VG-Wort Pixel

"Tatort" aus Frankfurt Deckname Fisher: Ein Spionagethriller, der nicht überzeugt

"Tatort: Funkstille" heute aus Frankfurt
Die 17-jährige Emily Fisher (Emilia Bernsdorf) und ihre Eltern stehen im Mittelpunkt der Mordermittlungen
© Bettina Müller/HR / ARD
Der Mord an einem Jugendlichen mündet in einer diplomatischen Krise: Die Frankfurter Kommissare Janneke und Brix ermitteln zwischen Agenten und Spionen - wirken dabei allerdings so unglaubwürdig wie die gesamte Geschichte.
  • 2 von 5 Punkten
  • Ein "Tatort", der Agententhriller sein möchte, aber leider viele Schwächen hat

Worum geht's?

Die 17-jährige Emily Fisher ist nachts mit dem Nachbarsjungen Sebastian Schneider verabredet, doch der kommt nicht zum vereinbarten Treffpunkt. Der 19-Jährige ist tot, seine Leiche wird in einer verlassenen Fabrikhalle gefunden. Die Kommissare Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) informieren Sebastians Vater, der erstaunlich wenig über den Alltag und Freundeskreis seines Sohnes zu wissen scheint. Auch die Eltern von Emily reagieren kühl auf den Tod des Jungen. Doch hinter der aalglatten Fassade der Familie Fisher brodelt es gewaltig, und nicht nur Emily kommt bald dahinter, dass ihre Eltern jede Menge Geheimnisse haben. 

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

Die Idee ist ebenso alt wie spannend: Es geht um Geheimdienste und Spionage, Doppelagenten und russische Giftmorde - angesichts des Falles Alexander Nawalny leider aktueller denn je. Der Film bemüht sich, alle Elemente eines Agententhrillers abzudecken: Beobachtungen im Dunkeln, Verfolgungsjagden im Nebel und undurchsichtige Beziehungen. Stark sind auch die emotionalen Szenen, etwa als Sebastians Vater vom Tod seines Sohnes erfährt und weiter mit zittrigen Händen eine Pizza belegt, oder als Emily erkennt, dass ihr bisheriges Leben eine einzige Lüge ist.

Was stört?

"Funkstille", so der Titel des "Tatorts", hat viele Schwächen. Zahlreiche Details sind unglaubwürdig. Etwa, dass die Rollen des US-Paares Gretchen und Raymond Fisher, Emilys Eltern, mit deutschen Schauspielerin besetzt wurden. Die beiden Darsteller Tessa Mittelstaedt und Kai Scheve mühen sich redlich, doch der deutsche Akzent ist nicht zu überhören. Zudem macht es für Muttersprachler wenig Sinn, dass die Eltern untereinander mal deutsch, mal englisch reden - und mit ihrer Tochter stets nur deutsch. Und der Film bedient zahlreiche Klischees: die Kürbis-Deko im Wohnzimmer der Fishers, die frisch gebackenen Cookies mit Milch und das Thanksgiving-Fest. Insgesamt wirkt die Geschichte zu konstruiert, und auch die Lösung des Mordfalls ist wenig überzeugend.

Die Kommissare?

Es ist der Klassiker: Kommissar Brix hat einen freien Tag, doch dann informiert ihn seine Kollegin Janneke, dass eine Leiche gefunden wurde. Brix' zum Scheitern verurteilte Versuche, mit einem E-Scooter den Tatort zu erreichen, sind sehr amüsant. Später klappt es doch noch mit der Verfolgungsjagd auf dem modernen Fahrgerät. Weniger Erfolg hat Brix bei der Umerziehung seiner Kollegen. Die Mitarbeiter der KTU nennt er "lahmarschig" und Assistent Jonas maßregelt er, weil der stets nur "Hallo Leute" statt "Guten Tag" sagt. Brix ist permanent am meckern, seine Kollegin Janneke steuert dagegen, doch am Ende Platz auch ihr der Kragen.

Ein- oder Ausschalten?

Wenn Sie eine gelungene Spionage-Serie sehen wollen, dann sparen Sie sich diesen "Tatort" und schauen Sie lieber die US-Produktion "The Americans". Die ersten fünf Staffeln der Reihe gibt es bei Netflix.

Die Kommissare Anna Janneke und Paul Brix ermittelten auch in diesen Fällen:


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker