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50. Geburtstag: Die zwei Gesichter des Tom Cruise

Für die einen ist er Sunnyboy, für die anderen Wahnsinniger: Tom Cruise ist der Mann mit den zwei Gesichtern. Den 50. Geburtstag muss er ohne Katie Holmes feiern. Sein Saubermann-Image ist in Gefahr.

Von Jens Maier

Es gibt sie, die sympathische Seite von Tom Cruise. Kaum ein Hollywoodstar zeigt so wenige Starallüren wie er. Als er vor drei Jahren in Berlin zur Premiere seines Films "Operation Walküre" auf dem roten Teppich posiert, kreischen Dutzende von weiblichen Fans hinter einer Absperrung seinen Namen. "Tom, Tom, please", rufen sie. Er zögert nur kurz, geht auf sie zu und lässt sich bereitwillig mit ihnen fotografieren. Immer lächelnd gibt der Schauspieler Autogramme und nimmt sich sogar Zeit, mit seinen Anhängern zu plaudern. Kein Bodyguard schirmt ihn ab. Er genießt das Bad in der Menge - oder gibt seinen Fans zumindest das Gefühl, es zu tun. Tom Cruise ist ein Star zum Anfassen.

Aber es gibt auch die gruselige Seite von Tom Cruise. Wenn er als durchgeknallter Heilsprediger vor Scientology-Anhängern spricht. Ein Video, das seit mehreren Jahren im Internet kursiert, zeigt einen Besessenen. "Sollen wir die Welt säubern?", fragt er in seiner Rede die Scientology-Jünger im Saal. Die schreien unter frenetischem Jubel "ja" zurück. Der Historiker Guido Knopp hat diese Szene sogar mit der Sportpalast-Rede des Nazi-Propagandaministers Joseph Goebbels verglichen. "Tom Cruise tritt auf wie Goebbels", sagte er 2008. Die Zeitung "Washington Post" nannte das Video einen "Horror-Film" und attestierte dem Star einen Hang zum Wahnsinn.

Vorzeigeehe wie aus dem Cora-Roman, nur ohne Happy End

Am Dienstag feiert der Schauspieler seinen 50. Geburtstag. Er wird ihn alleine in Island verbringen, wo er derzeit den Action-Thriller "Oblivion" dreht. Es ist der mittlerweile 36. Hollywoodfilm seiner Karriere. Und Geburtstag hin oder her - die Arbeit geht vor. Eigentlich war eine kleine Feier geplant. Seine Frau Katie Holmes sollte ihn zusammen mit Töchterchen Suri besuchen. Vor zwei Wochen hat die 33-Jährige das schon einmal getan. Händchen haltend schlenderte das Paar durch Reykjavik. Damals ahnte noch niemand, dass dies die letzten Fotos sein werden, die Cruise und Holmes in trauter Zweisamkeit zeigen werden. Denn Holmes hat am vergangenen Donnerstag die Scheidung eingereicht.

Es ist das Ende einer Vorzeigehe. Die Geschichte von "TomKat" könnte aus einem kitschigen Groschenroman stammen. Ihr erstes Date hatten sie bei Sushi in einem Privatjet. Den Heiratsantrag machte er ihr auf dem Eiffelturm. Die Hochzeit feierten sie in einem gediegenen italienischen Schloss. Ein Jahr später kam Töchterchen Suri zur Welt und machte das Glück des scheinbaren Traumpaares perfekt. Bei keinem öffentlichen Auftritt ließen "TomKat" einen Zweifel daran, wie sehr sie sich lieben. Ihr Leben schien wie ein Cora-Roman zu sein, nur ohne Pferde. Und ohne Happy End.

Cruise mausert sich vom unscheinbaren Jungen zum Hollywoodstar

Tom Cruise ist selbst ein Scheidungskind. Aufgewachsen ist er unter ärmlichen Verhältnissen. Seine Kindheit war geprägt vom ständigen Umzug seiner Eltern, die keinen festen Wohnsitz hatten. Als sie sich scheiden ließen, hatte der kleine Tom bereits 15 verschiedene Schulen in den USA und in Kanada besucht. Er war bei seinen Mitschülern unbeliebt. Cruise war nicht der gutaussehende Sunnyboy, der er heute ist, sondern ein unscheinbarer und schüchterner Junge, der unter mangelndem Selbstbewusstsein litt. Das änderte sich erst, als er den Sport für sich entdeckte. In seiner Ringermannschaft war er einer der Besten. Cruise erfuhr plötzlich Anerkennung für seine Leistungen. Wegen einer Knieverletzung musste er mit dem Ringen jedoch aufhören und fasste einen folgenreichen Entschluss: nach New York zu gehen und Schauspieler zu werden.

Dann ging alles ganz schnell. Er nahm Schauspielunterricht, zeigte großes Talent. Ein Schauspiel-Genie. Mit 19 Jahren hatte er seine erste Filmrolle. Der unbekannte Cruise spielte schon bald Nebenrollen an der Seite von Hollywoodgrößen wie Sean Penn, bis er in "Legende" sogar seine erste Hauptrolle spielen durfte. Der große Durchbruch kam mit "Top Gun". Als er vor 26 Jahren den schneidigen Helden mimte, eroberte er damit nicht nur die Herzen der weiblichen Zuschauer. Auch Jungs fanden ihn cool. Die Jugendzeitschrift "Bravo" war voll von Postern mit dem damals 24-Jährigen. Heute ist er auf dem Cover der "Vanity Fair" abgebildet. Cruise steht noch immer pausenlos vor der Kamera, dreht einen Film nach dem anderen. Gutaussehend, charmant, sportlich, sexy - das sind die Attribute, die seine Karriere bis heute befeuern.

Cruise ist wie Teflon

Neben seiner unumstrittenen schauspielerischen Begabung ist das größte Talent des Tom Cruise, Kritik an sich abprallen zu lassen. Er gilt als Erfolgsgarant, obwohl "Operation Walküre" und sein letzter Film "Rock of Ages" Flops waren. Er gilt als der perfekte Ehemann, obwohl er mit Mimi Rogers und Nicole Kidman bereits zwei Ehefrauen hinter sich gelassen hat. Und er gilt als netter und sympathischer Mann, obwohl er sich seit mehreren Jahren offiziell für Scientology einsetzt und ihn das berüchtigte Video als Fanatiker und Wahnsinniger zeigt. Sein Image als Saubermann haben die Schlagzeilen stets nur kurz angekratzt. Cruise ist wie Teflon, an dem nichts Anstößiges haften bleibt.

Geholfen hat ihm dabei bislang auch Katie Holmes. Sie war Teil der Cruise-Show. Zwar wurde immer wieder gemunkelt, dass die Ehe nur auf dem Papier existiere, dass die ganze Zurschaustellung ihrer Liebe nur eine Inszenierung sei, dass die "Ich bin ein guter Vater und Ehemann"-Darstellung des Tom Cruise die bislang beste Rolle seines Lebens sei. Beweise dafür gab es nie. Katie Holmes könnte sie jetzt liefern. Wer ist Tom Cruise? Genie oder Wahnsinniger? Dr. Jekyll oder Mister Hyde? Holmes kennt die Antwort. Doch sie wird vermutlich schweigen. Cruise ist schlau genug, einen Rosenkrieg zu vermeiden. Für seine Fans wird er der Sunnyboy bleiben. Für andere ein Wahnsinniger.