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Film-Kritik

Netflix-Originalfilm: Wenn Disney-Selena plötzlich raucht und flucht

Ein Vater, der um sein totes Kind trauert, ein schwerkranker Teenager im Rollstuhl und eine taffe Ausreißern auf einem Roadtrip durch die USA: Der Netflix-Film "Umweg nach Hause" lässt Disney-Star Selena Gomez glänzen.

Umweg nach Hause

Ben (Paul Rudd) nimmt sich unterwegs der jungen Ausreißerin Dot (Selena Gomez) an.

Keine Lust auf Fußball? Netflix bietet Abhilfe: Der Streamingdienst sicherte sich die Rechte an der Romanverfilmung "Umweg nach Hause", ab Freitag ist die Indie-Komödie weltweit zu sehen. Erzählt wird die Geschichte des schwerkranken Teenagers Trevor (Craig Roberts) und seines Pflegers Ben (Paul Rudd). Die beiden freunden sich nach anfänglichen Kabbeleien an und brechen zu einem großen Abenteuer auf: Ben will den im Rollstuhl sitzenden Trevor aus seiner Routine holen, ein Roadtrip zu den absurdesten Touristen-Attraktionen im Westen der USA soll dabei helfen.

Wie im Genre üblich, wartet das Drehbuch in regelmäßigen Abständen mit Hindernissen oder Zweifeln auf - die allerdings innerhalb von wenigen Dialog-Wechseln wieder verschwinden. Das wirkt oft zu gewollt und künstlich, gerettet wird der Film von den tollen Schauspielern.

Paul Rudd und Craig Roberts bringen beide genügend Charme und Talent mit, um viele der Gags zünden zu lassen und ihren Rollen Sympathie einzuhauchen. Und auch Selena Gomez, die hier nach "Spring Breakers" mit James Franco noch einmal versucht, das Disney-Image abzustreifen, macht ihre Sache gut. Ihrer abenteuerlustigen Ausreißerin Dot nimmt man jedes "Fuck" ab. Die Ex-Freundin von Justin Bieber wird erwachsen.

Der Netflix-Film hat das Zach-Braff-Problem

Leider ist "Umweg nach Hause" aus der Zeit gefallen. Und das nicht nur, weil Paul Rudds Charakter in einer Szene ernsthaft von hilflos umstehenden Frauen Applaus bekommt, als er einer Schwangeren bei der Geburt hilft (Alles sein Verdienst!). Es ist ähnlich wie bei den Filmen von "Scrubs"-Star Zach Braff: Sein Debut "Garden State" sorgte 2004 noch für verzückte Kritiken und ein wohliges Gefühl beim jungen, hippen Publikum. "Wish I was Here" hinterließ zehn Jahre später nur noch einen schalen Nachgeschmack. Zu billig und kalkuliert wirkten die ach-so-schrulligen Charaktere, zu wehleidig der melancholische Protagonist. Was einst Indie war, sind heute Klischees.

Deshalb ist "Umweg nach Hause" auch gut bei Netflix aufgehoben: Wer Lust auf eine typische Indie-Komödie hat, der kann sie sich bequem zuhause auf dem Sofa ansehen. Kaum jemand in der Zielgruppe würde sich für eine Standardvariante des Genres heute noch ins Kino locken lassen. Eine unterhaltsame Alternative zum EM-Programm bietet der Roadmovie aber allemal.