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Kein Jugendkanal für ARD und ZDF Ministerpräsidenten stoppen den Irrsinn


Es wird vorerst keinen gemeinsamen Jugendkanal von ARD und ZDF geben. Die Ministerpräsidenten haben das Projekt überraschend gestoppt. Das ist gut - auch wenn ihre Beweggründe falsch sind.
Ein Kommentar von Bernd Gäbler

Bis heute Mittag schien es beschlossene Sache, dass es einen gemeinsam von ARD und ZDF zu betreibenden Jugendkanal geben solle. Doch für die meisten Beobachter völlig überraschend haben die Ministerpräsidenten dieses Projekt vorerst gestoppt. Sie sehen noch Klärungsbedarf für die Pläne von ARD und ZDF. "Die wirtschaftliche Plausibilität und inhaltliche Tragfähigkeit des vorgelegten Konzepts von ARD, ZDF und DLR (Deutschlandradio) lassen noch Fragen offen", erklärten sie am Freitag nach der gemeinsamen Konferenz in Heidelberg. Die Anstalten haben nun bis zum 13. März Zeit, ihre Pläne zu überarbeiten und zu zeigen, dass sie mit dem vorhandenen Budget umgesetzt werden können. Für die Landespolitiker hat offenbar oberste Priorität, dass der Rundfunkbeitrag stabil bleiben soll.

Auch wenn der Grund für den Stopp wohl in erster Linie im lieben Geld liegt, ist die Entscheidung der Ministerpräsidenten einhellig zu begrüßen. Denn ein Jugendkanal wäre einer Kapitulation gleichgekommen. Unter der Hand hätten sich ARD und ZDF damit einverstanden erklärt, dass ihr Hauptprogramm von der Jugend nicht wahrgenommen wird. Die Arbeit an diesem Problem wäre nur ausgelagert worden. Das erste und zweite Programm wäre zu einem Spartenprogramm für die Alten verkommen.

Dem öffentlich-rechtlichen System droht eine Legitimationskrise

Denn dass viele Jugendlichen ARD und ZDF verschmähen, liegt nicht daran, dass junge Menschen vor lauter Youtube und ProSieben die öffentlich-rechtlichen Sender nicht mehr finden, sondern dass diese ihnen in ihrem "normalen" Programm zu wenig bieten. Zum Beispiel läuft dienstags im Ersten von Mittag bis Mitternacht: "ARD-Buffet", "Rote Rosen", "Sturm der Liebe", "Waisenhaus der wilden Tiere", "Brisant", "Verbotene Liebe", "Heiter bis tödlich", "In aller Freundschaft", "Fakt" und "Menschen bei Maischberger" - das ist einfach ein Seniorenprogramm!

Wenn sich das nicht ändert, droht dem gesamten öffentlich-rechtlichen System eine Legitimationskrise. Bedroht ist dann am Ende auch die stete Geldzufuhr. Deshalb sollten Politik und Sender jetzt nicht daran arbeiten, Angebote für die Jugend auszulagern - sondern im Gegenteil die Hauptsender für junge Zuschauer attraktiver zu machen.

Will die Jugend als "die Jugend" angesprochen werden?

Es spricht noch mehr gegen den Jugendkanal. Das lässt sich schon beim Blick auf andere Branchen erkennen: Bei jedweder Anstrengung, die unternommen wird, um "die Jugend" zu gewinnen - egal ob es Produktwerbung ist oder ein "Event" - gilt die Faustregel, dass es tödlich ist, auch noch "Jugend" auf das Etikett zu schreiben. Und bei den Jugendsendern im Hörfunk ist es schon seit Langem üblich, dass auf keinen Fall der Name der Anstalt auftauchen darf. Das gilt für alle erfolgreichen Jugendwellen - von Eins live über Bremen vier bis "Das Ding".

Das ganze Vorhaben wäre zudem halbherzig gewesen. Der vorgesehene Jahresetat von 45 Millionen Euro ist keineswegs üppig. Selbst wenn man einiges an Quersubventionierung unterstellt, wäre das kaum genügend Geld für sinnvolle Eigenproduktionen und neue Formate. Die braucht es aber, denn einige dritte Programme der ARD wissen, wie schwer die Aufgabe ist, junge Menschen vor den Bildschirm zu locken.

Das ZDF hat mit ZDFneo bereits einen relativ erfolgreichen Sender für jüngeres Publikum etabliert. Die Mainzer hätten wohl einen Teufel getan, die besten Formate für den neuen Kanal zur Verfügung zu stellen. Es wäre wohl darauf hinausgelaufen, dass das Zweite die Übertragung der Live-Konzerte beisteuert, die bislang auf ZDF Kultur laufen.

Die Vernunft hat gesiegt

Vor allem die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hatte sich stets für diesen Kanal stark gemacht. Sie erlitt nun eine deftige Niederlage. Dagegen darf sich ihre Gegenspielerin, die rheinland-pfälzische CDU-Politikerin Julia Klöckner, als Gewinnerin fühlen. Sie machte den klugen Vorschlag, man könne doch den ohnehin nur tagsüber sendenden Kinderkanal abends zum Jugendkanal machen und parallel dazu ein zeitunabhängiges 24-Stunden-Internetportal für junge User eröffnen.

Zwar ist das Thema offiziell noch nicht komplett vom Tisch. Doch nach Einschätzung von Medienpolitikern ist das Projekt gestorben. Man mag es kaum glauben - es sieht ganz so aus, als hätte die Vernunft gesiegt!

Mitarbeit: Carsten Heidböhmer

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