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Serien-Soundtracks: Der perfekte Musik-Moment

"Chasing Cars" und "Grey's Anatomy". "I'll be there for you" und "Friends". "Hallelujah" und "O.C., California". Besondere Musik-Momente in TV-Serien: Die Szene geht - das Gefühl kommt immer wieder.

Von Ulrike Klode

Wir brauchen ein Lied, das nur uns gehört", sagt Rory Gilmore zu Dean, mit dem sie gerade zum ersten Mal Sex hatte. Und legt in der ersten Folge der fünften Staffel "Gilmore Girls" ein ganz besonderes Lied in ihren CD-Player: "Candyman". Es ist alles andere als romantisch, und Dean muss lachen. Aber das ist egal: Das Lied bleibt hängen, nicht nur bei den Charakteren, sondern auch beim Zuschauer.

Einen solchen Musik-Moment zu kreieren, der für immer im Ohr und im Gedächtnis der Zuschauer hängen bleibt – das ist eine große Herausforderung. Das Lied darf nicht bereits mit anderen Assoziationen besetzt sein, es muss genau zum erwünschten Gefühl passen, und es darf die eigentliche Spielszene nicht überstrahlen. Doch wenn all diese Bedingungen erfüllt sind, dann entsteht etwas, das sehr lange anhält. Man hört das Lied im Radio – und schon sieht man eine Szene aus einer Serie vor sich, durchlebt die Gefühle erneut. Und bricht vielleicht sogar in Tränen aus. Doch es gibt auch ganz andere Arten von Musik-Momenten – dazu später mehr.

Das Ergreifendste, was ich in meinem Serien-Leben bisher gesehen habe: das Lied "Chasing Cars" in einer sehr traurigen Szene in "Grey's Anatomy".

"Grey's Anatomy" - "Chasing Cars" von Snow Patrol
Zwei Tage nachdem ich diese Szene gesehen hatte, hörte ich das Lied im Radio – und zack, die Tränen liefen in Strömen. Glücklicherweise war ich allein im Auto, mitten auf der A40 im Ruhrgebiet. Es hat niemand mitbekommen. Und das ging so weiter: Immer, wenn das Lied zu hören war (und es lief oft in dieser Zeit), kamen die großen Gefühle über mich. In der Öffentlichkeit hatte ich mich natürlich unter Kontrolle, zweimal schlucken und weg war die Heulgefahr. Aber zu Hause … Zwei Jahre hat es gedauert, bis ich das Lied im Radio hören konnte, ohne bis an die Tränengrenzen zu kommen. Die Macher der Serie sind sich dessen sehr wohl bewusst und haben diesen perfekten Musik-Moment in einer späteren Staffel zitiert – und lassen mehrere Charaktere in einer gut gemachten Musical-Folge "Chasing Cars" singen. Zuschauer-Tränenausbruch garantiert.

Ähnlich berührend: die letzte Szene der ersten Staffel von "O.C., California". Dieser Abschied geht unter die Haut:

"O.C., California" - "Hallelujah" von Jeff Buckley
Ein Abschied der besonderen Art ist das Ende von "Six Feet Under". Es gibt Kenner, die sagen, sie hätten noch nie ein besseres Serien-Ende gesehen. Ich gehöre zwar nicht dazu, aber eine Sache stimmt: Dieser Musik-Moment ist großartig.

"Six Feet Under" - "Breathe Me" von SIA
Ich muss noch einmal auf "Gilmore Girls" zu sprechen kommen. Und nein, nicht weil ich Fan bin und alle anderen ebenfalls von dieser Serie begeistern will. Nein, weil es hier auch nach objektiven Kriterien einen sehr guten Musik-Moment gibt. Drei Besonderheiten: Erstens ist die Musik nicht der Hintergrund, sondern ein Bestandteil der Handlung. Zweitens: Das Lied ist bereits mit Assoziationen besetzt. Drittens: Es startet als Parodie, wird aber Ernst. Und sehr traurig. (Ja, ich gebe es zu: Ich musste weinen, als ich die Szene in der Folge gesehen habe.)

"Gilmore Girls" - "I Will Always Love You"

Eine ganz andere Art von Musik-Moment ist folgende Szene aus "Scrubs":

"Scrubs" - "Overkill" von Colin Hay
Das Lied ist ein Ohrwurm – und macht aus der Szene auch einen Ohrwurm. "Erinnerst Du Dich an den Guitarman aus "Scrubs?" - schwupps, ist das Lied im Ohr und die Szene vor den Augen.

In eine ähnliche Richtung geht diese Szene aus "How I Met Your Mother":

"How I Met Your Mother" - "For The Longest Time"
Das Lied ist ein bereits bekannter Ohrwurm, doch diese Szene ist so herrlich absurd, dass sie neue Assoziationen schafft. "For the longest time" ist für mich jetzt auf lange Zeit mit dem Bild verbunden: Drei Teds (der aus der näheren Zukunft, der aus der entfernteren Zukunft, der aus der Gegenwart) und drei Barneys (ebenso einer aus der näheren, einer aus der entfernteren Zukunft, einer aus der Gegenwart) sitzen in einer Bar und singen gemeinsam a cappella.

Großartig ist es, wenn der Vorspann so gut gemacht ist, dass er zu einem Musik-Moment wird. Weil er durch das perfekte Zusammenspiel genau die Stimmung erzeugt, die für die gesamte Serie steht.

Ein absoluter Klassiker: "Friends".

"Friends" - "I'll Be There for You" von The Rembrandts

Sehr gut gelungen ist das auch bei "True Blood":

"True Blood" - "Bad Things" von Jace Everett

Und natürlich bei "Die Sopranos":

"Die Sopranos" - "Woke Up This Morning" von Alabama 3

Eine Extra-Klasse für sich, was die Musik-Momente angeht, ist "24". Nur ein paar Sekunden reichen aus, schon ist der Zuschauer mittendrin:

Auch in 20 Jahren werde ich mich noch an diese Töne erinnern – und damit an Jack Bauer, der dann hoffentlich endlich seine verdiente Rente genießen kann.

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Mitarbeit: die Serienfans der Redaktion