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Kommentar

Erdogan-Schmähung: Warum das ZDF Böhmermanns Ziegen-Sex-Gedicht zu Recht gelöscht hat

Das ZDF hat ein von Jan Böhmermann verfasstes Schmähgedicht auf den türkischen Präsidenten Erdogan gelöscht - und muss sich des Vorwurfs der Zensur erwehren. Doch der Sender hat richtig gehandelt.

Jan Böhmermann über Recep Erdogan

Im "Neo Magazin Royale" verlas Jan Böhmermann am 31. März 2016 das Gedicht über den türkischen Präsidenten Recep Erdogan.

Das ZDF hat Jan Böhmermanns Gedicht "Schmähkritik", in dem er den türkischen Präsidenten Recep Erdogan beleidigt, aus der Mediathek geworfen - und wird nun massiv angegriffen. Eine Phalanx von "Bild" bis "Spiegel-Online" kritisiert den Sender mit Verweis auf die Satirefreiheit. Zu Unrecht.

Es gibt hierzulande kaum einen Satz, der so oft falsch verwendet wird wie Kurt Tucholskys Diktum über Satire. Der Journalist hatte sich 1919 in einem Aufsatz die Frage gestellt und direkt beantwortet: "Was darf die Satire? Alles". Seither wird der Satz regelmäßig herangezogen, um Respekt- und Geschmacklosigkeiten aller Art zu rechtfertigen. Ja: Satire sollte respektlos sein und auch mal die Grenzen des guten Geschmacks überschreiten. Doch Satire darf keinesfalls alles. Sie findet nicht im rechtsfreien Raum statt. Sie operiert im Rahmen des Grundgesetzes. Und das garantiert nicht nur Meinungsfreiheit, sondern auch die Menschenwürde.

Warum Jan Böhmermann zu weit ging

Jan Böhmermann sprengt mit seinem Erdogan gewidmeten Gedicht ganz klar die Grenzen der Satirefreiheit. Es ist eine Schmähung. Das ist laut Bundesverfassungsgericht eine Äußerung, in der "nicht mehr die Auseinandersetzung in der Sache, sondern die Diffamierung der Person im Vordergrund steht". Genau so ist es bei Böhmermann: Sein Vortrag ist eine einzige Anhäufung übler Beleidigungen, die alle anti-muslimischen und rassistischen Klischees inklusive Sex mit Tieren abspult, die es hierzulande gibt. Der Satiriker gibt sogar selbst zu, dass es sich um eine Schmähkritik handle, die in Deutschland nicht erlaubt sei. Als ob es das besser machen würde.

Das Grundgesetz gilt für alle

Mit seiner Entscheidung, das Gedicht aus der Mediathek zu löschen, ist das ZDF nicht vor dem türkischen Staatschef eingeknickt, wie einige Kommentatoren kritisieren. Der Sender hat eine Abwägung zugunsten der Menschenwürde vorgenommen, die gar nicht anders ausfallen konnte. Denn das Gedicht ist gar keine Satire.

Insofern kann Jan Böhmermann dem ZDF sogar dankbar sein. Sonst hätte er von einem deutschen Gericht eine Lektion in Menschenwürde bekommen. Die gilt in Deutschland für alle. Sogar für Menschen, die den Rechtsstaat selbst nicht schätzen. Für Menschen wie Recep Erdogan.