Natürlich, das müsste eigentlich jedem Agenten klar sein, kann man sich nicht einfach aus dem Spionagegeschäft zurückziehen und ein Leben als Zivilist genießen. Erst recht nicht, wenn man wie Jack Ryan (John Krasinski) die Hauptfigur in einer erfolgreichen Actionserie ist, die auf einer noch erfolgreicheren Romanreihe basiert. Drei Jahre nachdem er seinen Dienst bei der CIA quittiert hat, ist das beschauliche Leben für den brillanten Analysten jedenfalls vorbei: Er muss im Actionthriller "Tom Clancy's Jack Ryan: Ghost War" ab 20. Mai bei Prime Video erneut die Welt retten.
Schon zwischen 2019 und 2023 hatte Jack Ryan mit dem ihm eigenen naiven Humanismus gegen Terroristen, korrupte Politiker und Missstände in den eigenen Reihen gekämpft. Dass die erfolgreiche Actionserie frühzeitig endete, lag vordergründig an Hauptdarsteller John Krasinski, der nur für vier Staffeln unterschrieben hatte und seine Figur nicht weiter in Serienform spielen wollte.
Lieber Actionfilm als Spionagethriller
Sein Comeback feiert Ryan nun also in einem Spielfilm, für den Krasinski das Drehbuch mitverfasste. Seine alten Mitstreiter James Greer (Wendell Pierce), Mike November (Michael Kelly) und Elizabeth Wright (Betty Gabriel) brauchen im Kampf gegen eine abtrünnige Black-Ops-Einheit dringend Unterstützung.
Für Ryan ist die Rückkehr zur CIA auch eine persönliche Angelegenheit, da er mit Entscheidungen und Fehlern in seiner Vergangenheit konfrontiert wird. Neu dabei ist Sienna Miller als britische MI6-Agentin Emma Marlow, deren operative Härte die analytischen Fähigkeiten Ryans ergänzt – was dringend nötig ist. Denn mehr noch als ein Spionagethriller will "Ghost War" ein Actionfilm sein. Was aber nur bedingt gelingt.
Nichts mehr rauszuholen
Man muss es ganz ehrlich sagen: Der Film erreicht die Qualität der Serie nicht. Gar nicht. Aus Jack Ryan in der John-Krasinski-Version ist einfach nichts mehr herauszuholen. Der Plot – abtrünnige Agenten, die völlig losgelöst von staatlicher Kontrolle globale Konflikte anheizen – ist ein oft benutzter Klassiker des Genres.
Die Actionszenen sind von der Stange, und die Chemie zwischen den Protagonisten stimmt leider auch nicht mehr. Selbst die Auftritte von Michael Kelly, der in der Serie für die komischen Momente zuständig war, verpuffen im Nichts. Und dass Spione manchmal dort arbeiten, wo andere gerne Urlaub machen würden, ist auch nicht erst seit gestern bekannt. Wobei: Als Werbeclip für Dubai funktioniert "Ghost War" dann doch.