HOME

Doku-Soap "Iron Calli": Abspecken in der Kocharena

163 Kilogramm schwer, einen Körperfettanteil von 47 Prozent - Ex-Fußballmanager Reiner Calmund hat seiner Fettleibigkeit den Kampf angesagt und lässt sich in der Doku-Soap "Iron Calli" auf die Plauze schauen. Den Namen "Diät-Show" hat die Sendung allerdings nicht verdient.

Von Björn Erichsen

Wundert sich eigentlich jemand darüber, dass ausgerechnet Vox eine Abspeckshow ausstrahlt? Gerade jener Sender, auf dem es fast rund um die Uhr brät, dampft oder brutzelt, wo ein "perfektes Dinner" das nächste jagt und berufene Zungen - unter anderem die von Reiner Calmund - in der "Kocharena" streng über dargereichte Speisen richten. Und eben dieser schwergewichtige Ex-Fußballmanager, den alle nur "Calli" nennen, ist es, der sich in einer Doku-Soap mit dem Titel "Iron Calli" beim Abnehmen auf die Plauze schauen lässt.

Wir schreiben den September 2008: Reiner Calmund sitzt in seinen Lieblingsrestaurant bei seiner "Henkersmahlzeit". Er will abnehmen, endgültig. Zu diesem Zeitpunkt bringt er 163 Kilo auf die Waage, in etwa so viel wie ausgewachsener Berggorilla. Sein Ziel ist ehrgeizig: 30 Kilo sollen runter binnen Jahresfrist, "vernünftiges Übergewicht" nennt er das, außerdem will er einen Halbmarathon bestreiten. Und da Calli nicht nur rheinische Frohnatur, sondern auch eine ziemliche Rampensau ist, darf das Fernsehen mit an Bord. Warum auch nicht? Andere "Promis" verkaufen heutzutage schließlich weitaus inhaltsärmere Vorhaben an die Medien.

Fast die Hälfte des Körpers ist Fett

Das Highlight der Show gibt es gleich zu Beginn: Medizincheck an der Sporthochschule Köln, und obendrein ein Bild, das der Zuschauer nicht so schnell aus dem Kopf bekommt: Reiner Calmund beim Belastungs-EKG, den schweren Oberkörper entblößt, in voller Bewegung, keuchend und schwitzend, mit Maske zur Sauerstoffmessung vor dem Mund. Man kaum hinschauen, aber auch nicht wegsehen. Auch die Ergebnisse des Testes machen sprachlos: Bauchumfang 163,5 Zentimeter, ein Körperfettanteil von 47 Prozent! "Die Hälfte ist Speckmantel", zeigt sich sogar der begleitende Arzt beeindruckt.

Interessant wird die Sendung ansonsten nur, wenn es ins Private geht: Etwa als Ehefrau Sylvia, selbst gertenschlank und 22 Jahre jünger als ihr Mann, darüber spricht, wie sie sich mit dem enormen Körperumfang ihres Mannes arrangiert. Sie braucht eine kurze Pause und sagt dann: "Ich liebe jedes Kilo an meinem Mann. Und möchte ihn noch möglichst lange haben." Das ist vor allem deswegen bemerkenswert, weil ihr Gatte ihr da in voller Leibesfülle gegenübersitzt, sein opulentes Frühstück aus Eiern und Speck in gut einem halben Liter Ketchup ertränkt und dabei, wie immer rheinisch-fröhlich, über die Vorzüge der amerikanischen Küche fabuliert.

Herzig, humorig und harmlos

Für "Iron Calli" gilt allerdings dasselbe wie für die meisten anderen Doku-Soaps: Man darf sie nicht mit der Wirklichkeit verwechseln. Es ist eine Show mit Calli über Calli und deswegen ist die Show auch wie Calli: herzig, humorig, harmlos, und über weite Strecken ungelenk und langsam. Als seine Frau Sylvia gefragt wird, ob ihr Mann durch das Abspecken nicht sein Markenzeichen, seinen Bauch, verlieren würde, sagt sie einen Satz, der Programm für die Show sein könnte: "Calli bleibt Calli".

"Food Nanny" räumt Würstchen weg

Und als solcher lächelt er alles weg, was da an Abspeckprogramm auf ihn hereinprasselt: Er bekommt von einer Ernährungsberaterin - die heutzutage allen Ernstes "Food Nanny" heißt - eine Einführung in Trennkost und lässt sich von ihr klaglos die saftigen Würstchen aus dem Kühlschrank räumen. Sein Sport-Coach Joey Kelly scheucht ihn beim Laufen, Fahrradfahren oder Nordic Walking über die Tartanbahn. Echtes Leiden sieht man nicht, das Tempo der Show passt sich nahtlos der Geschwindigkeit an, mit der Calmund seine Übungen absolviert. Man kann mit Fug und Recht behaupten: "Iron Calli" ist die gemütlichste Diätshow, die je im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde.

Überhaupt hält sich die Spannung in überschaubaren Grenzen, was auch daran liegt, dass inzwischen jeder mitbekommen haben dürfte, dass Calmund tatsächlich rund 30 Kilogramm abgenommen hat. Das hat er längst auf seiner Webseite und über seinen Twitter-Account verkündet. So bleiben von dieser Show nur zwei Dinge haften: das Bild eines enorm übergewichtigen Mannes auf einem Fahrrad und die Erkenntnis, dass Vox im Kochen erfolgreicher ist als im Abspecken.

Themen in diesem Artikel
  • Björn Erichsen