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TV-Tipp 12.9.: Comedy-Serie "Krude TV": Comedy-Gold nicht nur für Friesennerzträger

Von Monty Python geküsst. Von Loriot inspiriert. Mit dem rauen Charme des Nordens veredelt. Die zweite Staffel von "Krude TV" ist unser TV-Tipp des Tages.

Leichte Meinungsverschiedenheiten: "Vikktims" Manager Manfred "Angel" Engler (mit Atze-Schröder-Gedächtnisfrisur) fordert Nachbesserungen von seinem alten Kumpel und Werbeagentur-Chef (Ingo Scheel)

Leichte Meinungsverschiedenheiten: "Vikktims" Manager Manfred "Angel" Engler (mit Atze-Schröder-Gedächtnisfrisur) fordert Nachbesserungen von seinem alten Kumpel und Werbeagentur-Chef (Ingo Scheel)

" TV"
0.00 Uhr, NDR
COMEDY-SERIE Was haben wir TV-Kritiker nicht für ein laues Leben. Da hocken wir ein paar Stündchen vor der Glotze, schauen hier mal "Dschungelcamp", da mal "Tatort" und hauen dann in die Tasten, um das Gesehene (seltener) über den grünen Klee zu loben oder (häufiger) ordentlich zu verreißen. Der Sicherheitsabstand macht mutig. Und vor dem Fernseher urteilt es sich leicht, ganz egal ob es "ganz klar Abseits" war oder der Schweiger wieder mal lausig vor dem Herrn gespielt hat.

Aber wehe, wir werden aus unserer Comfort Zone gerissen. Lernen die Menschen hinter und vor den Kameras kennen. Oder werden gebeten, doch selbst einmal mitzumachen. Ja, dann geht auch der spitzesten Feder der Arsch auf Grundeis. So geschehen, nachdem mein Kollege Ingo vor einem Jahr über die Comedy-Serie "Krude TV" geschrieben hatte. Es war kein Verriss, ganz im Gegenteil. "'Krude TV' atmet Klasse, die es in ihren besten Momenten durchaus mit Little Britain oder Monty Python aufnehmen kann", schrieb er damals völlig zu recht und beschwor den NDR, doch bitteschön eine zweite Staffel dieser kleinen Comedy-Perle um zweideutige Supermarktansager und eine norddeutsche Agenten- und Gardinengeschäftdynastie zu bestellen. Was dann auch, glücklicherweise, geschah. Die Macher fühlten sich jedenfalls geehrt, riefen an, man trank Pils - und plötzlich war Ingo mittendrin statt nur dabei.

Und nun sitze ich hier vor der Glotze, meinerseits bereit dazu, dem King of " "-Spott einen Löffel seiner eigenen Medizin zu verpassen. Nur: Der Junge schlägt sich sich einfach viel zu wacker. Gut, die ursprünglich angedachte "Shake und Tanz"- Rolle mit eigener Choreo "Hamburger Dom" ("Ich drück' mich ins rechte Knie runter und mach mit dem Arm eine Riesenrad-Pantomime") ist es leider nicht geworden. Dafür gibt Ingo jetzt den Chef einer Werbeagentur, die das Comeback-Plakat der 80er-Jahre-Metalband "Vikktim" drucken soll. Und fügt sich nahtlos ein in dieses Trüppchen von Freunden, mit denen Oliver Kleinfeld und Nils Holst "Krude TV" gemeinsam schreiben und spielen.

Nur eins habe ich dann doch noch zu mäkeln: Lieber , Qualität muss dir nicht peinlich sein! Oder warum versteckst du deine Perlen immer so spät?

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Ray Donovan"
23.45 Uhr, ZDF


SERIE „Ich kann das alles aus der Welt schaffen, als wäre es nie passiert.“ Mit diesem Satz beruhigt Ray Donovan (Liev Schreiber) seine wohlhabende Kundschaft in L. A. Wie der wortkarge Krisenmanager seine Jobs erledigt, interessiert keinen, außer Gattin Abby, der ein Mann mit Nine-to-five- Job lieber wäre. Probleme in der eigenen Familie löst Ray denn auch längst nicht so „souverän“. Wäre aber wichtig. Besonders als Gangstervater Mickey (Jon Voight) vorzeitig aus dem Knast kommt, in den er seinerzeit dank seines Sohnes gewandert ist. – Die US-Serie im Spannungsfeld zwischen Hollywood und Halbwelt lebt von Vater und Sohn als schillernden Gegenspielern. Start von 12 Folgen. (bis 0.40)

"Pastewka"
22.25 Uhr, Sat.1


COMEDY „Der Joker“. Bastian gerät mal wieder aus dem Häuschen: Michael Kessler braucht ihn als Telefonjoker bei „Wer wird Millionär?“. Zum Start von vier Doppelfolgen ereilt den Neurotiker um 22.45 Uhr auch noch „Der Fluch“ der Nachbarin. Wie gehabt: witzig und erfrischend selbstironisch. (bis 23.25)

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo