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Moderatorencheck: Barbara Schöneberger: Jetzt talkt sie auch noch

Barbara Schöneberger beginnt ihren Gesangsabend mit dem Satz: "Muss denn die dicke Frau auch noch singen?". Am Freitagabend führte sie zum ersten Mal mit Hubertus Meyer-Burckhardt bei klarem Wasser durch die Talkshow im NDR.

Von Michael Rossié

Der Anfang war noch nicht optimal: Beide brüllten launige Statements über ihre Gäste gegen den donnernden Applaus des Publikums an. Herr Meyer-Burckhardt forderte noch einen Applaus für Frau Schöneberger, weil die das einfach verdient habe. Warum, das blieb offen. Dann wurde er zunehmend ruhiger, und es konnte losgehen.

Was dann folgte, war eine blendend gelaunte, lockere Gesprächsrunde mit nachdenklichen Passagen, die Frau Schöneberger und Herr Meyer-Burckhardt geschickt in der Balance hielten, indem sie immer wieder neue Anstöße gaben. Beide schienen mit Bergen von Moderationskarten bestens vorbereitet (Meyer-Burckhardt hatte die Biographie von Herrn Lafer gelesen), waren Sendung und Gäste gemeinsam vorher durchgegangen ("Was uns beide gewundert hat...") und wussten eine Menge, ohne mit ihrem Wissen anzugeben.

Die beiden waren fast immer souverän, auch wenn Frau Schöneberger mal Jürgen von der Lippes Sendungen durcheinander brachte und sich Hubertus Meyer-Burckhardt mit Frau Zech rechthaberisch um deren Umzüge stritt. Das Gespräch mit ihr war das einzige, das ein bisschen angestrengt war. Wieso man Schauspieler, die Schreiner spielen, über das Schreinern befragen sollte, wird mir immer ein Rätsel bleiben. Aber auch sonst fanden die beiden nicht zueinander. Zweimal betonte Meyer-Burckhardt, dass man im Vorgespräch vereinbart habe, viele Themen auszulassen. Und so ließ er Rosel Zech zwei launige Geschichten erzählen, die zeigten, wie toll sie ist - dann ging es zum nächsten Gast. Barbara Schöneberger mischte sich da ausnahmsweise gar nicht erst ein.

Stefan Mross ist unfreiwillig komisch

Am amüsantesten war neben den beiden Köchen Lafer und Lichter und Jürgen von der Lippe der Trompeter Stefan Mross, wenn auch unfreiwillig. Der "Robby Williams der Volksmusik" erzählte, dass er mit Stefanie Hertel anstatt eines Einzelzimmers lieber zwei Doppelzimmer buche, berichtete, wie ihnen Fans in Italien die Früchte hinten reinstecken (Meyer Burckhardt trocken: "Er meint das nicht so!"), und dass man im Duschraum sieht, was die anderen Deutschen noch so alles haben. Da wurde dann herzlich gelacht.

Bei aller Lockerheit wirkte Frau Schöneberger zeitweise ein bisschen angespannt. In Zwischenschnitten sah man deutlich die tiefen Falten zwischen den Augenbrauen, wenn sie interessiert zuhörte, und die Rückenlehne ihres Sessels hat sie in der Sendung wohl nicht berührt. Sie war aber immer schlagfertig, auch wenn das manchmal ein bisschen schnell ging ("Waren Sie sich einer Meinung?" oder "Das ist sehr nahrreich!") und nicht alles war witzig. Aber sie redete ganz selten dazwischen oder gleichzeitig und ließ ihre Gäste Pointen machen und erzählen.

Meyer-Burckhardt in Zugzwang

Hubertus Meyer-Burckhardt, dessen rote Socke immer wieder formatfüllend vom übergeschlagenen Bein leuchtete, wollte Frau Schöneberger an Schlagfertigkeit in nichts nachstehen, was auch hier zu Stilblüten führte ("War der Erfolg abgesehen"). Das Niveau wurde "hochgehoben" und die Entwicklung "im deutschen Comedy" diskutiert. Aber kein dauerndes 'Herzlich Willkommen' ("Jetzt freue ich mich auf Rosel Zech") und keine langweilige Lobhudelei.

Die beiden Moderatoren hörten zu, ließen ihre Gäste ohne Druck und nervige Zwischenfragen ausreden, blieben beide dran und sorgten dafür, dass es nicht bei Floskeln und allgemeinem Gelaber blieb. Auch eine Diskussion der Gäste untereinander war immer wieder möglich.

Als Zuschauer konnte ich viel mitlachen, habe einiges gelernt, und über die Gäste viel erfahren, was ich noch nicht wusste. Als dann kurz vor Ende Tarotkarten gezogen wurden, hätte man besser abschalten und schlafen gehen können. Aber es war ja ohnehin spät genug. Und bis dahin bin ich knappe zwei Stunden bestens unterhalten worden.