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Serie "Downton Abbey": Warum bist du so böse, Butler Thomas?

Hunde quälen, Affären erpressen, Kollegen hintergehen: Thomas Barrow ist das perfekte Hassobjekt in "Downton Abbey". Aber was macht ihn so böse? Wir haben seinen Darsteller Rob James-Collier gefragt.

Von Sarah Stendel

Dieser arrogante Blick! Diese blasierte Art, die Zigarette zu rauchen! Thomas Barrow braucht eigentlich gar nicht viel tun, doch als Zuschauer will man ihm trotzdem am liebsten die Krawatte vom Hals reißen und in den Mund stopfen.

Der fiese Butler aus "Downton Abbey" hat sich schnell zum beliebtesten Hassobjekt der erfolgreichen britischen Serie entwickelt. Seine Intrigen sind boshaft, seine Kommentare bissig. Wie kann er es wagen, dem gehbehinderten Mr. Bates einen Diebstahl anzuhängen? Oder der armen Küchenhilfe Daisy Hoffnungen zu machen? "Am meisten bekomme ich aber Ärger dafür, dass ich den Hund in den Wald verschleppt habe. Alle anderen gemeinen Dinge verblassten, als ich den Hund anrührte", erzählt Rob James-Collier im Gespräch mit stern und lacht. Der Brite hat seine eigene Theorie, warum seine Rolle so fies agiert.

"Thomas ist nicht von Grund auf schlecht, er wird falsch verstanden", sagt James-Collier. "Er ist so wie er ist, weil er ein sehr schweres Geheimnis hütet. Wenn das rauskommt, muss er ins Gefängnis. Die Gesellschaft sagt ihm, dass er schlecht ist und er spiegelt diese Gefühle. Das ist nur menschlich." Damit spielt der Schauspieler auf Thomas Barrows heimliche Homosexualität an, die in der Tat ein Aspekt des Butlers ist, der ihm beim Zuschauer Mitleid und sogar Sympathiepunkte einbringt. Denn egal, wie hinterhältig Thomas auch ist - seine Situation ist Anfang des 20. Jahrhunderts wirklich traurig und aussichtlos. "Leute wie ich, wir müssen auf die kleinsten Zeichen achten", versuchte sich Thomas in der dritten Staffel zu erklären und wirkte dabei erstmals verletzlich.

Thomas, der Außenseiter

Es genau dieser Aspekt, auf den Rob James-Collier sein Spiel von Thomas aufbaut. Er glaubt, dass der Butler schon immer mit Ablehnung zu kämpfen hatte und wegen seiner Homosexualität ein schwieriges Verhältnis zu seinem Vater hatte. Thomas sieht sich als Außenseiter, weil er nicht lieben darf, wen er will. "Deshalb ist Mr. Bates sein Erzfeind. Bates repräsentiert alles, was Thomas nie haben wird: eine glückliche Ehe, eine eigene Wohnung und er ist auch noch Kammerdiener", erklärt Rob James-Collier die Figur. Thomas hasst die Tatsache, dass er in die Arbeiterklasse geboren wurde - im Gegensatz zu jemandem wie Mr. Carson, der sehr stolz ist, dass er so einer prestigeträchtigen Familie dienen darf.

Thomas hingegen stellt den Status Quo der Grafenfamilie immer wieder in Frage. "Er ist der erste, der vom Schiff flüchtet, wenn die Zeiten sich ändern", ist sich James-Collier sicher. Dabei hätte er nichts dagegen, selbst in die höheren Ränge aufzusteigen - nur anderen gönnt er es nicht. "Wäre Thomas an Tom Bransons Stelle, er würde die Situation ordentlich ausnutzen und an allem rummäkeln," sagt James-Collier. Branson, der durch seine Heirat vom Chauffeur zum Mitglied der Grafenfamilie aufgestiegen ist, nimmt seine neue Rolle hingegen mit Würde an. Er ist selbst zu Thomas höflich, obwohl dieser ihn bei jeder Gelegenheit herablassend behandelt.

Doch Tom weiß natürlich genau, wie hinterhältig Thomas sein kann. "Tom traut ihm nicht. Es gibt nichts Gefährlicheres im Leben als jemand, der keine Angst hat. Und Thomas hat keine Angst," sagt Allen Leech, der Branson spielt.

Tatsächlich scheint Thomas Barrow vor nichts zurückzuschrecken, um nach oben zu klettern. Er erpresst seinen ehemaligen Geliebten. Er sabotiert die Arbeit seiner Kollegen. Er wendet sich sogar gegen Menschen, die ihm eigentlich nichts Böses wollen - wie zum Beispiel Miss O'Brien oder Anna und Mr. Bates. "Er kann nie glücklich werden, weil er niemals wahre Liebe finden wird. Es hört sich kitschig an, aber das ist eigentlich alles, was er will", sagt Rob James-Collier. Der böse Thomas ist also eigentlich nur auf der Suche nach Liebe? "Ja, seine einzige und größte Angst ist es, keine Liebe zu finden," bestätigt sein Darsteller.

Und so lange er in dieser britischen Gesellschaftsordnung festhängt, so lange er sich nicht offiziell zu seiner Homosexualität bekennen und glücklich werden kann, so lange wird Thomas Barrow weiterhin dafür sorgen, dass auf Downton nicht alles glatt läuft. Zum Glück für die Zuschauer.