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TV-Kritik zu "Günther Jauch": Die Suche nach dem Glück

Günther Jauch macht in seiner Talkshow viel Werbung für eine ARD-Themenwoche und preist die einfachen Dinge des Lebens.

Von Jan Zier

Lassen Sie uns über Glück reden. Die ARD will es so. Sie will das jetzt eine ganze Woche lang tun. Weil Herbst ist. Weil wir es alle wollen. Und suchen. Also sucht der Jauch jetzt auch danach. Außerdem muss er ja die Themenwoche seines Senders bewerben. "Glückssache Leben – worauf kommt es wirklich an?" also ist die Frage der Woche.

Das Thema ist ja an sich "total dämlich", sagt auch die Entertainerin Anke Engelke, die dann aber doch eine ganze lange TV-Reportage dazu gemacht hat. Dabei hat sie – dank Kernspintomograph – herausgefunden, dass Schokolade sie nicht ganz so glücklich macht wie Musik von Stevie Wonder. Und dass das Glück ein bisschen wie ein Muskel ist, den man trainieren kann. Und sie hat einen "Chor der Muffeligen" gegründet, um ihn dann hernach wissenschaftlich zu durchleuchten und mit Speichelproben den Glückszustand der SängerInnen zu erfassen. So exakt wie möglich sollte sie sein, ihre Definition vom Glück.

Konkurrenzdenken - die Wurzel des Unglücks

Am Ende sind es dann aber natürlich doch wieder die einfachen Wahrheiten, die da herauskommen. Das ewiges Konkurrenzdenken eine "Wurzel" des Unglücks ist, zum Beispiel. Oder das Glück weniger von objektiven Kriterien abhängt als vielmehr vom subjektiven Empfinden, wie uns Medizin-Comedian Eckart von Hirschhausen erklärt, der Pate der Themenwoche. Der Bronze-Medaillengewinner ist glücklich, weil es gerade noch aufs Treppchen geschafft hat. Und der Silbermedaillengewinner ist unglücklich, weil es eben gerade nicht zu Gold gereicht hat. So einfach kann die Erklärung sein. Und so "unglaublich dämlich" das Konkurrenzdenken, sagt von Hirschhausen.

Glück werde klein, wenn man es zu kategorisieren versuche, sagt Samuel Koch, jener Mann, der seit "Wetten, dass....?" querschnittsgelähmt ist. Und das es oft auf die einfachen Dinge ankomme. Ob er glücklich ist, fragt ihn der Jauch, natürlich, gleich zu Beginn. Koch überlegt lange, ehe er zu einer analytischen Antwort ausholt.

Glück im Unglück

Und dann sind da Menschen wie Juliane Koepcke und Kerstin Klein, bei denen sich die Frage nach dem Glück an der Schwelle von Leben und Tod bewegt. Koepcke, damals 17, überlebte Weihnachten 1971 als einzige einen Flugzeugabsturz, einen freien Fall aus 3.000 Metern ohne Fallschirm, dazu elf lange Tage im peruanischen Dschungel. Ihre Mutter starb bei diesem Unglück. Ich hatte "unwahrscheinliches Glück", sagt sie heute – und dass sie das damals nicht habe so empfinden können. Sondern erst sehr viele Jahre später. Ja, die Rettung, damals, als sie schon völlig entkräftet war, das sei ein "glücklicher Moment" gewesen. Aber danach habe sie viele Jahre in einem Panzer gelebt. Und für ihren Vater war jener Weihnachtstag ein Tag "dauerhafter Trauer". Er hat sein Unglück, den Tod seiner Frau, "nie richtig verwunden", sagt seine Tochter. Und dass ihre glücklichste Zeit die des sehr einfachen Lebens im peruanischen Urwald war, wo sie als Kind mit ihren Eltern auf einer Forschungsstation lebte.

Klein wiederum hat jüngst ihren Sohn Tobias verloren, er starb mit elf an Leukämie. Engelke hat ihn auf der Kinderkrebsstation besucht. "Warum heulst du denn nicht immer", fragt sie ihn. "Weil das eh nichts bringt", sagt er. Und dass man die Dinge eben positiv sehen müsse. Jeder verbleibende Tag seines kurzen Lebens sollte etwas Positives bringen, sagt seine Mutter. Zum Glücklichsein gehört eben, im Moment zu sein. Und machmal, sagt Kerstin Klein, kann das für sie heute schon ein Sonnenstrahl sein. Da sind sie wieder, die einfachen Dinge.