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Trotz des Streits um Onlineangebote: MDR-Intendant Reiter will mehr Kooperation mit Zeitungen

Seit Gründung des MDR vor 20 Jahren ist Udo Reiter an der Spitze des Senders. Er hat alle Höhen und Tiefen miterlebt und den MDR zum erfolgreichsten Dritten Fernsehprogramm ausgebaut. Jetzt geht es um das Überleben im digitalen Zeitalter.

Der scheidende MDR-Intendant Udo Reiter hat mehr Kooperationen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mit Zeitungsverlagen vorgeschlagen. "Wir kümmern uns um das gleiche Publikum mit den gleichen Qualitätsansprüchen", sagte er in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. "Das können wir besser gemeinsam machen."

Reiter rief die Vertreter aller Qualitätsmedien auf, sie sollten trotz des Streits um die Onlineangebote der Sender mehr an einem Strang ziehen, um den Qualitätsjournalismus auch in Zukunft zu erhalten. Dazu sei der Zugang der Rundfunkanstalten ins Netz unabdingbar. "Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist auf Inhalte angelegt, nicht auf bestimmte Verbreitungswege. Die eigentlichen Gegner sitzen bei Google und Apple", erklärte der Intendant zum 20-jährigen Bestehen des Senders.

Reiter, der seit dem Sendestart 1991 MDR-Intendant ist und erst vor wenigen Tagen seinen Rückzug ankündigte, sieht in den Kooperationen eine "Win-Win-Win"-Situation für Leser, die Verlage und den Rundfunk. Derzeit bietet der MDR drei Blättern in Thüringen und zwei Zeitungen in Sachsen aktuelle Videos für deren Internetauftritte an. "Die sind durchweg zufrieden", betonte Reiter. "Wir haben auch anderen Verlagen eine Zusammenarbeit angeboten."

Als eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben sieht Reiter den multimedialen Umbau. Im November nimmt der neue Chefredakteur Stefan Raue als Nachfolger von Wolfgang Kenntemich die Arbeit auf. Er soll Fernsehen, Hörfunk und Online besser verzahnen. Raue wird an einem Newsdesk in Leipzig arbeiten, der Hörfunk wird aus der Sendezentrale in Halle zugeschaltet. "Klar gibt es ein gewisses Strukturproblem", räumte Reiter wegen der unterschiedlichen Standorte von Fernsehen und Hörfunk ein. "Aber das ist lösbar. Auch wenn man das heute anders aufteilen würde, brauchen wir keinen neuen Staatsvertrag."

Wegen der rückläufigen Einnahmen wird der Sender nach Einschätzung von Reiter künftig mehr Schwerpunkte setzen müssen. "Es geht darum, was wir uns noch leisten können und was nicht", erklärte der Intendant. Bis 2016 müsse der MDR rund 45 Millionen Euro einsparen. "Da stehen schwierige Entscheidungen bevor." Noch sei völlig ungeklärt, wie hoch die Einnahmen nach der Umstellung der Rundfunkgebühren auf die Haushaltsabgabe im Jahr 2013 ausfallen werden.

DPA / DPA