während meiner Musical-Zeit und bei "Bro'Sis" habe ich sehr viele Briefe von Fans bekommen, die ähnliche Probleme hatten. Sie wussten damals nicht einmal, dass es bei mir teils genau so war. Und es waren wirklich Leute dabei, die sich später das Leben nahmen. Das war der Grund für mich, zu sagen: Ich will anderen mitteilen, was bei mir schon im Leben war - und dass man dennoch durchkommen kann. Dass man trotz schlechter Erfahrungen etwas erreichen kann im Leben.

Wie geht es nun weiter bei Ihnen?

Ich sage nun nicht, dass ich ein großer Star bin. Ich bin immer noch der Ross von nebenan und mag meine Nachbarn. Ich werde bei einem Musical dabei sein und Ende Februar bringe ich eine CD raus. Zudem habe ich 300 Anfragen - für Fernsehauftritte, Moderationen, sogar eine eigene Sendung. Und das, obwohl ich nicht einmal perfekt deutsch spreche, weil ich Engländer bin. Ich freue mich, dass ich gut bei den Leuten anzukommen scheine. Vielleicht, weil ich kein abgehobener Typ bin, sondern normal. Wenn es in zwei Monaten mit der ganzen Berühmtheit wieder vorbei sein sollte, ist es auch in Ordnung.

Interview: Jörg Isert