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Pressestimmen zum Weimar-"Tatort" Gut, aber ...


Gute Quote, gute Kritiken: Das "Tatort"-Debüt von Nora Tschirner und Christian Ulmen kam nicht schlecht an. Doch hier und da gibt es Verbesserungsvorschläge.

8,03 Millionen Zuschauern haben eingeschaltet, als Nora Tschirner und Christian Ulmen zum ersten Mal als "Tatort"-Kommissare ermittelten. Für einen "Tatort" zur Weihnachtszeit, gesendet an einem Donnerstag (!), ist das eine gute Quote - auch weil im ZDF mit einer Folge "Traumschiff" starke Konkurrenz lief (6,69 Millionen entschieden sich für die Schmonzette). Doch nicht nur die Quote der Premiere aus Weimar war gut, auch die Kritiker waren zufrieden - mit einer Ausnahme. Eine kleine Übersicht über die Reaktionen der Berufskritiker.

"Süddeutsche.de"


Dieser "Tatort sei "natürlich" eine Parodie, schreibt Holger Gertz auf "Süddeutsche.de". Und fährt fort: "Manchmal tut es etwas weh. Aber manchmal tut es - nach einem Jahr eisern geführter Tatort-Qualitätsdebatten - auch ein bisschen gut, wie unaufgeregt Ulmen und Tschirner ihre Wurst- und Wortwitze verstreuen."

"WAZ.de"
Frank Preuß hebt auf "WAZ.de" die Leistung von Regisseurin Franziska Meletzky hervor: "Meletzky spielt aber nicht nur mit dem Aufeinanderprallen von Comedy und Weimarer Klassik in Bild und Ton, sie hantiert auch gekonnt mit den 'Tatort'-Klischees bis hin zu Doldingers unkaputtbarer Titelmusik, die hier immer wieder leicht verfremdet eingespielt wird. Eine schöne Idee." Er kommt zu dem Schluss, dass der Krimi zwar ein bisschen abseitig und skurril sei, aber "keineswegs langweilig, geradezu ein 'Tatort' im Erfrischungsbad. Es sollte ein Einzelfall sein, nun sieht es so aus, als ob Tschirner/Ulmen in Weimar in Serie gehen. Nichts dagegen zu sagen."

"DWDL.de"


Hans Hoff feiert auf "DWDL.de" die Entdeckung von Nora Tschirner: "Nicht dass Nora Tschirner bisher nicht angenehm aufgefallen wäre, aber in diesem 'Tatort', der eigentlich als einmaliges Event betrachtet wurde und nun doch in die Fortsetzung geht, spielt sie die hochschwangere Kommissarin Kira Dorn mit einer derartigen Lässigkeit, dass sie dem Zuschauer schon nach wenigen Szenen wie eine Vertraute wirkt. Sie kann ihre Sätze mit solch einer beiläufigen Selbstverständlichkeit ausstatten, dass man keine Sekunde auf die Idee kommt, da spiele irgendwer irgendwas." Dem fulminanten Start folge dann aber leider ein schlapper Spannungsbogen. Außerdem kritisiert er: "Zudem nerven ein wenig die Versuche, diesen 'Tatort' zum Weimar-Werbefilm umzufunktionieren." Doch all das werde gegen Ende wieder gerettet. Sein Fazit: "Guten Appetit wünscht man da und freut sich auf die geplante Fortsetzung, bei der bitte die kleinen Fehler des Debüts unterlassen werden mögen."

"Spiegel Online"
"Es ist der erste erträgliche MDR-Krimi seit langer Zeit", urteilt Christian Buß auf "Spiegel Online". Allerdings ist ihm der "Tatort" zu sparsam inszeniert - trotz des großen Aufwands und Know-Hows, das die ARD hineingesteckt habe. Ein Höhepunkt sind für ihn die Dialoge: "Dafür strahlen die Dialoge manchmal ganz unverhofft. ... Es ist diese im klassischen Ulmen-Sound daherkommende, schnarrende Ironisierung klassischer Krimi-Dialoge, die den Reiz von 'Fette Hoppe' ausmacht." Auch Tschirner beherrsche diese Schnarrigkeit.

"Stuttgarter-Zeitung.de"


Unter der Überschrift "Langatmig und doof" lässt "Stuttgarter-Zeitung.de" kein gutes Haar an der Folge aus Weimar. Das Fazit: "Frischen Wind sollte das neue Duo bringen. Man ahnt: den Produzenten schwebte für dessen Debüt eine bitterböse Provinzgroteske vor. Herausgekommen ist eine langatmige, doofe Klamotte."

"stern.de"


stern.de-Redakteur Carsten Heidböhmer - anfangs skeptisch, ob weitere Stars wie Ulmen und Tschirner die "Tatort"-Reihe bereichern können - urteilt: "Dieser 'Tatort' versteht sich als lupenreine Krimikomödie und zündet ein Feuerwerk an Wortwitz und lustigen Sprüchen." Und schreibt weiter: "Er ist weit weniger klamaukig als die Fälle des Münsteraner Teams. Nur in wenigen Momenten übertreiben es die Drehbuchautoren Murmel Clausen und Andreas Pflüger ein wenig mit der Witzigkeit. Etwa als ein toter Marder in Lessings Auto qualmt - und der von einem 'Selbstmarder' kalauert. Ansonsten hält das Duo Ulmen/Tschirner die Balance, die es braucht, um den Krimiplot nicht aus den Augen zu verlieren."

Die nächste Tschirner/Ulmen-Episode aus Weimar darf also kommen - MDR-Intendantin Karola Wille kündigte bereits an, dass es mindestens eine weitere Folge mit dem Duo geben soll.

ukl

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