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"Tatort" aus Berlin Keine Hoffnung. Nirgends: Ein deprimierender Fall für Rubin und Karow

"Tatort: Die Kalten und die Toten" aus Berlin
Nina Rubin (Meret Becker, l.) und Robert Karow (Mark Waschke) befragen die Mutter des Verdächtigen Dennis Ziegler
© rbb/Aki Pfeiffer / ARD Degeto
Die Berliner Kommissare Nina Rubin und Robert Karow müssen den Mord an einer jungen Studentin aufklären und stoßen dabei auf eine Mauer des Schweigens und zerrüttete Familien. Kein Spaß am Sonntagabend.
  • 4 von 5 Punkten
  • Klirrende Kälte, herzlose Menschen und eine ziemlich trostlose Stimmung machen diesen Berliner Fall zu schwerer Kost

Worum geht's?

Die Medizinstudentin Sophia Bader (Laura Sophie Warachewicz) verabredet sich über eine Dating-App mit dem Paar Dennis Ziegler (Vito Sack) und Julia Hoff (Milena Kaltenbach) zum Sex. Am nächsten Morgen wird die nackte Leiche der jungen Frau am Engelbecken in Berlin-Kreuzberg gefunden. Als die Kommissare Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) die Eltern der Toten informieren, streiten die ab, dass es sich um ihre Tochter handeln könne. "Sophia schläft nicht mit irgendwelchen Leuten. Ich habe sie gut erzogen. Sie tut so etwas nicht", sagt ihre Mutter Marianne (Andreja Schneider). Auch bei den Angehörigen von Dennis Ziegler und Julia Hoff treffen die Ermittler auf eine Mischung aus Ignoranz und Hilflosigkeit. Um den Fall zu lösen, entscheiden sich Rubin und Karow für "Psychospielchen", die am Ende für alle Beteiligten komplett aus dem Ruder laufen.

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

Der Fall spielt an kalten Berliner Wintertagen, und eisig ist hier nicht nur das Wetter. Die Stärke des Films liegt in der Konzentration auf die einzelnen Charaktere. Es ist das Psychogramm zweier zerrütteter Familien. Es mangelt an Liebe und Mitgefühl, an Respekt und Verständnis. Drehbuchautor Markus Busch und Regisseur Torsten C. Fischer ließen sich dabei von der Frage leiten: Welches Maß von Gefühllosigkeit und Egozentrik braucht es, um Tötungsdelikte zu begehen, wie sie immer wieder vorkommen? Es ist ein ziemlich trostloses Bild, das sie zeichnen und auch die Kommissare nicht ausklammert. In einer Szene sagte Ermittlerin Rubin: "Ich will endlich mal wieder was Schönes, was Warmes, was Lebensfrohes." All das gibt es in dem Film mit dem Titel "Die Kalten und die Toten" nicht.

Was stört?

Der Mordfall in dem Krimi ist schnell erzählt und enthält nicht wirklich eine überraschende Wendung. Das Ende ist absehbar und macht die Geschichte an sich etwas eindimensional. Der Fokus liegt auf den einzelnen Beteiligten und ihrem aktuellen Verhalten. Warum sie so handeln, wie sie handeln, wird jedoch nicht tiefer beleuchtet. Dafür gibt es gewohnt deftige Sprache, die vielleicht auch nicht jedermanns Sache ist.

Die Kommissare?

Nina Rubin und Robert Karow sind in dem Fall beinah ebenso kaputt wie all die anderen Protagonisten. Sie ermitteln völlig unbedacht und sorgen so für noch mehr Probleme. Zudem hängt beiden ihr Techtelmechtel aus einer vorherigen Folge nach: Karow plagt eine Geschlechtskrankheit und er will von Rubin wissen, ob sie schuld an seinem "intimen Souvenir" sei. Der Einzige, der für etwas Aufheiterung sorgt, ist der neue Assistent Malik Aslan. Dargestellt wird der von Comedian Tan Caglar, der aufgrund einer Rückenmarkserkrankung im Rollstuhl sitzt.

"Tatort" aus Berlin: Keine Hoffnung. Nirgends: Ein deprimierender Fall für Rubin und Karow

Ein- oder ausschalten?

Der Fall ist deprimierend, aber trotzdem sehr sehenswert. Zudem ist es der vorletzte Auftritt von Meret Becker als Kommissarin Nina Rubin. Die Schauspielerin verlässt den "Tatort" im kommenden Jahr auf eigenen Wunsch.

Die Kommissare Rubin und Karow ermittelten zuletzt in diesen Fällen:


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