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TV-Tipp 11.9.: "Ein Freund gewisser Damen - The Walker": Das Märchen vom aufrechten Gigolo

Woody Harrelson ist ein Gigant von einem Mann. In "The Walker" kann man ihn sehen, wie er zärtlich seine Krawatten streichelt, bis ein Mord sein Leben ruiniert.

"Ein Freund gewisser Damen - The Walker"
1.55 Uhr, ARD
DRAMA Carter Page III ist ein Gigolo - nur übt er seine Job aus, ohne dass er Geld und ohne dass die Damen Sex bekommen. Der homosexuelle Page kennt keine finanziellen Sorgen, sein seinerzeit einflussreicher Vater versorgte ihn stattlich. Ohne Beruf und ohne Berufung verbringt Page sein Leben als Begleiter älterer Damen der Gesellschaft. Eines inneren Zirkels der Macht, der er dank seiner mächtigen Familiendynastie angehört. Der Walker begleitet die Frauen zu allen Anlässen, zu denen ihre Männer aus Politik und Wirtschaft nicht kommen wollen. Überall ist er gern gesehen, aber er wird behandelt, als wäre er ein großes Kind, aus dem nichts Richtiges geworden ist. Eine liebenswerte Enttäuschung. Ein Insider, der immer ein Outsider geblieben ist. Dieses Leben der gepflegten Langeweile zwischen Krawatten, Schuhen und perfekten Anzügen wird jäh gestört, als der Liebhaber einer seiner Freundinnen brutal ermordet wird.

"The Walker" ist ein von Paul Schrader exzellent fotografierter Genre-Film. Ein Außenseiter wird in den Strudel der Gewalt der Mächtigen hineingezogen und entdeckt dort mehr Größe in sich, als in der verrotteten Gesellschaft. Ein spannender Krimi in der obersten Schicht. Sein eigentlicher Reiz liegt in der eleganten Leere der Räume und der Verabredungen dieser Welt, und in Woody Harrelson, auch wenn der später mit seiner Rolle unzufrieden war.

In jeder Weise von seinem bisherigen Leben nicht ausgefüllt, stellt sich Carter Page III seiner Aufgabe und opfert alles für eine Freundin, die das nie erwartet hätte. "The Walker" ist auch ein Film über eine homosexuelle Emanzipation. Erst als er alles aufgibt, befreit er sich Page III aus seiner Rollen als hohle Anzugs- und Dekorations-Tucke, die letztlich nur eine Projektion der Verachtung seines Vaters war.

Ein TV-Tipp von Gernot Kramper, Redakteur beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Mutter muss weg"
20.15 Uhr, ARD
KOMÖDIE In ihrer Jugend war Hannelore Fromm (Judy Winter) eine Ikone der sexuellen Revolution. Wer sie zur Mutter hat, der braucht keine Feinde. Pausbäckchen Tristan (Bastian Pastewka) leidet entsetzlich unter Mama, die bestimmen will, was er isst und auch was er ist. Tristans Therapeutin rät ihm dringend, sich zu "lösen". In einer Kneipe lernt er Josip kennen. Josip ist ein Killer… Das ist nur der Anfang einer hübsch verschachtelten Geschichte, in deren Verlauf sich immer neue Falltüren auftun, durch die man gern purzelt. Die kuriose Mischung aus Krimigroteske, Psychosenposse und Gesellschaftssatire war 2013 für den Grimme-Preis nominiert und lief erstmals im Oktober 2012. (bis 21.45)

"Der Kapitän und sein Pirat"
23.15 Uhr, WDR

DOKU Vier Monate harrten die Männer der "Hansa Stavanger" 2009 in der Gewalt somalischer Piraten aus. Nach Zahlung eines Lösegelds feuerte die Reederei den Kapitän. Andy Wolff sprach mit dem Traumatisierten und mit einem der Piraten. - Mehrfach prämierter Blick hinter eine Schlagzeile. (bis 0.30)

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