HOME

TV-Reihe über Weltkriege: Historiker Knopp verabschiedet sich mit "Weltenbrand"

ZDF-Geschichtsexperte Guido Knopp geht in Rente. Kaum eine andere TV-Persönlichkeit hat sich so intensiv mit der Zeitgeschichte beschäftigt. Zum Abschied präsentiert er die Reihe "Weltenbrand".

Mehr als 30 Jahre lang arbeitete Guido Knopp für das ZDF und brachte Reihen wie "Die Deutschen", "Hitlers Helfer" und das Geschichtsquiz "History" ins Fernsehen. Nach diversen Auszeichnungen nimmt der 64-Jährige nun Abschied vom ZDF. Am 31. Januar nächsten Jahres geht er in Rente. "Dann bin ich nicht mehr dem ZDF verpflichtet, sondern der ZDF-Pensionskasse", witzelt der TV-Historiker zum Abschied. Er sei sehr dankbar, für alles, was er machen durfte - und blicke auf so viele besondere Momente zurück, sagte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur DPA. Bevor er sich aber seinem neuen Lebensabschnitt widmet, startet an diesem Dienstag (20.15 Uhr) noch seine Abschiedsreihe "Weltenbrand".

In "Weltenbrand" thematisiert Knopp - wie so oft in seiner Karriere - die Kriegsjahre des 20. Jahrhunderts. Dieses Mal beleuchtet die Reihe die gesamten Jahre von 1914 bis 1945. "Es ist in gewisser Weise die Bilanz einer Ära, mit der ich mich sehr viel beschäftigt habe", erzählt Knopp. Es sei der Versuch, beide Kriege nicht mehr getrennt voneinander zu behandeln. "Je mehr Abstand wir davon haben, auch zeitlich, wird er mehr als ein Weltbürgerkrieg gesehen."

Großer Anteil von Archivmaterial

Das Besondere an den jeweils rund 45-minütigen Folgen - nach den ersten drei Teilen folgen weitere erst 2013 - ist der große Anteil von Archivmaterial. Zwischen 20 und 30 Minuten altes Filmmaterial ist jeweils für die Folgen verwendet worden. Die alten schwarz-weiß Aufnahmen wurden dabei aufwendig koloriert. "Das sollte die Entfremdung der Wirklichkeit aufheben", berichtet Knopp. Schließlich habe das Leben damals auch in Farbe stattgefunden. "Die Zeit rückt damit näher."

Knopp blickt zum Abschied auf eine erfolgreiche Laufbahn zurück. Ein ganz besonderer Augenblick sei für ihn beispielsweise die Auszeichnung mit dem Emmy 2005 für "Das Drama von Dresden" gewesen. "Dieser Moment, diese Freude, weil wir überhaupt nicht damit rechneten, ist mir in besonderer Erinnerung geblieben", erzählt der TV-Historiker. Auch "Der verdammte Krieg" - eine Reihe, die gemeinsam mit dem sowjetischen und später russischen Fernsehen entstand - berühre ihn noch heute. Die Sendung über den zweiten Weltkrieg sei in beiden Ländern zeitgleich ausgestrahlt worden. "Und darauf bin ich auch heute ein bisschen stolz", sagt Knopp.

"Wenig Pflicht und viel Kür"

Knopp hatte immer wieder Kritiker: Wissenschaftler bemängelten seine Form der Geschichtsvermittlung in üppigen Bildern als boulevardesk. Auch die häufige Wiedergabe von alten Naziparolen könne eine mangelnde Distanz bei naiven Zusehern und vielleicht sogar eine falsche Glorifizierung alter Verhältnisse auslösen. Seine Befürworter verwiesen immer wieder darauf, dass Knopp Zeitzeugen-Interviews geführt habe, die auf diese Weise kein Wissenschaftler geführt hätte und somit für immer der Nachwelt erhalten blieben.

Obwohl er seine Zeit in Rente genießen wolle, habe er nicht vor, seiner Arbeit ganz abzuschwören. "Ich denke, dass ich nicht die Hände in den Schoß legen werde", berichtet der TV-Historiker. Er habe nicht das Gefühl, das es Arbeit sei, sondern vielmehr "Freude und Inspiration". "Da wäre es ja Unsinn, wenn ich die Hände in den Schoß legen und in Florida Golf spielen würde."

Für die Zeit nach dem 31. Januar habe er viele Angebote, die er noch prüfen wolle. "Möglichst wenig Pflicht und viel Kür soll daraus entstehen", so Knopp. Eines sei aber klar: Er wolle sich weiter mit Geschichte beschäftigen - sowohl in Büchern als auch im Fernsehen. Vielleicht sogar beim ZDF. Auf jeden Fall wolle er 2014 - wenn sich der Beginn des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal jährt - wieder bei einem Projekt mitwirken.

Nathalie Schnabel, DPA / DPA
Themen in diesem Artikel