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TV-Kritik zu "Günther Jauch": Ein Opfer namens Tebartz-van Elst

Günther Jauch redet schon wieder über den verschwenderischen Limburger Bischof. Doch als es um den Reichtum der Kirche und dessen Sinn geht, stochert die Runde im Nebel.

Von Jan Zier

Heute ist er beim Papst. Der als „Protz-Bischof“ international bekannt gewordene Franz-Peter Tebartz-van Elst. Eigentlich hatten sie ja auch in der ARD gedacht, das Problem um ihn würde sich irgendwie lösen, seit es letzte Woche schon mal Thema bei Günther Jauch war. Aber weil mittlerweile überall vom Reichtum der Kirchen die Rede ist, von den Millionenvermögen wie den undurchsichtigen Kassen der Katholiken, haben sie es diesen Sonntag gleich wieder ins Programm genommen. Und nicht etwa die europäische Flüchtlingspolitik oder die sich anbahnende Große Koalition. "Heilige Millionen – wozu braucht die Kirche so viel Geld?" Das also war die Frage der Woche.

Es gibt ja auch immer ein paar Journalisten, die gerne nochmal dazu was sagen. In diesem Falle sind's gleich drei, Heribert Prantl von der Süddeutschen, Gisela Friedrichsen vom Spiegel und Vatikan-Korrespondent Andreas Englisch - während die Katholische Kirche selbst nicht so gerne über ihr Vermögen redet. Immerhin haben sie dann doch noch Nobert Feldhoff, den Dompropst des reichen Erzbistums Köln gefunden. Auch wenn der über das Geld seiner Amtskirche so spricht, als hätte er damit irgendwie nichts mehr zu tun. Und wie reich sein Bistum ist, kann er freilich auch nicht sagen, niemand könne das, sagt Feldhoff, die Buchführung sei schuld. Und die 166 Millionen Euro, die derzeit kursieren, das ist ja nur das Vermögen des Bischöflichen Stuhls, da kommt ja noch was drauf: Die Kirchensteuer, die Vermögen das Bistums, des Domkapitels und aller Kirchengemeinden. Allein das Immobilien-Vermögen des Kölner Bistums soll sich auf 1,1 Milliarden Euro belaufen, sagen andere. Genaueres sagt auch Feldhoff nicht, nur dass sich die Katholische Kirche hierzulande der Frage stellen müsse, ob sie zu viel Geld habe. Der Domprobst will keine Antwort darauf geben.

Die Kirche kann es sich ja leisten

Immerhin lässt er dann noch hören, dass die Kirche keine Bank wie die Pax-Bank braucht, deren Aufsichtsratsvorsitzender er ist. "Haben müssen wir die nicht", sagt Feldhoff. Aber die Tradition, sie wissen schon, und jetzt, wo sie schon da ist, also: die Bank, dann behält man sie halt.

Zumindest nutzt Feldhoff die Gelegenheit, um sich von Tebartz-van Elst zu distanzieren und den "skandalösen" Verhältnissen im Bistum Limburg. Genau die nämlich hatte vorher ein gewisser Albert Schmid nach Kräften verharmlost. Schmid war mal Staatssekretär, als Helmut Schmidt noch Kanzler war, später saß er lange für die in Bayern unbedeutende SPD im Landtag. Heute ist er Vorsitzender des Landeskomitees der Katholiken in Bayern – und immer noch ein treuer Freund von Tebartz-van Elst. An dem lobt er die Selbstkritik, er betont, dass Tebartz-van Elst "zutiefst verletzt" sei und sagt, dass der Bischof ein Opfer sei, also etwa der innerkirchlichen Auseinandersetzungen und des „gnadenlosen Opportunismus“ der Gesellschaft. Und irgendwie ist auch der Protestantismus mit Schuld, findet Schmid. Tebartz-van Elst jedenfalls nicht - Schmid lobt seinen Prachtbau als "vernünftig" und dessen Einrichtung als "sehr geschmackvoll". Über den Preis – geschätzte 31 Millionen Euro plus Nebenkosten – sagt er nichts. Die Kirche kann es sich ja leisten, auch in Limburg, also: rein finanziell betrachtet.

Ansprüche, die 200 Jahre alt sind

Wozu die Kirche all dies Geld braucht, also um die eingangs gestellte Frage, ging es übrigens in dieser Talkshow nicht. Dafür erfahren wir, dass Tebartz-van Elst 8500 Euro im Monat verdient, bezahlt von jedem Steuerzahler, auch dem, der aus der Kirche ausgetreten ist. Ob das nicht ein Unding ist, will Jauch wissen. "Das sei nur aus der Geschichte zu verstehen", sagt Feldhoff. Deshalb ist dann noch von der Enteignung der Kirche die Rede – das war noch zu Napoleons Zeiten – und dass sie seit über 200 Jahren davon profitiert: Sie wird bis heute dafür entschädigt. Sie hat darauf einen Anspruch, bis in alle Ewigkeit - einen, der bislang kaum in Frage gestellt wird.

Zur Frage, wie viel Geld die Kirche braucht, liefert der Vatikan-Korrespondent am Ende noch ein eindrückliches Beispiel. Der neue Papst, der bekanntlich Bescheidenheit predigt und vorlebt - er hat seinen Vatikan-Bediensteten als erstes das Gehalt gekürzt. Vom Einkommen deutscher Bischöfe sind auch die Kardinäle dort übrigens weit entfernt.