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Keira Knightley in "Die Herzogin" auf Vox: Im Reifrock auf den Spuren von Lady Di

Eine junge, lebenslustige und schöne Frau wird plötzlich die Braut eines älteren Adligen. Das Volk liegt ihr zu Füßen, doch der Gatte geht fremd, so dass sie daran zerbricht. Es klingt wie das Leben von Lady Di und tatsächlich hat der Film "Die Herzogin" mit Keira Knightley eine überraschende Verbindung zu Diana.

Sobald die strahlend schöne Georgiana (gespielt von Keira Knightley), Duchess of Devonshire, einen Ballsaal betritt, zieht sie sehnsüchtige Männerblicke auf sich - und trifft auf giftig funkelnde Frauenaugen. Die junge Frau ist der Star jeder Gesellschaftsparty, ihr Modestil wird von den einflussreichsten Damen kopiert.

Schon mit der ersten Szene ist der Grundkonflikt des Films vorgegeben: Georgiana veranstaltet auf dem Rasen vor einem malerischen englischen Landgut ein wildes Wettrennen ihrer Verehrer, das vor allem das Herz ihres späteren Liebhabers Charles Grey (Dominic Cooper) höher schlagen lässt.

Im Inneren des Schlosses herrscht dagegen eiskalte Totenruhe. Georgianas Zukünftiger, der Duke of Devonshire (Ralph Fiennes), tritt mit arroganter Mine ans Fenster, betrachtet widerwillig die Neckereien im Garten - und willigt schließlich in einen verhängnisvollen Pakt ein: Weil er zur Absicherung seiner Dynastie unbedingt einen männlichen Nachkommen braucht, unterzeichnet der steinreiche Aristokrat ein Heiratsarrangement, bei dem Georgianas Mutter (Charlotte Rampling) die Strippen zieht.

Die Herrin der Kostümfilme

Doch dann scheitert Georgiana an ihrer vermeintlich wichtigsten Lebensaufgabe: Anstelle des ersehnten Stammhalters kommt eine Tochter auf die Welt, und die frischgebackene Mutter muss lernen, dass ihre Ehe nur eine bittere Farce ist, die mit Blick auf die sensationslüsterne Öffentlichkeit aufrechterhalten wird. Ihr Ehemann hat sich bereits eine neue Geliebte gesucht: Ausgerechnet ihre einzige Vertraute, Lady Bess Foster (Hayley Atwell), zieht in den gemeinsamen Palast ein und teilt fortan mit dem Herzog Bett und Tisch. Georgiana wird zur einsamen Gefangenen in einem goldenen Käfig.

Regisseur Saul Dibb schwelgt in seinem oscargekrönten, perfekt ausgestatteten Kostümfilm in Opulenz - ohne jedoch eine seelenlosen Ausstattungsorgie abzuliefern. Dass sein Drama in der Tradition von Schmachtfetzen wie "Sinn und Sinnlichkeit" oder "Stolz und Vorurteil" auf einem gut recherchierten Bestseller von Amanda Foreman basiert, der noch dazu das verbürgte Liebesunglück der historischen Georgiana Spencer, der Ur-Ahnin von Lady Diana, zum Thema hat, schadet dem Vermarktungspotenzial des Films nicht. Allzu plumpe Bezugnahme auf die moderne tragische "Ménage-à-trois" zwischen Diana, Charles und Camilla verkneift sich das Drama aber zum Glück.

Für Hauptdarstellerin Keira Knightley ist "Die Herzogin ein Heimspiel. Keine Schauspielerin Hollywoods wandert so konsequent, selbstbewusst und elegant durch die Epochen wie die 27-jährige Britin. Demnächst wird sie wieder mit Regisseur Joe Wright zusammenarbeiten. Nach "Stolz und Vorurteil" und dem hochgelobten Film "Abbitte" arbeiteten beide an einer Tolstoi-Verfilmung von "Anna Karenina". In dem Drama ist sie erneut unglücklich verheiratet - diesmal mit Jude Law. Der Film über die adlige russische Gesellschaft im 19. Jahrhundert kommt am 25. Oktober in die Kinos.

"Die Herzogin", Donnerstag 28. Juni 20:15 Uhr auf Vox

ono/Jasmin Herzog, Teleschau / TELESCHAU