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"Polizeiruf 110" aus Magdeburg: Mord ohne Leiche - ein Krimi über die dörfliche Hölle

Der "Polizeiruf 110" eröffnet die neue Krimi-Saison: Der Freigeist und Frauenverführer Jurij ist verschwunden - und nur wenige Dorfbewohner sind darüber traurig. Die Magdeburger Ermittler haben viele Verdächtige, aber keine Leiche.

"Polizeiruf 110" aus Magdeburg

Szene aus dem Magdeburger "Polizeiruf 110": Doreen Brasch (Claudia Michelsen) sucht auch im Kuhstall nach der Leiche des verschwundenen Jurij.

ARD
  • 3 von 5 Punkten
  • Viel Atmosphäre, wenig Spannung: Insgesamt gelungener Start in die neue Krimi-Saison.

Worum geht's?

In einem kleinen Dorf bei Magdeburg herrscht rege Aufregung: Jurij ist verschwunden. Er war der bunte Hund im Ort. Von den Frauen geliebt, von vielen Männern verachtet. Denn er war ein Freigeist, eine Lebenskünstler, der sich durchgemogelt hat ohne arbeiten zu müssen. Zwar wird sein Wagen voller Blut gefunden, doch von Jurij keine Spur. Die Ermittler Brasch (Claudia Michelsen) und Köhler (Matthias Matschke) haben viele Verdächtige, denen sie eine Straftat zutrauen, doch sie stehen vor einem Dilemma, das ein Dorfbewohner im Verhör so formuliert: "Keine Leiche, kein Mord. Kein Mord, kein Mörder"

Warum lohnt sich dieser "Polizeiruf 110"?

Dieser Fall lohnt sich vor allem wegen seiner Zeichnung des dörflichen Kosmos. Die einen verbinden damit Lebensqualität und Landidylle. Für andere ist diese Welt kleingeistig und beengend. "Keine Hektik, viel Natur. Ein friedlicher Ort zum Leben", schwärmt etwa Kommissar Dirk Köhler von der Siedlung. Seine Kollegin Brasch sieht den Ort ganz anders: "Sie schauen nicht richtig hin. Hören Sie hier das Lachen spielender Kinder?" Regisseur Philipp Leinemann macht klar, auf welcher Seite er steht: Er zeigt das Dorf als Hort des Kleingeistigen, voller mittelmäßiger Menschen, die jeden mobben, der anders ist. Auf der visuellen Ebene unterstreicht er das: Hier gibt es keine hübschen Blumengärten, keine schrulligen Landwirte und keinen krähenden Hahn. Stattdessen baulich einfallslose Vorstadt und industrielle Landwirtschaft. Ein interessanter Gegensatz zu der in vielen Fernsehfilmen gezeigten Verkitschung des Ländlichen.  

Was stört?

"Mörderische Dorfgemeinschaft" setzt stark auf Atmosphäre, was klar auf Kosten der Spannung geht. Man darf diesen Film getrost als "handlungsarm" bezeichnen. Dazu hält sich am Ende die Überraschung in Grenzen: Schon der Titel gibt einen Fingerzeig darauf, wer hinter dem Verschwinden Jurijs stecken könnte. 

Die Kommissare?

Diesmal steht Doreen Brasch im Mittelpunkt: Sie leidet unter ihrer Einsamkeit, kann sich jedoch nicht dazu durchringen, sich zu dem Polizeipsychologen Wilke zu bekennen. Sie wählt die unverbindliche Affäre anstelle der verbindlichen Beziehung - und bleibt allein. Ihr Chef Uwe Lemp (Felix Vörtler) redet ihr gut zu: "Am Ende wollen wir doch alle nur geliebt werden." Seine Worte bleiben - vorerst - ohne Wirkung.

Ein- oder Ausschalten?

Der "Polizeiruf 110" meldet sich mit einem soliden Fall aus der Sommerpause zurück. Für Krimi-Fans ist Einschalten Pflicht.