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TV-Kritik

"Love Island": Pimpern unter Palmen

Armes Mallorca. Erst überschwemmen deutsche TV-Auswanderer die Insel, jetzt kommt ein Dutzend Singles zum Kontakten und Knattern. "Love Island" ist superstumpf  – aber dank einer Schweizerin auch ein bisschen heiß.

Von Mark Stöhr

Sagt das kleine B-Körbchen zur 75C: "Hallöchen." Und die so: "Meine stehen noch." Was nichts anderes heißen soll als: Meine Brüste sind echt. Da stehen ringsum die aufgespritzten Münder offen und die in Form gespachtelten Augenbrauen zeigen wie Ausrufezeichen nach oben. Echte Brüste! Irgendwie peinlich, aber irgendwie auch geil.

In "Love Island" treffen sechs als Prostituierte verkleidete Buchhalterinnen auf fünf tätowierte Pornodarsteller, um Sex zu haben. Wer in der Schule aufgepasst hat, wird die Inkongruenz bemerkt haben: Nach dem klassischen Paarungsmodell ist das eine Frau zu viel. Natürlich ist genau das der Witz – Witz jetzt in den humoristischen Kategorien von RTL 2. Den Showmachern schwebt eine Art Rudelbumsen unter Rennbedingungen vor. Wer nicht schnell genug ein Rohr verlegt, guckt am Ende in die Röhre. Der fliegt raus, noch bevor er sozusagen drin war. Wie genau das geregelt ist, müsste man in den AGBs nachlesen. Sehen wir uns lieber die Kandidaten an.

"Love Island": Die Schweizerin Elena soll die Männer aufmischen

Rattenscharf und dazu noch supersmart. Elena soll die müden Männer auf der "Love Island" aufmischen


"Love Island": keine Matches, null Vibes

Die Frauen: das übliche Bachelor-Personal. Langhaarige Bunnies mit leeren Augen und pavianartig ausgestellten Geschlechtsmerkmalen. Wie sie so verloren in ihren Bikinis rumstanden und hektisch die eine oder andere Pose versuchten, verging einem glatt der Sexismus. Was für ein Leben: ein ewiges Waxen und Sugarn. Dieses Scheitern kennen sonst nur Kleingärtner: Gegen die Natur ist einfach kein Kraut gewachsen.

Die Typen: das übliche Bachelorette-Personal. Muskelpakete ohne Brusthaare, Großraumdisco- und Gym-Gänger. Sie pumpten ihre Oberarme auf und machten dazu ein Bubi-Grinsen, weil sie irgendwo gelesen haben, dass die Mischung aus hart und soft bei Frauen besonders gut ankommt. Beuteschema: "Auf jeden Fall Kurven, braungebrannt und so." Was für ein Leben: ein ewiges Streamen und Wanken. Wenn die Natur ruft, muss wenigstens die Internetverbindung stehen.

Womit die Formatverantwortlichen wahrscheinlich nicht gerechnet hatten und was das mit Abstand abwegigste Auswahlprozedere in der schon viel zu langen Fernsehgeschichte ergab, war: Zwischen dem weiblichen und männlichen Lager funkte es nicht. Keine Matches, null Vibes. Die Männer seien zu klein, lautete der Befund von der Stiletto-Fraktion, was zu der bizarren Situation führte, dass die Paare sozusagen zum Paaren getragen werden mussten. Ein Profi-Stripper aus Augsburg war kurz vorm Heulen.


Eine "Überraschungsgranate" bringt die Wende

Eine Schweizerin mit spanischen Wurzeln rettete schließlich die Auftaktshow: , 25, Account-Beraterin, was das auch immer sein soll. Sie war die "Überraschungsgranate" und ist, man kann's nicht anders sagen, tatsächlich rattenscharf und dazu noch supersmart. Elena hatte die Aufgabe, innerhalb von 24 Stunden eine der bereits bestehenden Verbindungen zu sprengen und sich einen der fünf Typen zu angeln. Das brachte etwas Dynamik in den stagnierenden Stumpfsinn.

Denn die Zungen der Maiks, Julians und Andrés hingen natürlich auf dem Boden, als das eidgenössische Geschoss an ihnen vorbeiwackelte. Aus müden Pennern wurden plötzlich hellwache Player. Und die Konkurrentinnen, darunter immerhin eine Vize-Miss NRW, nestelten nervös an ihren Bikinis. Doch gegen Elena war kein Körbchen egal welcher Größe gewachsen.

Am Ende zog eine Annika aus Berlin den Kürzeren und ein Jan aus Köln das große Los: Er ging mit Elena erst duschen und dann zum wilden Fummeln ins Bett. Leute verlieren im Fernsehen ja schnell ihre Hemmungen. Knattern vor der Kamera zählt mittlerweile offenbar zu Extremsportarten wie Cave Diving oder Acro-Paragliding. In Folge zwei dürfte es bei Elena und Jan soweit sein. Pimpern unter Palmen für ein bisschen Ruhm. Daten kann so dämlich sein.

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