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"Tatort" Bremen "Puppenspieler": Mit Druschba gegen das mordende BKA

Weservertiefung, korrupte Bundesrichter und ein BKA mit Auftragskiller-Einheit - das klingt nur partiell nach Bremen. Gut so, denn ein bisschen "James Bond" darf ruhig sein.

Von Susanne Baller

Das Bremer Team traut der BKA-Kollegin Sigrid Strange nicht

Das Bremer Team traut der BKA-Kollegin Sigrid Strange nicht

Das mutet im ersten Moment ganz schön fremd an - ein neuer Kollege zieht ins Bremer Revier. "Der ewige Assistent" Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) haut in den Sack: keine Frau, keine Kinder, kein aufregendes Leben, von dem er mal seinen Enkeln erzählen kann, da zieht er Konsequenzen. Und geht als Ausbilder für Polizisten in der dritten Welt nach Afghanistan. Schwer nachvollziehbar und etwas konstruiert, aber endlich kommt nach fast zwölf Jahren Amtszeit mit Inga Lürsen (Sabine Postel) Bewegung in die Bremer Kripo!

Doch diese Personalie geht bei dem großartigen Drehbuch von Christian Jeltsch nahezu unter: Weservertiefung trifft auf arrogant korrupte Bundesrichter und gesetzlose BKA-Methoden. Regisseur Florian Baxmeyer hätte mit dem Stoff von "Puppenspieler" leicht eine Kinoleinwand füllen können: Die minderjährige Mel (Jella Haase) und ihr Freund Ole (Sven Gielnik) erpressen Bundesrichter Bauser (Christoph M. Ohrt) mit einem Sexvideo. Den gleichen Plan hatten auch die Befürworter der Weservertiefung, die kein Geld, sondern seine Stimme wollen. Bauser aktiviert einen alten Kontakt, die strenge Frau Strange (Katja Danowski), und will sich das lästige Teeniepaar mit dem "System" des BKA, einer geheimen mobilen Einheit mit Auftragskillern, vom Hals schaffen. Doch das "System" schlägt zurück und schafft sich kurzerhand selber ab. Was beinahe gelingt - Team Lürsen kommt gerade rechtzeitig, bevor der letzte Stecker gezogen wird.

Alles richtig gemacht, Bremer: Schnitt, Split Screen, Tempo, Musik - ganz großer Spaß! Auch wenn die Glaubwürdigkeit der Geschichte näher an einem "James Bond"-Film als an echter Polizeiarbeit ist, so nickt man am Sonntagabend bestimmt nicht vor dem Fernseher ein. Nicht klar geworden ist allein, was die Beerdigung in der Eingangsszene hier zu suchen hatte, sie wirkte angeklebt und wie aus einem anderen Fall übriggeblieben.

Der fleißige, freundliche Russe

Besondere Betrachtung verdient der Neue: Er ist groß, trägt einen flusigen Pagenkopf und Dreitagebart. Etwas plump, etwas übergriffig und auf eine mysteriöse Art besessen wirkt Kriminaloberkommissar Leo Uljanoff (Antoine Monot Jr.). Nicht nur seine physische Präsenz und die eigene Wortwahl irritieren. Vor seinem Amtsantritt hat Uljanoff die neue Chefin analysiert und ihr auf Fotos zärtlich übers Gesicht gestreichelt, sodass man ihn für einen Täter und Lürsen für das Opfer halten könnte. Bei der ersten Begegnung macht er aber keinen Hehl daraus, die Hauptkommissarin wie ein Profiler ausgeleuchtet zu haben, beruflich und privat. "Druschba", Freundschaft, verspricht der gebürtige Russe selbstbewusst. Und sorgt sich sogar um Lürsens Gesundheit: Grüner Tee statt Kaffee, lautet seine Reform, und Treppe statt Aufzug. Dass er "diese Mutter-Sohn-Kiste im Job" eigentlich nicht braucht und die Frage, ob er sie "als Mann nervös macht", lösen bei Lürsen zunächst Lachanfälle aus. Doch das soll sich schnell ändern.

Die Kommissarin strahlt jugendlich und agiert wie aus dem Seniorenschlaf erwacht. Als politische Aktivistin unbesorgt, einen Konflikt mit ihrem Job als Staatsdienerin zu riskieren, demonstriert sie gegen die geplante Weservertiefung. Und lässt sich sehr schnell auf ein amouröses Abenteuer mit ihrem deutlich jüngeren, schrägen neuen Kollegen ein. Was im Münchner "Tatort" mit dem One-Hit-Wonder Gisbert Engelhardt (Fabian Hinrichs) geglückt ist, scheint auch das Bremer Personal zu beatmen: Eine neue Figur mit einer komischen Komponente haucht dem Team neues Leben ein. Das kann heiter werden!

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo