HOME

Kritik zu "Günther Jauch": Mit Backpulver und Binsen gegen die Benzinabzocke

Mit der Benzinpreiswut lassen sich gute Quoten erzielen, dachte sich wohl Günter Jauch. Doch inhaltlich war sein Sendungs-Tank ziemlich leer. Und Gast Ranga Yogeshwar brachte den Moderator sogar kurz ins Schleudern.

Von Christoph Forsthoff

"Backpulver im Tank führt dazu, dass der Energieverbrauch deutlich gesenkt werden kann." Für einen Moment hatte es Dauer-Frager und -Redner Günter Jauch dann doch einmal die Sprache verschlagen. Leicht irritiert hörte der Moderator einfach zu, als Ranga Yogeshwar über jenen revolutionären Versuch aus Neuseeland erzählte und mit Niki Lauda gleich noch einen Verbündeten in die Testergebnisse einbezog. Das Ganze sei ja auch bereits beim Grand Prix in Australien diskutiert worden, doch der Bernie Ecclestone habe dies abgelehnt. Zum Glück für Jauch aber zog der ARD-Allzweck-Wissenschaftsjournalist seinen Talkshow-Versuch dann nicht weiter durch, sondern outete sich als kleiner Scherzbold: April, April …

Womit allerdings auch das Niveau der jüngsten Diskussionsrunde zur "Großen Benzinabzocke" auf den Punkt gebracht worden war: Es ging offenbar schlicht um Unterhaltung - die je nach Gast mal besser, mal schlechter ausfiel. Dumm nur, dass mit Klaus Picard ausgerechnet der eigentlich als böser Bube vorgesehene Gast den fundiertesten Eindruck hinterließ: Der Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes zählte einfach (seine) Fakten auf - harter Wettbewerb, Mineralölkonzerne verdienen nur einen Cent pro Liter, schwacher Euro, steigende Einkaufskosten, Raffinerien arbeiten in der Verlustzone - und seinen Talkpartnern fielen kaum substanzielle Gegenargumente ein. Nicht, dass es die nicht gäbe, aber offenbar hatte für die Zusammensetzung der Runde Fachwissen einmal mehr als Ausschlusskriterium herhalten müssen.

"Der Preis wird auch noch auf 2,50 Euro gehen"

So durfte FDP-Generalsekretär Patrick Döring noch einen letzten verzweifelten Versuch der Wählerwerbung für seine Splitterpartei unternehmen und ein Plädoyer für die Erhöhung der Pendlerpauschale halten; der dreifache Formel-1-Weltmeister Lauda warb für den weltgrößten Energieverschwender USA, wo das Benzin weniger als die Hälfte des hiesigen Preises koste und plauderte über sein Liebesverhältnis zum Auto, und Yogeshwar ging einmal mehr seinem Hauptvergnügen nach, Sachverhalte möglichst plakativ darzustellen. Über ein Jahrhundert hinweg sei der Mensch geradezu auf das Auto konditioniert worden und gleiche heute einem Junkie - "wir müssen langfristig runterkommen von der Drogenabhängigkeit vom Öl". Was natürlich grundsätzlich richtig war und ist, doch leider an diesem Abend ebenso wenig die Sendungsfrage "Wer stoppt die Preistreiber?" beantwortete wie es die Diskussion voranbrachte.

Da hatte Bärbel Höhn schon mehr Substanzielles zu bieten, wenn die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen die fehlenden Markt-Mechanismen in der Branche anprangerte, auf das zu Ende gehende Zeitalter des Öls hinwies oder der deutschen Automobilindustrie vorhielt, bestimmte technische Trends schlicht zu verschlafen. "Der Preis wird auch auf zwei Euro pro Liter gehen, auch noch auf 2,50 Euro - und die sparsamen Autos sind bis dahin noch nicht da." Und dank Achim Hirsch gab's immerhin ein wenig mehr Einblick in die armselige Selbstständigkeit der Tankstellenbetreiber: Ein Cent pro Liter bleibe bei den Pächtern hängen, so der Berater von Tankstellenbetreibern, obendrein müssten diese auch noch von den Einnahmen aus dem sonstigen Geschäft mit Zeitungen, Zigaretten und Süßwaren Provisionen an die Mineralölkonzerne abdrücken - und das bei einer jährlichen Tankstellenpacht zwischen 120.000 und 450.000 Euro.

50 Euro, dass Ostern die Benzinpreise steigen

Und Jauch selbst? Dem fiel außer reinen Abfrage-Runden zu all dem wenig Diskussions-Förderndes ein. Lieber warb der 55-Jährige für eine Tank-App und versuchte sich im populistischen "Wetten, dass ..?" mit Picard: 50 Euro, dass in der Osterwoche die Benzinpreise wieder steigen würden. Für solch grandiose Erkenntnis hätte es wirklich keine 60 teuren Sendeminuten gebraucht.