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"Tatort" aus Berlin Wo Menschen nur noch "Verwertungshemmnis" sind – ein Krimi über die Wohnungsnot

Meret Becker im "Tatort"
Szene aus dem Berlin-"Tatort": Nina Rubin (Meret Becker, r.) lässt sich in der Gerichtsmedizin den Tathergang erklären.
© rbb/Gordon Muehle / ARD
Ein Immobilienmanager liegt tot auf der Staße. Die "Tatort"-Ermittler Rubin und Karow finden jede Menge Menschen mit Motiv - und entdecken ihre sozialromantische Ader.
  • 4 von 5 Punkten
  • Mäßig spannender Krimi, der mit einem hochaktuellen Thema punktet.

Worum geht's?

Gerade hat der Immobilienunternehmer Cem Ceylan eine Zwangsräumung vollstreckt und eine Berliner Familie kurzerhand auf die Straße gesetzt. Doch kurz darauf liegt er tot auf der Straße. Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) stehen vor einem Problem: Es gibt verdammt viele Menschen, die ein Mordmotiv hätten. Denn der Immobilienmanager hat unzähligen Mietern ihre Wohnung gekündigt - und zudem mehrfach seine Machtposition gegenüber Frauen ausgenutzt. Im Rahmen ihrer Ermittlungen lernen Rubin und Karow traurige Schicksale kennen - und finden Verständnis für die Tat.

Warum lohnt sich der "Tatort"?

Viele Großstädter kennen sie: Menschen, die in der U-Bahn um ein paar Euro für ein Abendessen bitten, da sie auf der Straße gelandet sind. Dieser "Tatort" gibt einigen von ihnen ein Gesicht. Und das in zweierlei Hinsicht: Zum einen erzählt die Folge "Die dritte Haut" einige fiktive Geschichten von Menschen, die ohne eigenes Verschulden auf der Straße gelandet sind und angesichts der vielen Wohnungssuchenden sowie der hohen Mieten Probleme haben, eine neue Bleibe zu finden.

Der Film (Buch: Katrin Bühlig, Regie: Norbert ter Hall) zeigt auch die andere Seite, die Logik von Immobilienfirmen, die Mieter mit Altverträgen nur als "Verwertungshemmnis" sehen. Deren Mitarbeiter Sätze sagen wie: "Bei dem Wohnungsmangel heutzutage müssen wir uns mit säumigen Mietern nicht mehr rumschlagen. Das können wir uns bei dem Mietendeckel auch gar nicht mehr leisten."

Gleichzeitig zeigt dieser "Tatort" auch echte Obdachlose. Immer wieder blendet der Film Fotos von Menschen ein, die auf der Straße leben und stellt sie kurz vor. Auf diese Weise wird klar, dass das Problem, das diese Geschichte beschreibt, real ist.

Was stört?

Der eigentliche Kriminalfall will zu keiner Zeit richtig in Gang kommen. "Die dritte Haut" wäre als Spielfilm außerhalb der "Tatort"-Reihe wohl besser aufgehoben gewesen. Ohne Mord und die Sperenzchen der Ermittler, dafür mit noch mehr Konzentration auf die Schicksale der Mieter. Doch dann würden vermutlich deutlich weniger Zuschauer einschalten.

Die Ermittler?

Es hat sich schon in den zurückliegenden Folgen abgezeichnet. Als die Leiche gefunden wird, liegen Karow und Rubin zusammen im Bett. Doch es ist nicht Liebe, die das Duo einander näher bringt, eher Lust. Später sieht man die beiden beim kurzen, leidenschaftslosen Quickie. Doch wie das Ende andeutet, könnte es auch damit schon bald wieder vorbei sein. Eine Beziehung, so kalt und berechnend wie die vom Vermieter zu seinen Mietern.

Ein- oder ausschalten?

Das Schicksal der von Wohnungsnot betroffenen Menschen lässt niemanden kalt und ist leider weit verbreitet. Deshalb sollten Sie diesen "Tatort" nicht verpassen.

Die Kommissare Rubin und Karow ermittelten zuletzt in diesen Fällen:


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