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Autor von "Was vom Tage übrig blieb": "Starke emotionale Kraft": Kazuo Ishiguro bekommt Literaturnobelpreis

Die schwedische Nobelakademie hat es erneut geschafft: Den britischen Schriftsteller Kazuo Ishiguro hatten nur wenige als Träger des Literaturnobelpreises auf dem Zettel. Nach Bob Dylan eine weitere faustdicke Überraschung.

Kazuo Ishiguro

Der britisch-japanische Schriftsteller Kazuo Ishiguro bekommt den Literaturnobelpreis 2017.

 Wieder einmal hat die schwedische Nobelakademie die Weltöffentlichkeit verblüfft: Der britische Schriftsteller (62) bekommt den Literaturnobelpreis. Nach der Auszeichnung des US-Songpoeten Bob Dylan im vergangenen Jahr ist das erneut eine große Überraschung. Ishiguro, der zwar in Japan geboren wurde, aber seit seiner Kindheit in Großbritannien lebt, wird für "seine Romane von starker emotionaler Kraft" ausgezeichnet, wie die Schwedische Akademie am Donnerstag in Stockholm bekanntgab. Darin lege er den Abgrund unserer vermeintlichen Verbundenheit mit der Welt bloß, hieß es weiter.

Zu Ishiguros bekanntesten Werken gehören "Was vom Tage übrig blieb" und "Alles, was wir geben mussten". Beide Bücher wurden verfilmt. Ersteres mit und Emma Thompson in den Hauptrollen, der Film war acht Mal für den Oscar nominiert; beim letzteren (mit Keira Knightley und Charlotte Rampling) agierte Ishiguro als einer der ausführenden Produzenten.

Damit hat erneut ein Europäer den Nobelpreis gewonnen - denn so sieht sich Ishiguro ganz eindeutig. "Ich sehe zwar japanisch aus, bin aber ein britischer Schriftsteller", hatte er im vergangenen Jahr in einem Interview der japanischen Tageszeitung "Mainichi Shimbun" gesagt. Preisträger aus Europa sind in der mehr als 100-jährigen Geschichte der Auszeichnung deutlich in der Überzahl.

"Eine Kreuzung aus Jane Austen und Franz Kafka"

Der Autor selbst sei von der Entscheidung der Akademie ebenso überrascht worden wie der Rest der Welt, sagte Jury-Chefin dem schwedischen Radio direkt nach der Bekanntgabe. Sie habe ihn zuvor nicht erreicht. "Ich werde versuchen, ihn jetzt anzurufen." Danius beschrieb Ishiguro als brillanten Romanautor. Er sei "eine Kreuzung aus Jane Austen und Franz Kafka", ein sehr authentischer Schriftsteller, der seine eigene Ästhetik entwickelt habe.

Anders als bei der umstrittenen Wahl von Dylan im vergangenen Jahr gab es diesmal deutlich mehr Lob als Tadel für die Entscheidung der Akademie. "Begeistert", äußerte sich Literaturkritiker Denis Scheck. "Die schwedische Akademie hat mit dieser Entscheidung ihr Brett vor dem Kopf in ein Fenster zur Welt verwandelt", sagte er der DPA. "Ishiguro ist ein idealer Brückenbauer nicht nur zwischen Japan und Großbritannien, sondern auch zwischen der fantastischen und Science Fiction hin zum bürgerlichen Roman."

Das Internationale Auschwitz Komitee zeigte sich ebenfalls hocherfreut. "Ishiguro hat in seinem Werk viel zu einem Erinnerungsprozess beigetragen, der weltweit Menschen berührt und auf die Reise zu sich selber schickt", erklärte Exekutiv-Vizepräsident Christoph Heubner in einer Mitteilung. Der Autor habe vor etlichen Jahren auf Einladung des Komitees die Gedenkstätten Auschwitz und Birkenau besucht.

Bob Dylan polarisierte

Im vergangenen Jahr war der Rockmusiker Dylan für seine poetischen Neuschöpfungen in der amerikanischen Songtradition mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet worden. Er habe "den Status einer Ikone" und einen tiefgreifenden Einfluss auf die zeitgenössische Musik, begründete die Jury damals. Allerdings sahen dies nicht alle Experten in der Literaturwelt so. Etliche sprachen Dylan sogar den Rang eines Literaten ab.

Außerdem ließ Dylan zwei Wochen lang offen, ob er den Preis annehmen werde, kam dann nicht zur Verleihung nach Stockholm und holte die Auszeichnung erst Monate später ab, als er ohnehin für Konzerte in Schweden war.

Den Preisträger wählt die Schwedische Akademie, die aus Schriftstellern, Literatur- und Sprachwissenschaftlern und Historikern besteht. Die mit neun Millionen schwedischen Kronen (rund 940.000 Euro) dotierte Auszeichnung wird am 10. Dezember - dem Todestag von Preisstifter Alfred Nobel (1833-1896) - gemeinsam mit den Nobelpreisen für Medizin, Physik und Chemie in Stockholm verliehen. Nur der Friedensnobelpreis wird in Oslo überreicht.


che/DPA
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo