HOME

"Mensch Gottschalk": Der Altmeister muss gegen den "Tatort" ran

Thomas Gottschalk kann es nicht lassen. Der 66-jährige Entertainer hat mit "Mensch Gottschalk" eine neue Show von RTL angenommen und muss gleich gegen einen übermächtigen, unsichtbaren Gegner in den Ring steigen.

Thomas Gottschalk

Am Sonntagabend tritt Thomas Gottschalk mit seiner neuen Show "Mensch Gottschalk" gegen den "Tatort" an

Nicht Samstag, 20.15 Uhr, nein: Sonntag 20.15 Uhr! Show-Altmeister Thomas Gottschalk muss es bei der Premiere seiner neuen RTL-Infoshow mit dem Titel "Mensch Gottschalk - Das bewegt Deutschland" ausgerechnet gegen den - vom Fußball mal abgesehen - stärksten anzunehmenden Gegner antreten: den ARD-"Tatort". Früher war er mal mit der Multi-Millionen-Veranstaltung "Wetten, dass ..?" die uneinnehmbare Festung, neuerdings muss sich Gottschalk nach der Decke strecken.

Und das hat einen Grund: Die neue Sendung, in der Gottschalk glatte drei Stunden mit Gästen über mehrere - angepeilt sind etwa 15 - Themen plaudern wird, ist eine Gemeinschaftsproduktion der Medienfirmen dctp und Spiegel TV für RTL. Der Sender hat seine Lizenz von der Landesmedienanstalt in Niedersachsen. Sie macht zur Bedingung, dass RTL am Sonntag einen sogenannten Drittsendeplatz für dctp und Spiegel TV frei halten muss. Deshalb ist für die Gottschalk-Show kein anderer Wochentag möglich.

Thomas Gottschalk holt schon lange nicht mehr die Massen

Also arrangiert sich der große Meister mit den Rahmenbedingungen bei seiner Premiere. "Das wird hart gegen den 'Tatort', das weiß ich, aber ich hol' zumindest die ab, die um 20.35 Uhr aus der Bibliothek kommen und die Leiche schon verpasst haben", sagte Gottschalk bei einem Pressegespräch in Berlin. "Ich bin nicht mehr gefährdet, die biggest show ever zu verkaufen. Wenn man wie ich von den Leuten noch gemocht wird, muss man nur das richtige im Angebot haben."

Gottschalk hat nach seinem Abtritt von der ZDF-Paradeshow "Wetten, dass ..?" Ende 2011 vor rund 15 Millionen Zuschauern längst nicht mehr die Massen vor die Bildschirme holen können. Sein Versuch, im Ersten am Vorabend eine neue werktägliche Sendung ("Gottschalk live") mit einem netzaffinen Potpourri an dem Themen zu servieren, scheiterte an der Quote. Sein Einsatz als Jury-Mitglied beim RTL-"Supertalent" war blass, "Gottschalks großes Klassentreffen" war auch kein Hit.

Auf die neue Sendung lässt der Entertainer, der nicht so recht vom Fernsehen lassen kann, nichts kommen: "Das ist kein schlaffer letzter Versuch, das liegt mir", sagte er. "Das persönliche Involviertsein wird man der Show anmerken. Kein hippen Themen, kein Hashtag Gottschalk, das hatte ich schon mal, keine erhobenen Daumen, keine Smileys, ich werde auch niemanden in meinem Leben Ziegenficker nennen, sondern bin der Gottschalk, den die Leute kennen."

Eine gewisse Skepsis ist ihm anzumerken

Einer seiner Gäste wird Samuel Koch sein: Der junge Mann, heute 28, verletzte sich beim Sprung über fahrende Autos am 4. Dezember 2010 bei "Wetten, dass ..?" so schwer, dass er querschnittsgelähmt blieb. Gottschalk erklärte ein paar Wochen seinen Rücktritt, den er Ende 2011 vollzog. Ansonsten wird er sich des Themas Krebs annehmen, auch der Situation in Europa kurz vor der Fußball-EM und der Zukunft der Mobilität. Wenn es nach Gottschalk geht, könnte die Sendung viermal im Jahr zu sehen sein.

Eine gewisse Skepsis, eigentlich Gottschalk-untypisch, ist ihm anzumerken, wenn er auf den Sonntag blickt und sagt: "Wenn ich gegen den "Tatort" halbwegs respektabel abschneide, bin ich froh - Früher habe ich mir den Vorabend schön geredet, heute den Sonntag."

Carsten Rave, DPA