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MTV: Papst-Satire empört die CSU

Die britische BBC hat es nicht gewagt, die Satireserie "Popetown" auszustrahlen. Der Musiksender MTV tut es nun. Prompt hagelt es Protest: Ein CSU-Politiker fordert härtere Gesetze zum Schutz religiöser Symbole.

Von Kathrin Buchner

Ein infantil-exzentrischer Papst und ein korrupter Kardinal, der Waisenkinder in die Sklaverei verkauft. Die Zeichentrickserie "Popetown" ist bitter und satirisch - tiefschwarzer britischer Humor eben. Schließlich kommt "Popetown" aus Großbritannien. Dort wurde sie allerdings nie gezeigt, weil es schon im Vorfeld zu viele Proteste von den Zuschauern und auch den Kirchenobersten gab. Der schottische Bischof John Devine von Motherwell bezeichnete die Serie als "öffentlich finanzierter Angriff auf ihren Glauben". Dementsprechend zeigte sich der Erzbischof von Birmingham, Vincent Nichols, über die Entscheidung der BBC die Serie nicht zu zeigen, höchst erfreut.

Jetzt hat der Musiksender MTV angekündigt, "Popetown" in Deutschland auszustrahlen und bewirbt die Serie mit einem Plakat, auf dem Jesus vor einem leeren Kreuz herzhaft lachend mit einer Fernbedienung in der Hand und einem Dornenkranz auf dem Kopf in einem Fernsehsessel sitzt. Die Anzeige ist betitelt mit "Lachen statt rumhängen". Das empört den CSU-Fraktionsvorsitzenden im Bayerischen Landtag, Joachim Herrmann. Prompt nutzt er die Serie, um die christlichen Werte zu verteidigen.

Religiöse Inhalte und Symbole sollten stärker als bisher strafrechtlich geschützt werden, fordert Herrmann. Schließlich würde damit der christliche Glaube in den Schmutz gezogen. Der CSU-Politiker richtete einen dringenden Appell an den Musiksender: "Ich fordere den Sender auf, nicht auf den religiösen Gefühlen der Christen herumzutrampeln und die Sendung sowie die besonders geschmacklose Werbung dazu einzustellen".

Auch Wetter wettert

Der Kritik schließt sich Kardinal Friedrich Wetter an. Der Sender habe die Werbung offensichtlich gezielt in die Karwoche plaziert, kritisierte Wetter und forderte mit Blick auf den Karikaturen-Streit "eine neue Sensibilität im öffentlichen Umgang mit Glaubensinhalten und religiösen Symbolen".

MTV reagiert mit vorgefertigtem Statement

Bei MTV reagiert man gelassen auf die Kritik, meidet allerdings individuelle Nachfragen und schickt stattdessen ein offensichtlich vorgefertigtes Statement los. Darin heißt es: "'Popetown' arbeitet mit den für Satire üblichen Stilmitteln wie Verfremdung, Überspitzung und Parodie. Die Serie polarisiert das Publikum und spricht nicht jeden Zuschauer an, jedoch kommt es weder zu Verunglimpfungen noch zu Beleidigungen von Glaubensrichtungen."

Boykott-Aufruf in Neuseeland

In Neuseeland wurde "Popetown" bereits gezeigt und dort trat das, was in Großbritannien befürchtet wurde, tatsächlich ein: Die katholische Kirche rief zum Boykott des Senders auf, dachte gar an eine Klage. Der Sender ließ sich allerdings nicht beirren und zeigte alle zehn produzierten Folgen. In Großbritannien ist die Serie inzwischen auf DVD erhältlich. Wenn in Deutschland bis dahin kein öffentlicher Sturm des Protests losschlägt, werden die zehn Episoden von "Popetown" ab dem 3. Mai auf MTV zu sehen sein.