Kühn kuckt - die TV-Kolumne Ein Würstl abziehen


Vor 20 Jahren starb Hans Rosenthal, der Mann, der im ZDF gern in die Luft sprang und ein paar Augenblicke lang oben hängen blieb. Ein kleiner Gruß nach oben von stern-Redakteur Alexander Kühn.

Liefe "Dalli Dalli" heute noch, würde der Sendung vielleicht ein Sponsorenhinweis vorausgeschickt: "...wird Ihnen präsentiert von Doloteffin, dem Mittel gegen Gelenkschmerzen - damit sie auch im Alter noch hohe Sprünge machen können." Wenn man sich an irgendwas erinnert aus dieser Spielshow, nach der damaligen ZDF-Sprachregelung "Quiz für Schnelldenker" genannt, dann daran: Wie Hänschen Rosenthal, ein stets gutgelauntes, quirliges Männchen, nach einer vom Publikum heftig beklatschten Leistung eines Kandidaten rief: "Sie sind der Meinung, das war…", und alle antworteten: "... Spitze!", worauf Rosenthal in die Luft sprang, die Hacken an den Hintern schlagend, die Arme in die Höhe werfend, und wenn er oben war, stoppte das Bild für wenige Augenblicke - fernsehsteinzeitliche Zauberei.

Vielleicht würde das ZDF die Sendung heute auch von irgendeiner Honigfirma sponsern lassen. Die Kulisse von "Dalli Dalli" waren riesige Bienenwaben, zu einer Wand aufgeschichtet, mit einer Tür, aus der die Kandidaten hervortraten. Dazu Heinrich Riethmüller, der musikalische Leiter, seinen Tasten stets eine fröhliche Melodie entlockend. Das Jochen Brauer Sextett. Und Oskar, der Schnellzeichner. 153 Sendungen, von 1971 bis 1986.

"Ein Grillwürstl müssen wir abziehen"

Das Spiel selbst ging so: Rosenthal stand mit der Stoppuhr vor prominenten Paaren und fragte Dinge des alltäglichen Lebens ab. "Was braucht man, um ein zünftiges Gartenfest zu feiern? Sie haben 30 Sekunden Zeit. Dalli, dalli." Dann ratterten die Gäste abwechselnd Gerätschaften und Lebensmittel runter. War die Zeit um, meldete sich die Jury zu Wort. Brigitte Xander, Ekkehard Fritsch, Mady Riehl. Sie wachten über falsche Antworten oder Dopplungen und sagten dann streng: "Ein Grillwürstl müssen wir leider abziehen." Und schon wurde der gewonnene Betrag verkündet, soundsoviel D-Mark, macht soundsoviel Schilling, für die Freunde in Österreich.

Danach mussten die Kandidaten irgendwelche Burgen bauen oder Klötze hin und her schieben. Dann wurden ihnen Dias gezeigt, von denen Teile verdeckt waren, Dalli klick. Am Ende, wenn feststand, wie viel Geld den Abend über eingespielt wurde, gab Rosenthal bekannt, welchen unverschuldet in Not geratenen Mitbürgern es zukommen werde. Und dann verabschiedete sich "aus diesem Sendesaal das gesamte Team und Ihr Hans Rosenthal".

Bei Rosenthal gab es keine Verlierer

Vielleicht würden sie so einen wie Hans Rosenthal heute gar nicht mehr ins Fernsehen lassen. Er riss keine Zoten. War nicht eitel. Nicht schleimig. Er war einfach nett zu den Leuten. Wenn in einer seiner Sendungen zwei Kandidaten gegeneinander antraten, und einer wusste nix, dann sagte Rosenthal, die nächste Frage sei jetzt nur für den Zurückliegenden; der mit den eh schon so vielen Punkten solle ihm mal eine Chance lassen. Bei Rosenthal gab es keine Verlierer. Nur zweite Sieger. Seufz. Eine Gedenkminute für Hans Rosenthal, der am 10. Februar 1987 starb, im Alter von 61 Jahren.


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