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TV-Film "Junges Deutschland": Forrest Gumps kleine Erben

Der TV-Film "Junges Deutschland" schickt Anna Maria Mühe und Kostja Ullmann auf eine Zeitreise durch die letzten 100 Jahre deutscher Geschichte. Das hat durchaus was, ist aber manchmal etwas arg bemüht.

Von "Judge" Kester Schlenz

Deutsche Geschichte durch junge Augen gesehen: Anna Maria Mühe schlüpft in die Rolle einer Sozialistin, die 1934 verhaftet wurde.

Deutsche Geschichte durch junge Augen gesehen: Anna Maria Mühe schlüpft in die Rolle einer Sozialistin, die 1934 verhaftet wurde.

Es muss nicht immer der knurrige Guido Knopp sein, der uns Geschichte nahebringt. Das Erste schickt nun die Schauspieler Anna Maria Mühe und Kostja Ullmann auf eine Zeitreise durch 100 Jahre deutscher Geschichte. Wir finden die beiden in einer Art Loft vor und schauen Ihnen zu, wie sie aus Tagebüchern, Briefen und Aufsätzen von Zeitzeugen lesen - Original-Dokumente aus historischen Sammlungen und Archiven.

Das Besondere daran: es sind alles Aufzeichnungen von jungen Menschen an der Schwelle zum Erwachsenen-Dasein. Deshalb heißt der Film auch etwas neckisch "Junges Deutschland". Aber es bleibt nicht beim bloßen Vorlesen. Nett ist, dass sich Mühe und Ullmann in bester Forrest-Gump-Manier in kleinen Einspielfilmen selber in die Jugendlichen verwandeln, die sie hier zitieren. Sie werden zu Dienstmädchen und Kriegsfreiwilligen im Kaiserreich, BDM-Mädchen und jungen Widerstandskämpfern, Apo-Studenten, Punks und Poppern. Sie demonstrieren gegen die Atomkraft und für die Öffnung der Mauer.

Bemühte Dialoge

Mühe und Ullmann machen das sehr gut. Das Ganze ist zudem technisch sehr aufwändig gemacht. Die Filme wirken wie echtes Dokumentarmaterial. So weit, so gut. Leider wirken die "spontanen" und scheinbar zwanglosen Gespräche der beiden Schauspieler über die Jugend in den alten Zeiten sehr aufgesetzt. Sie müssen sich ganz offensichtlich an ein akribisch genaues Drehbuch halten, und so wirken diese Dialoge hölzern und mehr wie pädagogisch wertvolles Kinderfernsehen. Schade, die Grundidee ist eigentlich gut.

Das Urteil: Bitte trotzdem reinschauen. Die kleinen "historischen" Einspieler sind sehr originell. Und die beiden tollen Schauspieler müssen freigesprochen werden. Man hat sie offenbar zu diesen hölzernen Dialogen gezwungen.


Der WDR zeigt die beiden Teile von "Junges Deutschland" jeweils freitags am 11. und 18. September.