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Vorteile für britische TV-Branche? Kein "The Crown" und "Inspector Barnaby" mehr? EU will britische Filme und Serien begrenzen

Olivia Colman als Queen Elizabeth II. in der britischen Netflix-Serie "The Crown"
Olivia Colman als Queen Elizabeth II. in der britischen Netflix-Serie "The Crown". Zu viele britische Filme und Serien sind der EU ein Dorn im Auge.
© ©Netflix/Courtesy Everett Collection/ / Picture Alliance
Die Europäische Union plant eine Reduzierung von britischen Film- und Serienproduktionen im europäischen Fernsehen und Streamingplattformen wie Netflix. Hintergrund sind der Brexit eine Medienquote der EU. Der britische Anteil sei "unverhältnismäßig".

Britische Filme und Serien sind erfolgreich und beliebt. Ob es nun "The Crown", "Downton Abbey" oder "Inspector Barnaby"ist: Auch in Deutschland laufen die Serien mit Erfolg. Doch nun könnte die Europäische Union den Anteil an britischen Film- und Serienproduktionen in TV und Streamingdiensten drosseln. Das berichten die britische Zeitung "The Guardian" und die britische BBC unter Berufung auf ein internes EU-Dokument.

In dem Papier heiße es, dass die Dominanz der britischen Produktionen – Großbritannien ist Europas größter Film- und Serienproduzent – eine "Bedrohung für Europas kulturelle Diversität" darstelle. Denn nach dem Brexit werde nun diskutiert, ob die britischen Produktionen noch als "europäisch" definiert werden können.

Anteil britischer Serien und Filme zu hoch

Hintergrund ist eine Quote der EU, die 2018 vom EU-Parlament verabschiedet wurde. Demnach müssen Fernsehsender und Streamingplattformen wie Amazon Prime oder Netflix einen gewissen Anteil an europäischen Produktionen ausstrahlen bzw. anbieten. In EU-Bürokratensprech heißt das für Video-On-Demand-Dienste (VOD) konkret: "Die Mitgliedstaaten sorgen dafür, dass die ihrer Rechtshoheit unterworfenen Mediendiensteanbieter audiovisueller Mediendienste auf Abruf sicherstellen, dass ihre Kataloge einen Mindestanteil europäischer Werke von 30 % enthalten und solche Werke herausgestellt werden."

Doch laut dem einem EU-Dokument, von dem der "Guardian" nun berichtet, wird angenommen, dass die Einbeziehung britischer Inhalte in solche Quoten zu einer als "unverhältnismäßig" bezeichneten Menge britischer Programme im europäischen Fernsehen geführt hat. Dem Papier zufolge liege der britische Anteil der europäischen Produktionen auf VOD-Plattformen bei 50 Prozent.

"Die hohe Verfügbarkeit britischer Inhalte in Video-on-Demand-Diensten sowie die durch die Qualifizierung als europäische Werke gewährten Privilegien können zu einer unverhältnismäßigen Präsenz britischer Inhalte innerhalb der europäischen Video-on-Demand-Quote führen und eine größere Vielfalt europäischer Werke behindern", zitiert die Zeitung aus dem Schreiben.

Britische TV-Branche erwirtschaftete mehr als 570 Millionen Euro

Die Europäische Kommission sei nun damit beauftragt, eine Untersuchung in Auftrag zu geben, die herausfinden soll, ob es ein Risiko für die "kulturelle Vielfalt" der EU durch britische Serien und Filme gebe. Dies sei ein erster Schritt hin zu Einschränkungen von Privilegien, die Großbritannien in diesem Bereich habe. Der Bericht dazu werde aber nicht vor Ende des Jahres erwartet, so die BBC.

Das hätte Konsequenzen für den britischen Film- und TV-Markt: Der Vorverkauf internationaler Rechte würde die Möglichkeit von Produktionen beeinflussen und damit auch den Marktanteil. "Der Verkauf der internationalen geistigen Eigentumsrechte an britischen Programmen ist zu einem entscheidenden Teil der Finanzierung der Produktion in bestimmten Genres, wie zum Beispiel Drama, geworden", sagte Adam Minns, geschäftsführender Direktor der Commercial Broadcasters Association (COBA). Einschränkungen auf dem EU-Markt wären also ein harter Schlag für den britischen Fernsehsektor.

Nach Angaben des "Guardian" brachte der Verkauf internationaler Rechte an europäische Kanäle und VOD-Plattformen der britischen Fernsehbranche von 2019 bis 2020 einen Umsatz von 490 Millionen Pfund ein, rund 570 Millionen Euro.

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Mehr Chancen für kleinere EU-Länder

Doch es gibt einen kleinen Haken an der Sache: Das Vereinigte Königreich hat das Europäische Übereinkommen über das grenzüberschreitende Fernsehen des Europarates (ECTT) unterzeichnet. Und die Europäische Kommission verwendet weiterhin die Definition des Europarates, dass die Werke ihrer Mitglieder "europäisch" sind. Allerdings sind auch Nicht-EU-Länder wie Serbien, Norwegen und Albanien an dem Übereinkommen beteiligt.

"Für audiovisuelle Werke mit Ursprung im Vereinigten Königreich gilt weiterhin der europäische Werkstatus, da das Vereinigte Königreich Vertragspartei des Europäischen Übereinkommens über das grenzüberschreitende Fernsehen des Europarats (ECTT) ist", teilte ein Regierungssprecher dem "Guardian" mit.

Wird "The Crown" also nun von Netflix verschwinden? Das wohl nicht. Aber Nutzer:innen werden wahrscheinlich – falls Großbritannien von der 30-Prozent-Regel ausgenommen wird – mehr Serien und Filme aus Dänemark, Spanien oder Irland in den Mediatheken und Streamingdiensten finden. Und Sten-Kristian Saluveer, Medienpolitikstratege aus Estland, sagte dem "Guardian", dass gerade kleinere Mitgliedsstaaten von weniger britischen Produktionen profitieren könnten.

Quellen: "The Guardian", BBC, EUR-Lex, Europarat

rw / tkr

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