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TV-Kritik

"Sommerhaus der Stars": "Bewahren Sie Nuance!"

Statt Zärtlichkeiten setzte es Hiebe beim "Sommerhaus der Stars". Es war aber nicht alles schlecht: Einen bekloppten Heiratsantrag gab es auch.

Von Andrea Zschocher

Sommerhas der Stars

Ins "Epizentrum der Zärtlichkeiten" ging es, wie der Sprecher ankündigte, beim "Sommerhaus der Stars". Wer, wie ich, diese Sendung noch nie gesehen hat, der hat nun arge Schwierigkeiten aus eben jenem Epizentrum wieder herauszukommen. Denn zärtlich war da gar nichts. Stattdessen überall Ablehnung, Geringschätzung, Verachtung.

"Du bist ein Arschloch" sagte beispielsweise Matthias Mangiapane zu seinem Partner Hubert Fella. "Für mich bist du Nichts. Du fasst mich überhaupt nicht mehr an!", diktierte Ennesto Monte seiner Helena Fürst. Wo bei "Promi Big Brother" noch gekuschelt wird, da werden im "Sommerhaus der Stars" die echten Gefühle ausgepackt. Wäre alles nicht dramatisch, ein bisschen Ablehnung so von Promi zu Promi ist ja auch gut fürs Geschäft. Aber die Zurückweisung traf mehr den eigenen Partner als die anderen Mitspieler.

Sommerhaus Stars

Tiefe Blicke und ein Heiratsantrag in Hühnersprache: Yvonne Könnig und Markus Mörl im "Sommerhaus der Stars"


"Sommerhaus der Stars": Hass auf den Partner

Beim Spiel "Möbelaufbauen nach Anleitung durch die Partnerin", etwas, dass sicher jede Sommerparty ordentlich in Gang bringt, taten sich Abgründe auf. Wer so bis an die Hassgrenze geht, weil die Anweisungen, nun, sagen wir, unpräzise sind, der hat im Leben wohl wirklich einige Probleme. Die man im Reality Trash TV vielleicht nicht mal so nebenbei therapieren kann.

Schön mit anzusehen war es aber schon, wie Matthias seinen Partner anbrüllte: "Du glaubst gar nichts, du machst einfach, was ich sage!" Blöd nur, dass Hubert nicht willig war, den gebrüllten Anweisungen Folge zu leisten. Stattdessen brach er die Aufgabe ab, denn, oh weh: "Matthias, ich kann nicht mehr, mir läuft der Schweiß die Stirn runter!" Nein, also wirklich, das geht natürlich nicht, verständlich, dass diese schier unmenschliche Aufgabe einen Nachttisch aufzubauen, nicht gelöst wurde.

Auch unlösbar verfeindet sind wohl Giulia Siegel und Yvonne König. Letztere konnte nicht ertragen, dass Giulia sich mit geöffneten Beinen im Pool räkelte und ihr Freund, NDW-Sänger Markus Mörl, vielleicht einen Blick riskierte.

Ja und, möchte man rufen, Partnerschaft bedeutet ja nicht, dass man einander diktiert in welche Richtung man(n) schaut. Allerdings versicherten sich auch die Männer immer wieder gegenseitig, dass sie das, also DAS, unerträglich fänden. Schwer auszuhalten, eine halbnackte Frau. Klar könnte die Siegel-Tochter das Provozieren lassen - aber was bliebe ihr dann noch? 

Geläster und Gewalt. Darin ist Giulia erschreckend gut. Sie schlug Yvonne mehrfach auf den Hinterkopf, vollkommen indiskutabel. Statt dann aber wenigstens dazu zu stehen, Rückgrat zu beweisen und zu signalisieren: "Ich bin halt nicht so helle, deswegen schlage ich andere", folgten Ausreden um Ausreden. Währenddessen erklärte Yvonne ihren Zuhörern, sie hätte "Nuance bewahrt". Sowas ist ja durchaus wichtig in der heutigen Zeit, aber Contenance ist eben auch ein schwieriges Wort.

Giulias Freund Ludwig wollte kurz der Erzählung lauschen, wurde dann aber abkommandiert. Er sollte das alles nicht hören. Aber, so Siegel weise: "Jetzt hast du Reality TV mal erlebt." 

Heiratsantrag in Hühnersprache

Es war aber auch nicht alles schlecht gestern. Liebe gab es auch. In ihrer schrägsten Form. Denn Markus Mörl bekam von seiner Partnerin Yvonne König einen Heiratsantrag. Auf die wohl romantischste Art ever: In der Hühnersprache, einer Spielsprache die kleine Kinder gern benutzen. "Ich find das total süß", ließ Weichei Nico Schwanz verlauten. Der Rest der Nation denkt wahrscheinlich eher: Ich finde das reichlich bekloppt. Schlimm ist ja: Sie meinte das wohl ernst. Nach seinem, ebenfalls in Hühnerisch gehauchtem "Ja", wurde sie dann deutlicher: "Ich möchte dich echt wirklich heiraten. Ist das ok?"

"Machen wir", kam die wohl romantischste Antwort aller Zeiten. 

Beide versicherten, sie würden das nur so für sich machen und den anderen gar nichts davon erzählen. Es ginge ja schließlich nicht um Sendezeit und Aufmerksamkeit. Also so zwei Sekunden. Dann wurden alle, bis auf Giulia und Ludwig, natürlich doch eingeweiht. Geteilte Freude ist doppelte Freude und so.

Heiraten ist ja beinahe schon spießig normal für die Promis, die da im "Sommerhaus der Stars" wohnen. Aber genau diese Normalität wünscht sich Helena von ihrem Ennesto. Von dem Mann also, der wieder und wieder und wieder zu ihr sagte: "Für mich bist du nichts!" NDW-Star Markus empfand einiges als "Demütigung". Und irgendwie sind diese Paarbeziehungen genau das auch.

"Das war nicht gut für uns", fasste der ausgeschiedene Ludwig seine Trash TV- Erfahrung mit Giulia zusammen. Und ein bisschen gilt das auch fürs Zusehen. Da hilft nur: Nuance bewahren!

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