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"Polizeiruf 110" aus München Die Sehnsucht nach dem kleinen Stückchen Glück

"Polizeiruf 110" aus München
Szene aus dem "Polizeiruf 110": Elisabeth "Bessie" Eyckhoff (Verena Altenberger) soll gegen ihre eigenen Kollegen ermitteln.
© BR/maze pictures GmbH/Hendrik Heiden / ARD
Einige Polizisten haben mithilfe von Insiderwissen an der Börse spekuliert. Kommissarin Eyckhoff muss gegen ihre eigenen Kollegen ermitteln. Diese "Polizeiruf 110"-Wiederholung stellt die Frage nach der Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft.
  • 5 von 5 Punkten
  • Dieser Krimi macht es dem Zuschauer nicht leicht - doch dranbleiben lohnt sich

Worum geht's?

Polizeioberkommissarin Elisabeth "Bessie" Eyckhoff (Verena Altenberger) überwacht mit ihrem Team ein Unternehmen, das im Verdacht steht, illegalen Insiderhandel an der Börse zu betreiben. Dabei gelangen die Polizisten selbst an wertvolle Erkenntnisse - und nutzen dieses Wissen, um in Aktien zu investieren. Mittlerweile hat sich aber auch die Börsenaufsicht eingeschaltet und den Handel gestoppt. Eyckhoff soll gegen ihre eigenen Kollegen ermitteln - sie kommt der Aufforderung nur widerwillig nach. Derweil steigt der Druck auf die Polizisten, denen nun dienstrechtliche Konsequenzen drohen - und die Gefahr laufen, ihr gesamtes Geld zu verlieren. Die Spannungen gefährden auch das Privatleben der Beamten. 

Warum lohnt sich dieser "Polizeiruf 110"?

"Andere können alles haben, können sich an Feinstem laben, und von eben diesen Gaben möcht' Herr Rossi auch was haben", heißt es in einer beliebten Zeichentrickserie aus den 70er Jahren. Ein bisschen so verhält es sich auch mit den Polizisten in diesem Film. Die müssen ständig die Interessen des Kapitals schützen - werden aber selbst mit einem bescheidenen Salär abgespeist. Was in einer Stadt wie München schnell zu finanziellen Engpässen führen kann. Dieser "Polizeiruf" (Buch: Günter Schütter; Regie: Dominik Graf) gibt dem weit verbreiteten Unbehagen Ausdruck, dass es in der Gesellschaft nicht mehr gerecht zugeht, dass sich die Eliten immer weiter vom Rest der Bevölkerung entkoppelt haben. "Die gleichen Leute, die dem Uli Hoeneß zujubeln und finden, er ist ein Vorbild für die Jugendlichen, wenn er den Staat um Millionen bescheißt - die gleichen Leute werden lauthals über uns lamentieren und unsere Absetzung fordern", klagt einer der Polizisten - und fasst damit seine Gefühlslage in Worte.  

Was stört?

Für einen gepflegten Fernsehkrimi ist "Die Lüge, die wir Zukunft nennen" außerordentlich komplex. Nicht nur was die verworrene und dazu verschachtelt erzählte Handlung angeht. Auch in ästhetischer Hinsicht bekommt der Zuschauer hier Ungewöhnliches geboten. Das ist spannend und fordernd, grenzt aber bisweilen an Überforderung.

Die Kommissarin?

Im Rahmen ihrer Ermittlungsarbeit verbringt Elisabeth Eyckhoff zusammen mit dem smarten Lukas Posse (Wolf Danny Homann) von der Börsenaufsicht viele Stunden auf dem Hotelzimmer. Dabei kommen sich die beiden näher und kommt zu einer der ungewöhnlichsten Liebesszenen, die es im deutschen TV zu sehen gab.

Ein- oder Ausschalten?

Schalten Sie ein - und bleiben Sie dran: Wer bis zum Ende durchhält, wird mit einem herausragenden Fernsehfilm belohnt.

Die "Polizeiruf"-Folge "Die Lüge, die wir Zukunft nennen" lief erstmals am 8. Dezember 2019. Die ARD wiederholt den Film am Freitag, 19. Juni, um 22.15 Uhr


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