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Letzter Einsatz der Frankfurter "Tatort"-Kommissare Abschied von Charlotte Sänger und Fritz Dellwo


Acht Jahre lang haben sie trotz ihrer Gegensätze Seite an Seite Mörder gejagt, jetzt ist Schluss: Am Sonntag läuft der letzte "Tatort" mit den Frankfurter Ermittlern Charlotte Sänger und Fritz Dellwo.
Von Ulrike Klode und Carsten Heidböhmer

Sie ist die Unnahbare, Zweifelnde. Er der Anpackende, Bodenständige. Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki) und Fritz Dellwo (Jörg Schüttauf) sind ein ungleiches Paar. Seit acht Jahren ermitteln die Kommissare gemeinsam im Frankfurter ARD-"Tatort". Es war schwierig mit den beiden - sie konnten nicht so richtig miteinander, aber erst recht nicht ohne einander.

Am Sonntagabend läuft nun mit "Am Ende des Tages" der letzte "Tatort" mit dem Ermittlerteam. Und wie so oft bei den Folgen dieses Duos: Auch hier stehen Sänger und Dellwo nicht im Mittelpunkt. Über die Jahre hat man in den insgesamt 18 Fällen natürlich einiges über das schwierige Verhältnis der beiden gegensätzlichen Charaktere erfahren, doch meist nur nebenbei.

Sie ist der Kopfmensch, er der Bauchmensch

Mit Charlotte Sänger und Fritz Dellwo hatten sich zwei Menschen gefunden, wie sie verschiedener nicht sein können: Hier die verschlossene, vom Leben beschädigte Frau, die noch immer in dem Haus lebt, in dem ihre Eltern grausam getötet wurden. Dort der bodenständige, sympathische Mann, der sich in seiner Freizeit für Motorräder und Rockmusik interessiert. Als er nach seiner gescheiterten Ehe eine Wohnung sucht, zieht er - der Logik deutscher Serien folgend - bei seiner Kollegin ein, zumal zwischen beiden eine latente erotische Spannung besteht, die immer wieder die Zusammenarbeit belastet hat.

Interessant war an dem Gespann auch, wie sie gängige Rollenerwartungen unterlaufen haben. Hier ließ sich nicht eine Frau von der Intuition leiten, während der Mann messerscharf seinen Verstand einsetzte. Vielmehr vertraute der Gemütsmensch Dellwo ganz seinem Bauchgefühl, während Sänger permanent intellektuelle Zersetzungsarbeit leistete.

Die Frankfurter "Tatorte" mit dem ungleichen Ermittlerpaar heimsten viel Lob ein - und Preise: 2005 gab es den begehrten Grimme-Preis für "Herzversagen", der Fall hatte 2004 auch schon die Auszeichnung als bester deutscher Fernsehkrimi erhalten. 2006 wurde Sawatzki für ihre Schauspielleistung in "Das letzte Rennen" mit dem Hessischen Fernsehpreis ausgezeichnet.

Bei den Zuschauern gehörte das Duo nicht zu den absoluten Favoriten. Bei vorletzten Fall aus Frankfurt "Weil sie böse sind" im Januar saßen zwar 7,54 Millionen vor den Bildschirmen und bescherten der ARD damit einen Marktanteil von 20,2 Prozent. Doch die Publikums-Lieblinge aus Münster, der prollige Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) und der feinsinnigen Pathologe Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers), knacken mit ihren Fällen am Sonntagabend regelmäßig die Zehn-Millionen-Marke.

Der letzte Fall: ein Racheakt

Im letzten Fall der Beiden dreht sich die Geschichte um Rudi Fromm (Peter Lerchbaumer), den Vorgesetzten von Sänger und Dellwo. Der Chef der Frankfurter Mordkommission gerät an seinem letzten Arbeitstag unter Mordverdacht: Wenige Stunden vor der offiziellen Verabschiedung erschießt ein aus der Haft entlassener ehemaliger Bankräuber Rudis neue Freundin. Ein Racheakt, der den angehenden Pensionär aus der Bahn wirft.

Sawatzki und Schüttauf bleiben ihren Rollen treu: Charlotte Sänger ist wie immer die Introvertierte, die ihrem langjährigen Chef ein grausames Verbrechen zutraut. Fritz Dellwo dagegen glaubt von Anfang an seinen Chef und geht pragmatisch an die Ermittlungen. Dass es sich bei diesem "Tatort" um den Letzten handelt, wird im Laufe der Geschichte nicht thematisiert. Bis zum Schluss bleibt spannend, wie das Duo aus der Serie aussteigen wird.

Sawatzki: "Jetzt reicht es"

Nach 18 Fällen für den Hessischen Rundfunk wollen sich die beiden Schauspieler nun anderen Aufgaben widmen. Sie wolle mit der Routine brechen, erklärte Andrea Sawatzi in einem Interview mit der Zeitschrift "TV Movie". "Ich habe viele meiner Ängste in diese Rolle eingearbeitet. Jetzt reicht es." Auch Jörg Schüttauf hat andere Projekte, auf die er sich konzentrieren will.

Das Duo Sänger/Dellwo geht jetzt getrennte Wege. Doch einen "Tatort" aus Frankfurt wird es weiterhin geben: Joachim Król und Nina Kunzendorf spielen die neuen Ermittler. Bis dieses neue Paar zum ersten Mal auf dem Bildschirm zu sehen ist, wird es allerdings noch etwas dauern: Der erste Fall wird erst im Herbst 2010 gedreht. Zusätzlich geht künftig Ulrich Tukur in der hessischen Provinz auf Verbrecherjagd, einmal im Jahr soll es einen "Tatort" mit ihm als Ermittler des Landeskriminalamts geben. Seine Premiere hat Tukur an einem ganz besonderen Datum: am 28. November. Der Tag, an dem der "Tatort" 40 Jahre alt wird.


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