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Reaktionen auf "Krieg im Kopf": "Steilvorlage für die Aluhut-Fraktion": Dieser "Tatort" sorgte für Entsetzen

Der aktuelle "Tatort" mit Maria Furtwängler vermengte Verschwörungstheorien mit Fakten und sorgte damit für viel Widerspruch in den sozialen Netzwerken. Auch die klassischen Medien ließen kein gutes Haar an dem Krimi.

"Tatort" mit Maria Furtwängler

Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) testet im "Tatort" einen Helm, der Einfluss auf ihre Hirntätigkeiten nimmt.

ARD

Woche für Woche erzählt der "Tatort" Kriminalfälle, die mitten in Deutschland stattfinden. Fast immer wird dabei auch ein gesellschaftliches Thema mit eingewoben. So war der vergangenen Sonntag gesendete Fall aus Köln ein Sozialdrama, das sich der Lage sozial schwacher Familien widmet. Immer mal wieder befasst sich diese Krimireihe auch mit moderner Technologie und ihrem Einfluss auf das Leben der Menschen. Fast immer fällt dieser Blick jedoch negativ aus: Fortschritt und Innovation bedeuten im "Tatort" meistens nichts Gutes.

So auch in dem aktuellen Fall "Krieg im Kopf". Hier beschäftigen sich die Macher (Buch: Christian Jeltsch, Regie: Jobst Christian Oetzmann) mit neuesten Waffentechniken und Methoden der Kriegsführung. Dabei verwoben sie jedoch tatsächlich existierende Mindcontrol-Techniken mit einer diffusen Angst vor dem neuen Mobilfunkstandard 5G. Ein Polizist durfte unwidersprochen behaupten, diese Technologie ermögliche Gedankenkontrolle - eine unter Verschwörungstheoretikern häufig kursierende, durch nichts bestätigte Vermutung.

Es regiert der Aluhut

Entsprechend harsch fiel das Urteil auf Twitter aus. Zahllose User kritisierten genau dieses Vermengen von Fakten mit Angstmacherei. "Steilvorlage für die Aluhut-Fraktion für Kritik an 5G", schrieb ein Zuschauer. Dieser "Tatort" schüre Skepsis an staatlichen Institutionen und befördere Verschwörungstheorien, so die Kritik.

Viele weitere Nutzer bedienten sich dem Aluhut-Symbol, um den Wirrheitsgrad dieses Falls zu verdeutlichen:

Andere kritisierten insbesondere den Zeitpunkt der Ausstrahlung in einer Phase, wo ohnehin fast alle Menschen zu Hause sitzen und sich Gedanken machen. "So ein Verschwörungsding ist genau das, was die Aluhüte da draußen jetzt brauchen. Super Timing", lautete die Einschätzung eines Users.

Es gab auch positive Resonanz. Der aktuelle Fall hat die Zuschauer tatsächlich gespalten: Das Gros der Reaktionen pendelte zwischen Zuspruch und Kritik - die wenigsten reagierten indifferent. Zumindest auf Twitter überwog dabei die Ablehnung. 

Schlechte Presse für den "Tatort"

Auch in fast allen Medien kam "Krieg im Kopf" schlecht weg. Der stern vergab nur zwei von fünf Sternen. Eine Kritik, die viele andere Rezensenten teilten: "Sorry, uns erreichen die Stimmen dieses Paranoia-Schockers über moderne Kriegsführung nicht recht", urteilte etwa Christian Buß auf "Spiegel Online". "Eine moralinsaure Räuberpistole" lautete das Verdikt von Matthias Dell auf "Zeit.de". Und die "FAZ"-Kritikerin Ursula Scheer schreibt: "Aluhutträger aufgepasst: Jetzt schlägt die Stunde all derjenigen, die sich Stanniol um den Dez wickeln, um die eigene Gedankenwelt durch metallische Reflexion vor den bewusstseinsverändernden Strahlen zu schützen, mit denen in Verschwörungskonglomeraten organisierte Bösewichte uns angeblich täglich bombardieren, auch im 'Tatort'."

Alles noch höfliche Umschreibungen für ein künstlerisches Debakel. Auf Twitter hat es ein User dagegen besser auf den Punkt gebracht: "Aus dem Himalaya der bescheuerten 'Tatorte' ragt dieser hier als Achttausender hervor."

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