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Kühn kuckt - die TV-Kolumne: Erdspalte, bitte kommen!

Nicolas Sarkozy gegen Ségolène Royale, Mark Medlock gegen Martin Stosch - selten war im Fernsehen so viel Zweikampf wie an diesem Wochenende. stern-Redakteur Alexander Kühn hat mitgefiebert.

Es war das große Wochenende der TV-Duelle: Mann gegen Frau, Mann gegen Mann, Frau gegen Frau. Die Sender boten einen Zweikampf nach dem andern, sodass wir, die wir uns auch vom sonnigstem Wetter nicht die Freude am Fernsehen vermiesen lassen, nach heftigem Mitfiebern gerädert in den Montagmorgen gestartet sind. Der harmloseste Fight war noch der in Frankreich; es hatte sich ja bereits abgezeichnet, dass der konservative Kandidat mehr Stimmen bekommen würde als die Sozialistin. Und als dann am Sonntagabend die Autos brannten, sagte der in die "Tagesthemen" zugeschaltete Reporter: Das sei normal hier, kein Grund zur Aufregung.

53 Prozent der Stimmen gaben die Franzosen Herrn Sarkozy. Respectable. Aber nichts gegen die 78 Prozent Zustimmung, mit denen die RTL-Zuschauer am Samstag ihren Superstar gekürt hatten: Mark Medlock, der kurz nacheinander beide Eltern verlor, der von seinem Ehemann vermöbelt wurde und nun auch noch ein Lied von Dieter Bohlen geschrieben bekam. "Love Me Tender" heißt es. Nein, Verzeihung: "Now Or Never".

"Zum Abspritzen geil"

Es war das aufwühlendste Finale in der Geschichte von "DSDS", weil man den Sieg keinem der beiden Kandidaten so recht gönnen wollte: Medlock nicht, weil er einem mit seinen hessischen Gefühlsausbrüchen auf den Zeiger ging, "zum Abspritze geil" und so - aber auch nicht dem stoischen Martin Stosch, gegen den Alexander Klaws aus der ersten Staffel noch ein Vulkan war. Und man hoffte bis zum Ende auf eine sich plötzlich auftuende, beide verschluckende Erdspalte.

In den Werbepausen kurz zu 3sat geswitcht. Kultur. Jelinek, Nobelpreisträgerin. "Ulrike Maria Stuart", die Aufführung des Hamburger Thalia Theaters beim Berliner Theatertreffen. Der Zickenkrieg der Terroristinnen Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin, inspiriert durch Shakespeares Drama von den verfeindeten Königinnen Elisabeth und Maria. Als Promi-Pappfiguren auf die Bühne getragen wurden, die man bewerfen oder beschießen oder sonst was konnte, darunter auch eine mit dem Gesicht von Klaus Wowereit, da schwenkte die Kamera ins Publikum und zeigte ihn in echt, Berlins Regierenden Bürgermeister. Er lachte, was soll man sonst tun als Würdenträger, wenn man im Fernsehen ist, das kennt man ja von den närrischen Sitzungen in Mainz oder Köln. Ansonsten wurde auf der Bühne rumgebrüllt und rumgesabbert, Männer trugen Frauenkleider, und eine Vagina sprach zur anderen. Im Wesentlichen: nix verstanden.

Das Duell der Nichtsnutze

Blieb noch, zurück zu RTL, das Duell der Nichtsnutze. Ein dicker Mann und eine dicke Frau, die in der Anrufzeit zwischen dem "DSDS"-Finale und der "DSDS"-Entscheidung lustige Filmchen ansagten, in denen Kinder in den Pool fallen oder aufs Gesicht oder auf den Hinterkopf: "Upps - die Superpannenshow". Der dicke Mann las vom Teleprompter ab, er wolle auch Superstar werden, vielleicht in der nächsten Staffel. Die dicke Frau haute ihm auf die Wampe und las ab, "na, einen Resonanzkörper hast du ja schon".

Nach so viel Zwietracht sehnen wir uns nach Harmonie. Unsere Fernsehtipps für diese Woche: Montag, 21.15 Uhr, RTL: "Helfer mit Herz". Dienstag, 21.05 Uhr, ARD: "In aller Freundschaft". Mittwoch, 20.15 Uhr, ZDF: "Der Fürst und das Mädchen".