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Obdachlose Mutter Netflix-Hit "Maid": Die wahre Geschichte dahinter ist noch härter

Maid
Szene aus "Maid": Alex (Margaret Qualley) will ihrer Tochter Maddy (Rylea Nevaeh Whittet) ein besseres Leben ermöglichen
© Netflix
Die Serie "Maid" steht in Deutschland gerade auf Platz 2 der Netflix-Charts. Die Geschichte über eine obdachlose Mutter beruht auf einer wahren Begebenheit - und war eigentlich noch viel härter.

Sie kämpft für ein besseres Leben für sich und ihre kleine Tochter - und landet doch immer wieder auf der Straße: Das beeindruckende Netflix-Drama "Maid" zeigt, wie schwer die Befreiung aus Armut und toxischen Beziehungen ist, und wie schier unmöglich sich die Anspruchnahme von Sozialhilfe oft gestaltet. Nur ein Beispiel: Alex (gespielt von Margaret Qualley) braucht einen Job, um sich und ihr Kind alleine durchzubringen. Aber um arbeiten gehen zu können, braucht sie einen Kitaplatz - den es wiederum nur gibt, wenn sie einen Job hat. Ein klassischer Teufelskreis. Die Geschichte beruht auf dem gleichnamigen Buch der Autorin Stephanie Land. Es ist ihre Autobiografie.

Land ist 2008 mit ihrer Tochter aus einer toxischen Beziehung geflohen und hat später ihre Erfahrung als alleinerziehende Putzfrau aufgeschrieben. Und die war noch härter als in der Serie, Netflix hat einige Dinge aus dem Buch verändert. Statt im Frauenhaus landete Land mit ihrer Tochter zuerst in einer Obdachlosenunterkunft, statt nur einem Jahr, hat es zwei Jahre als Putzfrau gebraucht, bevor Stephanie Land genügend Kraft und Mittel hatte, um sich für ein College-Stipendium zu bewerben. Statt nur einem Mal, war Land häufig vor Hunger der Ohnmacht nahe. Und statt nur einer toxischen Beziehung, gab es auch noch eine weitere, bei der es auch zu körperlicher Gewalt kam. "Egal, wie viel ich gearbeitet habe, es war nie genug. Ich war nie genug", schreibt Land auf ihrer Website.

Die echten Szenen aus "Maid" zeigt die Autorin auf Instagram

"Maid" ist stellenweise fast trügerisch leicht, etwa wenn wir als spielerische Rechnung auf dem Bild sehen, wie bei jedem Einkauf das wenige Geld in Alex' Tasche einfach nicht reichen will. Oder wenn Alex auf dem Handy Tinderdates sucht und die Typen ihr lebensgroß im Wohnzimmer erscheinen. Doch auch im echten Leben gab es immer wieder schöne Momente. Die geschenkten Spielzeug-Ponys für die Tochter, die gab es wirklich beispielsweise. Auf Instagram zeigt Land gerade immer wieder echte Szenen aus ihrer Vergangenheit, die auch in der Serie vorkommen.

Netflix-Serie "Maid": Eine junge Mutter im Überlebenskampf gegen Armut

Wie heftig "Maid" ist, wird vor allem zum Schluss klar: Fast unbemerkt, schleichend ist Alex wieder bei ihrem Ex-Partner eingezogen, der sie kontrolliert und missbraucht. Und plötzlich fällt einem der Satz aus der ersten Folge wieder ein: "Die meisten Frauen brauchen sieben Anläufe, bis sie wirklich gehen", hatte ihr die Beraterin im Frauenhaus gesagt. Dass es für Alex am Ende ein Happy End gibt, ist die Ausnahme, nicht die Regel.

Auch Stephanie Land hat ihr Happy End bekommen - aber ganz zu Ende ist der Albtraum nie. Sie habe Morddrohungen erhalten, weil sie darüber geschrieben habe, ihr Kind mithilfe von Essensgutscheinen durchzukriegen, erzählt sie. Und viele Kommentare wie: Sie solle ihre Kinder - sie hat mittlerweile zwei - zur Adoption freigeben, wie könne man arm sein und schwanger werden? Selbst als ihr Buch schon ein großer Erfolg war, habe sie immer noch nachts wach gelegen und sich gefragt: "Wann passiert wieder etwas Schlimmes?" Dabei wisse sie, dass sie als weiße, gesunde Frau noch privilegiert sei.

Sie habe lange gebraucht, um nicht mehr in ständiger Angst vor Armut und Hunger zu sein. Heute lebt Stephanie Land glücklich verheiratet mit ihren zwei Kindern, einem Stiefkind und drei Hunden in einem Haus mit Garten. Auf Lesungen sei sie manchmal gefragt worden, warum andere denn nicht wie sie aus der Armut ausbrechen. Als sei das nur eine Entscheidung. Dass das eben nicht so ist, sondern dass ein zynisches, versagendes System dahinter liegt: das wird beim Gucken von "Maid" deutlich.

Quellen: "Time", Website Stephanie Land

sst

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