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RTL-Comedy: Eine "Angie" macht noch keine Anke

In der neuen RTL-Serie "Angie" schlägt sich Comedyfrau Mirja Boes als Parfümverkäuferin mit großer Klappe durchs Leben und verzweifelt, weil ihr ständig die Männer verduften. Für eine Comedy-Revolution am drögen TV-Freitagabend reicht das nicht.

Von Peer Schader

Sagt die Mutter zur Tochter: "Dein Arsch wirft auch langsam Falten." Darauf die Tochter: "Mit meinem Arsch kann man Stahlnägel in die Wand schieben!" Die Mutter wieder: "Dann wachs dir wenigstens den Oberlippenflaum weg. Du siehst schon aus wie'n Lastwagenfahrer." So beginnt bei RTL künftig das Wochenende. Und man sitzt erstarrt im Fernsehsessel ohne zu wissen, ob man jetzt lachen soll, weil der Schock noch anhält.

Aber immer schön der Reihe nach: Mirja Boes hat eine neue Comedyserie. Sie heißt "Angie", und nein, sie hat rein gar nichts mit der Kanzlerin zu tun, weil die bekanntlich nicht in Köln wohnt, einen Mojito nach dem anderen kippt, Zebrastreifenoberteile trägt, am liebsten auf "Malle" Urlaub macht und in einer Parfümerie arbeitet.

Doofe Männer, zickige Chefinnen und schwule Kollegen

Huch, sind die neuen Folgen von "Alles außer Sex" schon da?, fragen Sie sich jetzt vielleicht. Dabei hat "Angie" rein gar nichts mit der Pro-Sieben-Serie von vor einem Jahr zu tun, in der junge Frauen sich stundenlang in einem zur Bar umfunktionierten Waschsalon übers Älterwerden und die doofen Männer unterhielten. In "Angie" unterhält sich nämlich nur eine Frau übers Älterwerden und die doofen Männer, am liebsten in der Parfümerie, in der sie mit ihrer besten Freundin, einem (natürlich) schwulen Kollegen, und einer schlimmen Zicke als Chefin zur Arbeit gezwungen wird.

Das läuft ab sofort in neun Folgen bei RTL. Und ist, ehrlich gesagt, nur mäßig lustig, wie man das eben vom RTL-Comedyfreitag gewohnt ist, an dem sich bisher halbstündige Sendungen wie "Alles Atze" oder "Die Camper" mit halbstündigen Sat.1-Sendungen wie "Sechserpack" oder "Die dreisten Drei" duelliert haben.

Genau da kommt Mirja Boes übrigens her: von Sat.1 und den "Dreisten Drei". Vielleicht ist es ihr Schicksal, im deutschen Fernsehen auf ewig am Freitagabend herumzuspuken. Nur wüsste man gerne: Warum um Himmels Willen hat Boes den Sender gewechselt, wenn sie bei ihrem neuen Auftraggeber wieder exakt dasselbe macht wie bei ihrem alten: eine Mittdreißigerin mit derbem Humor spielen, die etwas zu offensiv sagt, was sie denkt, und Beziehungen nicht so recht auf die Reihe kriegt.

Angelika Milster füllt die Mutterrolle voll aus

Zugegeben: Niemand kann so schön "Mamaaa" granteln wie Boes, die sich als Angie immerzu mit ihrer Mutter streitet, deren Rolle die geschätzte Angelika Milster vollumfänglich ausfüllt. Es gibt sogar ein paar seltene Momente, in denen das wirklich lustig ist. In einer Szene soll Angie ihrer Mutter das Kleid etwas weiter schneidern und fragt: wie viele Zentimeter sollen es denn sein? "Genug für drei Frikadellen und eine Mousse au Chocolat", sagt die Mama. Die Tochter misst nach und kontert trocken: "Öh, das reicht aber nur noch für 'nen kleinen Salat und ein Salzstängchen."

Bitte nicht sauer sein, wenn damit schon der beste Lacher der ersten beiden Folgen verraten ist - aber wenn sich sonst alles um Blusenkaufen, Kneipenbesuche und Zoff mit der Chefin dreht, kann man sich auch eine Weile in die Fußgängerzone stellen oder am Arbeitsplatz die Videokamera mitlaufen lassen, um auf dieselbe Humordichte zu kommen.

"Angie" reiht sich nahtlos in die übrigen Freitagabendspäße ein

Vielleicht wäre Boes gern so eine Art Nachwuchs-Anke-Engelke, aber dazu reicht es nicht, weil in "Angie" eben alles ein bisschen zu normal ist. Damit reiht sich die Sendung nahtlos in die übrigen Freitagabendspäße von RTL ein, ohne weiter aufzufallen. Vielleicht ist es deshalb ganz gut, dass der Sender die Comedy nicht gegen die parallel auf Sat.1 laufende Castingshow "You can dance" laufen lässt, die sich in den ersten beiden Wochen ebenso inhaltsfrei wie quotenstabil zeigte.

So lange Boes die Parfümerieverkäuferin gibt, müssen die Zuschauer sie wenigstens nicht in der während des Sommers bei RTL weggesendeten Grölparade "Karaoke Showdown" ertragen, von der allerdings bereits neue Folgen angedroht sind. Freitagabends auf RTL bleibt einem aber auch nichts erspart.

"Angie", neun Folgen, freitags um 21.45 Uhr bei RTL.

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