Tibet-Konflikt Jaenicke boykottiert "Made in China"

Jeder kennt ihn aus dem Fernsehen - aber kaum einer weiß, dass er sich auch politisch engagiert: Hannes Jaenicke, 48. Vergangenes Jahr drehte er eine Tibet-Dokumentation, jetzt ruft er stern.de-Interview dazu auf, chinesische Waren zu boykottieren - und die Glotze während der Olympischen Spielen abzuschalten.
Von Claudia Bender

Hannes Jaenicke liebt Tibet, achtet den Dalai Lama - und glaubt an die Macht des Verbrauchers, Einfluss auf politisches Handeln nehmen zu können: "Wenn man chinesische Produkte kauft, unterstützt man eine gewisse Art Menschenrechtsmissachtung, die ich für inakzeptabel halte", so der Schauspieler im Interview mit stern.de. "Ich kaufe grundsätzlich nichts, wo 'Made in China' draufsteht. Schon seit etwas anderthalb Jahren nicht mehr. Und ehrlich gesagt fahre ich - mit einer einzigen Ausnahme, das gebe ich gerne zu, nämlich meinem Apple Computer - ganz gut damit."

Hannes Jaenicke, der erst im vergangenen Jahr eine TV-Dokumentation über die Flucht tibetischer Kinder nach Indien gedreht hat, will sich einmischen, will Position beziehen und nicht einfach zusehen, wenn irgendwo auf der Welt die Menschrechte mit Füßen getreten werden: "Wenn wir über China reden, dann reden wir über ein kommunistisches Regime, was sich zwar kommunistisch nennt, aber letztendlich den Raubtierkapitalismus erfunden hat. Und das ohne Rücksicht auf Natur, Menschenrechte und Menschen – um des Geschäfts willen. Und leider gibt es reichlich willige Westler, Politiker, Wirtschaftler, die sich da vor den Karren spannen lassen."

Boykott der Fernsehspiele

Einen Boykott der in Kürze in Peking beginnenden Olympischen Spiele hält Jaenicke für falsch, weil solche Forderungen auf dem Rücken der Sportler ausgetragen würden. "Man kann den Sportlern nicht die Möglichkeit entziehen, Ihren Wettkampf da auszutragen."

Aber er sieht für jeden von uns eine andere Möglichkeit des Protests: "Ich glaube, die schönste Art, die Olympiade zu boykottieren, ist das Fernsehen nicht einzuschalten." Das würde sowohl die Organisatoren als auch die Sponsoren treffen. Er werde sich jedenfalls - obwohl selbst ein großer Sportfan - keinen einzigen Wettbewerb im Fernsehen schauen.

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