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TV-Tipp 11.6.: "Secretary": Schläge, die guttun

Bevor "Shades of Grey" BDSM-Gedanken für feuchte Hausmütterchenträume salonfähig machte, gab es einen Film, der erfrischend ehrlich und klischeelos von einer Sadomaso-Beziehung erzählte: "Secretary".

Zunächst träumt Lee Holloway (Maggie Gyllenhaal) nur davon, als Femme Fatale ihren Chef zu verführen. Aber dann...

Zunächst träumt Lee Holloway (Maggie Gyllenhaal) nur davon, als Femme Fatale ihren Chef zu verführen. Aber dann...

"Secretary"
22.45 Uhr, Hessen
EROTIKFILM Wenn man mir wehtut, passiert in der Regel folgendes: Ich sage "Aua". Vielleicht schlage ich auch zurück, je nach Gefühlslage und Grad des Schmerzes. Die Idee, dass Schmerz oder gar Demütigung etwas Schönes, gar sexuell stimulierend sein könnte, war für mich, der sich schon bei der kleinsten Zahnbehandlung taubspritzen lässt, eher abwegig.

"Secretary" von Steven Shainberg hätte mich also verstört zurücklassen sollen, als ich den Film vor zehn Jahren zum ersten Mal auf DVD sah. Die damals noch unbekannte Maggie Gyllenhaal spielt Lee Holloway, eine junge Frau, die sich seit der siebten Klasse selbst verletzt. Nach einem Krankenhausaufenthalt beginnt Holloway als Sekretärin für den Rechtsanwalt E. Edward Grey (James Spader) zu arbeiten, der sich von ihrer unterwürfigen Art angezogen führt. Doch was sich für Holloway zu einem befreienden, sexuellen Erweckungserlebnis entwickelt, lässt den Anwalt in einem Strudel aus Selbstscham und Unsicherheit versinken.

Seitdem "Shades Of Grey" die Bestsellerlisten stürmte, sind sadomasochistische Sexpraktiken in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Gut, zumindest wird nicht mehr ganz so laut gekichert, wenn von Fesselspielen die Rede ist. Im Gegensatz zu dem klischeehaft geschriebenen Buch ist sein filmischer Vorgänger allerdings schlauer, intimer, erotischer - und viel amüsanter. Zu verdanken ist dies auch der herausragenden Leistung von Gyllenhaal und Spader, eine unglaublich gute Leinwandchemie miteinander teilen und denen es gelingt, dass die erotische Spannung niemals ins Lächerliche kippt. So wird "Secretary" zu einem Film, der auch Menschen die Erotik von SM nachfühlen lässt, die eigentlich nicht darauf stehen.

PS: Jeremy Davies, der hier Holloways Highschool-Freund Peter spielt, ist "Lost"-Fans natürlich als genialer Physiker und Zeitreisender Daniel Faraday ein Begriff.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Jenseits von Afrika"
20.15 Uhr, 3Sat

MELODRAM Männer, morgen beginnt eine wunderbare Zeit. Denkt einfach dran, wenn eure Frau zu Beginn einen Kernsatz der Weltliteratur mitspricht, ihr Stunden später mit Mozarts Klarinettenkonzert in der kenianischen Steppe sitzt, zum Haarewaschen an den Fluss geht und eine große Liebe zu Grabe tragt. Das zwischen kitschiger Plantagenpoesie und ergreifend gespieltem Edelmut wandelnde Melodram hat peinliche Stolperer und große Momente. Wie im Fußball, nur eben ganz anders. Auf dem Platz spielt erste Liga: Meryl Streep als resolute Dänin Karen Blixen, Robert Redford als Robert Redford und Klaus Maria Brandauer jenseits vom Wiener Burgtheater. Anpfiff morgen ist um 22 Uhr. (bis 22.50)

"Letzter Moment"
20.15 Uhr, ARD

DRAMA Endsechziger Peter (Matthias Habich) verliebt sich in die 32-jährige Isabel (Ulrike C. Tscharre). Oha: Ihre Mutter (Gila von Weitershausen) ist seine große Liebe von einst... Klingt nach Schmonzes, entwickelt sich aber zum lakonischen Drama über die wichtigen Dinge des Lebens. (bis 21.45)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo