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40 Jahre "Polizeiruf 110": Die ostdeutsche Antwort auf den "Tatort"

Vor 40 Jahren lief der "Polizeiruf 110" erstmals im Fernsehen. Er sollte die sozialistische Antwort auf den "Tatort" sein, und hat doch die Wende mühelos überstanden. Inzwischen erfreut sich die Krimireihe in Ost und West großer Beliebtheit. Einige Höhepunkte in Bildern.

Mit dem "Fall Lisa Murnau" ging's los. Am 27. Juni 1971 wurde erstmals eine Folge von "Polizeiruf 110" im staatlichen DDR-Fernsehen gezeigt. Schnell wurde die Reihe ein Publikumsrenner.

Der Erste

Insgesamt 84 Mal stand Peter Borgelt als Peter Fuchs vor der Kamera. In der ersten und 45 weiteren Folgen wurde er dabei von Sigrid Göhler als Polizeileutnant Vera Arndt unterstützt. Damit war Göhler die erste weibliche Kriminalistin im deutschen Fernsehen - lange bevor sich die ARD traute, mit Nicole Heesters eine Frau auf Verbrecherjagd zu schicken.

Der "Polizeiruf 110" befasst sich als erste Serie mit der ganz normalen Kriminalität in der DDR. Immer wieder wurden auch alltägliche Probleme wie Alkoholismus, Kindesmissbrauch, Vergewaltigung oder Jugendkriminalität in den Fällen thematisiert. Damit ist er tatsächlich ein Pendant zum westdeutschen "Tatort".

Der Beliebte

1972 ermittelte Jürgen Frohriep erstmal im "Polizeiruf" erstmals als Oberleutnant Jürgen Hübner. Im Laufe der Jahre avancierte er zum beliebtesten Ermittler der Reihe. Bis 1991 hatte er 64 Einsätze - damit überdauerte er sogar die Wende.

1994 kehrte Frohriep noch einmal auf den Bildschirm zurück. Allerdings nur noch für einen Fall: Kurz nach den Dreharbeiten der Folge "Keine Liebe, kein Leben" starb er in Berlin.

Der Schimanski des Ostens

Als Thomas Grawe war Andreas Schmidt-Schaller ab 1984 für den "Polizeiruf" im Einsatz. In seinen 31 Fällen erspielte er sich den Ruf, der "Schimanski des Ostens" zu sein. Ihm zur Seite stand häufig Günter Beck als Günter Naumann. Das ist eine Besonderheit des "Polizeiruf 110": Sehr oft haben in dieser Reihe die Figuren den gleichen Vornamen wie die sie darstellenden Schauspieler.

Die starke Frau

Katrin Saß gehört zu den besten Schauspielerinnen, die das wiedervereinigte Land aufzubieten hat. Schon zu DDR-Zeiten hatte sie Auftritte im "Polizeiruf", doch erst nach der Wende wurde sie als Ermittlerin in Serie geschickt: Insgesamt neun Mal trat Katrin Saß in der Rolle der Hauptkommissarin Tanja Voigt auf.

Die Nervensäge

Zwischen 1993 und 2009 spielte Uwe Steimle den Hauptkommissar Jens Hinrichs den Klischee-Ossi, wie man ihn sich im Westen immer vorgestellt hat: breit sächselnd, und immer meckernd. Das färbte auch auf seine Partner ab: Insgesamt vier Kommissar verschliss Steimle in seinen Jahren: Zunächst Kurt Böwe als Kurt Groth, dann von Jürgen Schmidt als Holm Diekmann, Henry Hübchen als Tobias Törner und schließlich Felix Eitner als Markus Tellheim. Am Schluss zeigte er sich dann auch noch als schlechter Verlierer: Als der NDR bekanntgab, den "Polizeiruf" von Schwerin nach Rostock verlegen zu wollen und Anneke Kim Sarnau und Charly Hübner als neues Team einzusetzen, unterstellte er dem Sender politische Motive. "Ich wurde entfernt", sagte er damals. Weil er zu aufmüpfig sei. Vielleicht hat er aber auch einfach irgendwann angefangen zu nerven.

Die Ausgezeichneten

Als der "Polizeiruf 110" 1993 ins Hauptprogramm der ARD übernommen wurde, expandierten auch die Drehorte in den Westen. Anfangs gingen Teams in Heilbronn, im Bergischen Land und in Offenbach auf Ganovenjagd. Seit 1998 ist auch München dabei. 20 Folgen ermittelte Edgar Selge als einarmiger Kriminalhauptkommissar Jürgen Tauber, später kam Michaele May in der Rolle der Kriminalhauptkomissarin Jo Obermaier als ideale Ergänzung hinzu. Gleich zwei Folgen des Münchner "Polizeirufs" wurden mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet, "Der scharlachrote Engel" (2005) und "Er sollte tot" (2006), beide Male führte Dominik Graf Regie.

Die Dauerbrenner

Unter den noch Aktiven sind sie die "Polizeiruf"-Ermittler mit der längsten Dienstzeit: Seit 1996 gehen Jaeckie Schwarz und Wolfgang Winkler als Hauptkommissare Schmücke (Jaecki Schwarz) und Schneider auf ihre eigene, behäbige Art in Halle auf Sendung. Als die "Bild"-Zeitung irgendwann rebellierte und die Frage aufwarf: "'Polizeiruf'-Kommissare zu schnarchig fürs TV?" bekamen sie eine Blutauffrischung verpasst. Seit April 2010 steht ihnen die attraktive Isabell Gerschke als Kriminaloberkommissarin Nora Lindner zur Seite.

Die Kritikerlieblinge

Als neues Rostocker Team gingen 2010 Anneke Kim Sarnau und Charly Hübner auf Sendung. Das ungleiche Duo - Sarnau spielt die ökologisch Korrekte LKA-Analytikerin Katrin König, Hübner ist ein Polizist mit krimineller Vergangenheit - bekam hervorrangende Kritiken, und auch das Publikum mochte die beiden auf Anhieb.

Die Neue

Seit 1999 ist Horst Krause als knuddeliger Polizeihauptmeister Horst Krause in Brandenburg auf Sendung, mit wechselnden Kommissarinnen an seiner Seite. Zunächst an der Seite von Jutta Hoffmann, von 2002 bis 2010 mit Imogen Kogge. Ab Juni 2011 übernimmt Maria Simon in Brandenburg als Hauptkommissarin Olga Lenski das Zepter.

Auch in München wird es im Laufe des Jahres noch ein neues Team den Dienst aufnehmen: Matthias Brandt und Anna Maria Sturm halten die bayerische Landeshauptstadt sauber. Damit gibt es dann zwei Ost- und zwei West-Teams. 20 Jahre nach der Wende kann man damit sagen: Der "Polizeiruf 110" hat sich erfolgreich in Gesamtdeutschland etabliert.