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"Tatort"-Kritik In der Warteschleife

Die österreichische "Tatort"-Folge "Lohn der Arbeit" lebt mehr von Denksport als turbulenter Action. Behäbig wird eine Jagd nach dem Mörder skizziert, die sich um prototypische Berufsbilder dreht und verzweifelten Männern die Bühne überlässt.
Von Anna Miller

Die Österreicher haben nach den Schweizern vergleichsweise leichtes Spiel, wurde der letzte "Tatort" vor zwei Wochen doch mit großer Übereinstimmung zerrissen. Da lassen schummrige Einstiegsszenen im Tiroler Wald, korrupte Bauunternehmer und ein halbes Dutzend Tatverdächtige hoffen.

"Lohn der Arbeit" punktet denn in der ersten halben Stunde auch mit filmreifer Hintergrundmusik, guter Kameraführung und einem Plot, der in die Geschichte hineinzieht. Chefinspektor Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) geht gewohnt besonnen und scharfsinnig vor, der Zuschauer muss mitdenken.

Die Nebenrolle wurde diesmal nicht mit Adele Neuhauser als Bibi Fellner besetzt, sondern mit Alexander Mitterer als Inspektor-Kollege Franz Pfurtscheller. Die Herren, beide schon etwas in die Jahre gekommen, maulen sich lieber gegenseitig an, als den Fall zu lösen. Während der eine ständig mit seiner Mutter telefoniert und der andere mit seinem kaputten Fuß beschäftigt ist, zieht sich der Fall in die Länge.

Ein Übermaß an Verdächtigen

Zu viele Protagonisten müssen verdächtigt werden, die Suche nach dem Mörder bleibt zu lange unkonkret und dreht sich um die immer gleichen Fragen. Die Auflösung rechtfertigt die Irreführung im Vorfeld keineswegs. Zu naheliegend ist die Idee, dass ausgerechnet derjenige der Mörder ist, der sich am stärksten in den Vordergrund spielt.

Der Finanzbeamte Jakob Wiesner und der ermordete Kogl sind mit Abstand die charismatischsten Figuren in der Geschichte, eckige Charaktere. Man hätte sich mehr Persönlichkeit gewünscht in diesem "Tatort", weniger alte, kaputte Männer mit angekratztem Ego.

Das Thema Schwarzarbeit greift der "Tatort" indes gewinnend auf. Das Schicksal der illegalen Schwarzarbeiter ist ergreifend geschildert und wird durch die zwei Protagonisten emotional transportiert. Um so bitterer und effektvoller ist es zum Schluss, dass keiner sich wirklich um das Schicksal dieser Menschen schert - an vorderster Front die Exfrau von Kogl, Helga Brugger, die ihr mit der Abgabe der Firma an den Sohn ihr Gewissen davon reinwaschen will, dass sie die beiden Schwarzarbeiter an die Polizei ausgeliefert hat.

Zu wenig Tempo, kaum Action

Immerhin ist es zum Ende der frustrierte Lokaljournalist auf der Suche nach der Selbstgerechtigkeit, und nicht die Witwe oder der Sohn, welcher den alten Bauherren getötet hat. Ein neuer Schluss mit einer prototypischen Charakterskizze also.

Dem "Tatort" fehlt es an Tempo und Action. Zwar baut sich ein Erzähl-, aber kein Spannungsbogen auf. Die durchaus gut gedrehten Rückblenden, in denen sich dem Zuschauer die Mordnacht erschließt, sind wenige Ausnahmen, die sich erfrischend in die sonst sehr langwierige Folge mischen. Es stellt sich ein wenig das Gefühl ein, als stehe der Journalist Feyersinger als Symbol für die gesamte "Tatort-Folge": Stets auf der Lauer und ambitioniert, kriegt er die ganz große Story zum Ende hin eben doch nicht.


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