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Moderatorencheck: Franzi geht nicht baden

Die Olympischen Spiele neigen sich dem Ende zu. Nicht nur die Sportler auch die TV-Kommentatoren können nun eine Bilanz ziehen. Besonders zufrieden darf Ex-Schwimmstar Franziska van Almsick sein. Als Expertin machte sie vor der Kamera eine ebenso gute Figur wie einst im Wasser.

Von Michael Rossié

Sportmoderatoren können uns sehr auf die Nerven gehen. Ehemalige Sportler, die als Kommentatoren arbeiten, können uns noch mehr auf die Nerven gehen. Franziska van Almsick geht niemandem auf die Nerven. Sie macht ihre Sache richtig gut. Locker, witzig, klug und mit jeder Menge Insiderwissen erläutert und kommentiert sie die Schwimmwettkämpfe in Peking, dass es Freude macht, ihr zuzuhören. Bei den olympischen Spielen ist sie neben Kommentator Tom Bartels und Ralf Scholz, Sportchef des Hessischen Rundfunks, als Expertin vor Ort.

Wo gestandene Reporter Fragen stellen wie "Wie groß war die Spannung?" (Antwort: "Sehr groß!") oder "Haben Sie mit dem Sieg gerechnet?" (Antwort: "Nein."), zeigt die Frau den Profis mit großem Wortschatz und viel Souveränität, wie man das macht. Wenn Ralf Scholt zweimal dasselbe fragt, antwortet sie unterschiedlich und bringt auch schwierige Satzkonstruktionen locker zu Ende. Ihr fällt immer etwas ein.

Franzi gegen die Phrasenkönige

Was bei den Fragen von Ralf Scholt nicht so einfach ist. Was würden Sie auf die Frage sagen, ob es bei Phelps nur die 8 Medaillen sind, die ihn ausmachen? Ich würde Herrn Scholt völlig ratlos ansehen. Aber Frau van Almsick ignoriert einfach die Frage und redet über Phelps. Auch dusslige Fragen kann man gut beantworten.

Während bei der Konkurrenz im ZDF Sportler "in selbstgewählten Geschwindigkeiten" mit "eigener Erwartungshaltung" schwimmen und Gedanken formuliert werden wie "Sie muss nicht nur schneller sein als die anderen, sie darf auch den Anschluss nicht verlieren!", hat Frau van Almsick wirklich was zu sagen. Sie lacht und ist für jeden Scherz zu haben. Dazu ist sie hübsch und perfekt geschminkt, auch wenn die Haare in den Augen an manchem Tag etwas stören. Ein einziges Mal ein Schnitzer wie "Ich bin ein Gegner dafür...", aber immer spricht sie locker und frei.

Bei Ralf Scholt entdecken wir dagegen deutlich mehr Unsinn. Von Sätzen, die mit "alsweilen" beginnen über die Aussage "Britta Steffen hat ihre Mechanismen gefunden" und der Forderung "Raus aus der Vereinzelung der kleinen Gruppen!" bis zu der Feststellung, dass "an der Jagd geschraubt wird" muss man sehr oft überlegen, was er denn meint.

Bitte mehr davon, Frau van Almsick

Er wirkt sehr sympathisch, aber er stellt Fragen wie "Was ist in Ihnen abgegangen?" oder "Wie hält Phelps seine Frische?". Wenn er eine abgekämpfte und völlig atemlose Olympiasiegerin bittet, den Sieg jetzt mal einzuordnen, erschrickt nicht nur die Sportlerin. Auch die Frage "Wie wird das, wenn unsere Hymne gespielt wird?" ist nicht so einfach gut zu beantworten. Was hätten Sie gesagt? Wenigstens passt er beim Rennen immer gut auf. Er sagt zum Beispiel zu Britta Steffen: "Sie haben das Rennen ja nicht gesehen, weil sie mitgeschwommen sind." Recht hat er.

Franziska van Almsick macht das besser. Sie benutzt kaum Allgemeinplätze, sondern formuliert erfrischend originell. "Die deutsche Mannschaft hat den Schuss nicht gehört" oder "der ist ein Faxenclown" oder "die Dinge sicher nach Hause schwimmen". Das klingt irgendwie anders.

"Britta konnte aufschwimmen." Das ist neu, echt und weit weg vom weit verbreiteten Allerweltsgelaber. Zum Schluss fasst sie mit einem Augenzwinkern zusammen: "Der neue Trainer hat den Schwimmverband auf dem Gewissen." Sie meint nicht, dass er etwas verbrochen habe, sondern dass die Verantwortung auf ihm lastet. Da kann jemand mit Worten umgehen.

Schade, dass Franziska van Almsick nicht von viel mehr Sportarten etwas versteht.