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Ken Folletts Bestseller "Tore der Welt": Sat 1. setzt wieder aufs Mittelalter

Opulent, dunkel, brutal - bei Sat.1 hält zwei Jahre nach dem Vierteiler "Säulen der Erde" und der "Wanderhure" wieder das Mittelalter Einzug. Dieses Mal ist Ken Folletts "Tore der Welt" an der Reihe.

Der britische Bestsellerautor Ken Follett versteht sein Geschäft. Schon vor mehr als 20 Jahren nahm der heute 63 Jahre alte Erzähler großer Mammutromane einen Trend voraus, der sich erst seit wenigen Jahren in der Roman- und Filmwelt niederschlägt: die Rückbesinnung aufs Mittelalter. Vor zwei Jahren fand der erste Wälzer Eingang ins Fernsehen, der Vierteiler "Die Säulen der Erde" - Sat.1 fuhr mit etwa 6,8 Millionen Zuschauer pro Folge beachtliche Quoten ein. Die waren zur Refinanzierung des teuren Projekts nötig.

Der Anlauf für den zweiten Durchgang, den neuen Vierteiler "Tore der Welt" von diesem Montag (20.15 Uhr) an, verlief indes schwierig. Im Oktober setzte Sat.1 an vier Hauptabendterminen um 20.15 Uhr zur Einstimmung des neuen Epos die Wiederholung der "Säulen der Erde" an, jedoch mit schwachen Quotenergebnissen. Deswegen musste der Sender die Wiederholung auf eine viel spätere Ausstrahlungszeit verlegen. Sorgt das Mittelalter doch für Ermüdung? Auch der dritte und letzte Teil der Sat.1-"Wanderhure" fiel kürzlich mit 5,5 Millionen Zuschauer schwächer als erwartet aus.

"Tore der Welt" ist eine mittelalterliche Saga aus dem 14. Jahrhundert über Mord, Intrigen, Liebe, Korruption und Gewalt im englischen Kingsbridge zu Beginn des Hundertjährigen Krieges zwischen Frankreich und England. Die bombastische Produktion entstand unter der Federführung der in München ansässigen Firma Tandem Communications und unter der Regie von Michael Caton-Jones. 46 Millionen Dollar (etwa 36 Millionen Euro) verschlang die Story, die vorwiegend in Ungarn gedreht wurde, weil dort der 20 000 Quadratmeter große Marktplatz von Kingsbridge errichtet wurde.

Hohe Ausgaben für Requisiten

Auch die Requisiten verschlangen viel Geld: 65 Pferde mussten gehalten werden, 20 weitere Tierarten wurden in den Film geschleust und von ihren Trainern betreut, zum Beispiel Raubvögel und sogar Ratten. 200 Schwerter, 100 Schilde, 140 Speere und 100 Fahnen gehörten zur Ausstattung und mussten jeden Tag ausgegeben und wieder eingesammelt werden - ein hoher Aufwand.

Als Mutter der Produktion zog im Hintergrund wieder Tandem-Communications-Chefin Rola Bauer die Fäden. Die Frau des Medienmanagers Ludwig Bauer, Geschäftsführer des österreichischen Senders ATV, gehört zu den wenigen weiblichen TV-Unternehmerinnen, die solch internationale Koproduktionen verantworten. Als "ihr Baby" bezeichnet der bei Sat.1 zuständige Redakteur, Thomas von Hennet, den Mehrteiler. Die Kosten sollen über den Weiterverkauf in Dutzende von Ländern wieder hereinkommen.

Fortsetzung der Fernsehinszenierungen

Die Gesamtkosten sind zwar bekannt, weil auch Fördergelder in die Produktion wanderten, aber wie hoch der Anteil des deutschen Privatsenders ist, wird nicht verraten. Zur Schauspielercrew zählen neben Charlotte Riley, Cynthia Nixon, Ben Chaplin und Peter Firth von deutscher Seite unter anderem Nora von Waldstätten und Hannes Jaenicke.

Autor Follett wird konsequent den Weg der Fernsehinszenierung seiner Werke weitergehen, obwohl für ihn das Mittelalter längst kalter Kaffee ist. Auch die Rechte an seiner neuen Buch-Trilogie aus dem 20. Jahrhundert werden ans TV verkauft, wie der Brite bei der Vorabpremiere des Vierteilers vor kurzem in Berlin ankündigte. Der zweite Teil dieser Trilogie, "Winter der Welt", erschien in diesem Herbst. Vor zwei Jahren kam der erste Band, "Sturz der Titanen", auf den Markt. Der dritte Teil steht noch aus.

fle/Carsten Rave, DPA / DPA
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