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Promi-"Wer wird Millionär?" "Hauptsache asi!"


Promi-Doppel bei "Wer wird Millionär": Günther Jauch empfing gleich drei Teams zum Raten. Trotz VIP-Status wirkten alle wunderbar normal - und bewiesen Talent im Wurstbrot-Schmieren.
Von Sophie Lübbert

Prominente sind auch nur Menschen: Sie ziehen Grimassen oder zeigen Nerven. Das wissen wir dank Achim Mentzel, Moderator und Musiker mit Hits wie "Der Mond von Wanne-Eickel". Mentzel ist korpulent, sieht aus, als habe er als Kind einige Kieferorthopäden-Termine geschwänzt und seine Sätze klingen nicht immer Nobelpreis-verdächtig.

Eines aber weiß Mentzel genau: wie man ein Salamibrötchen zubereitet. Erst schneiden, dann mit der Wurst belegen. Fünf Sekunden braucht er, um die Frage zu beantworten. Dann besteht kein Zweifel mehr: Mentzel ist Salami-Brötchen-Fachmann - und der erste, der bei Günther Jauchs Promi-Ausgabe von "Wer wird Millionär" nach vorne darf.

Im Studiolicht schmilzt das Make-Up

Mentzel lacht, aber wirkt dabei ziemlich nervös. So als wäre er lieber in Wanne-Eickel oder sonst einem Ort mit Bindestrich im Namen, sofern dort keine Fernsehkamera mit Ratestuhl steht. Denn der bedeutet: öffentliche Demütigung ist jederzeit möglich.

Wo sich zweimal wöchentlich normale Bundesbürger blamieren können, verlieren plötzlich auch Promis ihre Perfektion. Im Studiolicht schmilzt das Make-Up, Jauch verunsichert, Vorbereitung ist kaum möglich.

"Wer wird Millionär" zeigt die Promis, wie sie wirklich sind: Nervös, narzisstisch oder nett. Und diesmal hat es die Redaktion noch auf die Spitze getrieben: die Promis treten erstmals in Zweier-Teams an. Der Partner ist Freund oder Familienmitglied, präsentiert damit noch mehr ihrer wahren Persönlichkeit.

Kalkofe und Mentzel machen eine gute Figur

Neben Achim Mentzel nimmt sein Kollege Oliver Kalkofe, Satiriker und Schauspieler, Platz. Beide Herren sind in edles Schwarz gekleidet, aber das bleibt die einzige Gemeinsamkeit.

Denn während Mentzel wirklich aufgeregt wirkt, übernimmt Kalkofe für ihn das Raten (Kalkofe: "Der Twain, der hat Tom Sawyer geschrieben" - Mentzel: "Ja, Tom Sawyer" - "Und der Melville mit Moby Dick, der hat über einen dicken Wal geschrieben, also über uns" - "Ja, über uns"). Zwischendrin darf Mentzel noch erzählen, dass er angeheirateter Uropa ist, ansonsten kommt er kaum zu Wort. Trotzdem ist er rührend darum bemüht, zu helfen. Er nickt mit dem Kopf, zieht die Augenbrauen hoch, verzieht den Mund. Ich bin noch dabei, soll das wohl heißen, und er wirkt sehr sympathisch dabei.

Kalkofe kommt ebenfalls super weg, während er Witze über seinen Kollegen macht ("Wir nähern uns optisch immer mehr an, was schön für ihn ist"). Die beiden funktionieren als Team viel besser, als sie es vermutlich allein jemals getan hätten.

Auch bei den Fragen machen sie eine gute Figur. Sie wissen, dass 1976 die Anschnall-Pflicht diskutiert wurde und dass ein Banause ursprünglich ein griechischer Handwerker war. Erst bei der 500.000 Euro-Frage (Was steht heute auf dem Gelände, auf dem Alfred Nobel das Dynamit erfand?) müssen sie passen.

Dschungel-Duo im Wissens-Check

Ihnen nach folgen Sonja Zietlow und Dirk Bach, die schon im "Dschungelcamp" harmoniert haben und das jetzt nahtlos im Kölner Studio fortsetzen. "Ich bin froh, dass Dickie mit dabei ist", sagt Zietlow über den Kollegen, der zur Feier des Abends eine Louis-Vuitton-Logo-Käppi trägt. Beide fiebern mit, während sie raten. Bach klatscht ununterbrochen begeistert in die Hände, Zietlow jubelt hemmungslos und ist für die Witze des Abends zuständig ("Mein Mann kocht in 99 Prozent aller Fälle. Den restlichen einen Prozent gehen wir essen").

Nach langer Diskussion über die in den 90er Jahren moderne "Asi-Palme"-Frisur, demonstriert Zietlow dann direkt an Jauch, wie so etwas aussehen kann: gruselig. Aber Jauch trägt die hoch stehenden Haare mit Würde: "Hauptsache asi!". Schließlich gelangen die Promis zur 125.000 Euro-Frage und an ihre Grenzen. Aber Zietlows kochender Ehemann weiß, dass die Kopulation mit Gegenzunge zum Weinbau gehört. "Ich würde ihn jetzt nochmal heiraten", kreischt Zietlow.

Ochsenknechts und die Millionenfrage

Schließlich fehlt noch das letzte Paar des Abends: Vater Uwe und Sohn Wilson Gonzalez Ochsenknecht sind dran: "Endlich, ey", um es mit den Worten von Wilson Gonzalez zu sagen. Aber er und sein Vater kommen schwer ins Spiel rein. Sie überlegen stundenlang, bis Jauch sich erkundigt: "Ist er eingeschlafen?".

Jauch selbst nämlich ist nicht müde, sondern sehr schlagfertig. Und damit steckt er glücklicherweise auch das letzte Kandidaten-Paar an. Plötzlich wirken sowohl Uwe als auch der mit Lederjacke auf Rocker getrimmte Wilson Gonzalez locker. Sie singen gemeinsam "Don't worry, be happy", sprechen Mannheimer Dialekt, schneiden Grimassen zeigen Humor - was man nicht unbedingt von den Ochsenknechts erwartet hätte.

Die beiden erreichen sogar die Millionenfrage, wissen aber nicht, welches Staatsoberhaupt 1954 der BRD den ersten offiziellen Besuch abstattete. Mit einer halben Million stehen sie dann neben allen anderen Kandidaten im Konfetti-Regen und gucken fast ein bisschen verlegen in die Kamera.

Alle sechs Promis wirkten auf dem "WWWM"-Ratestuhl so normal, sympathisch, gut gelaunt, als mache ihnen die Sendung wirklich Spaß. Was nicht nur ihnen so geht: "So wie Sie heute gespielt haben, das war ein Traum", sagt Günther Jauch. Er hat Recht.

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Von Sophie Lübbert

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