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TV-Tipp 14.7.: "Paulette": Oma backt Haschkekse

Wenn ein krebskranker Chemielehrer zum Drogenbaron aufsteigen kann, kann das eine ruppige, alte Dame aus Paris schon lange. Die letzte Rolle der großen Bernadette Lafont. Unser TV-Tipp des Tages.

Kreative Aufbesserung der Rentenkasse: Paulette (Bernadette Lafont) lässt sich von Großdealer Vito (Paco Boublard, l.) das Drogengeschäft erklären.

Kreative Aufbesserung der Rentenkasse: Paulette (Bernadette Lafont) lässt sich von Großdealer Vito (Paco Boublard, l.) das Drogengeschäft erklären.

"Paulette"
20:30 Uhr, ARD
KRIMI-KOMÖDIE "Vater, ich habe gesündigt. Und den Japsen, die jetzt mein Restaurant haben, Schaben ins Essen getan." Was für ein Einstieg! In Deutschland würde sich das niemand trauen: Die Hauptperson einer Komödie: eine alte, rassistische, gemeine Dame. Eine Frau, die findet, dass ihr schwarzer Priester es "wirklich verdient hätte, weiß zu sein". Eine, die Konkurrentinnen beim Kampf um liegen gelassenen Reste auf dem Markt Pfefferspray in die Augen sprüht.

Kennt Regisseur Jérôme Enrico nicht die ungeschriebene Regel? Alte Damen in Komödien müssen putzig sein. Ein wenig grantelnd, gerne - aber offen rassistisch? Das ist nur schwer zu ertragen. Da bleibt einem das Lachen schnell im Halse stecken. Weil wir so eine Person doch alle irgendwie kennen. Die nette, hutzelige Kioskverkäuferin, die plötzlich einen fremdenfeindlichen Spruch raushaut. Der alte Mann, den wir regelmäßig auf dem Spaziergang mit Hund treffen. Vielleicht sogar unsere eigene Oma.

Und doch verleiht Bernadette Lafont, diese großartige Dame der Nouvelle Vague, Paulette von Anfang an so viel Charisma, Biss und Tragik, dass wir Zuschauer nicht drumherum kommen, sie trotz allem ins Herz zu schließen. Und dass wir es der resoluten Frau abkaufen, wenn sie ins Drogengeschäft einsteigt, weil sie ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen kann. Das klingt frappierend nach "Breaking Bad" - und auch wenn Enrico beteuert, der Film beruhe auf einer wahren Begebenheit, wird die Serie um Crystal-Meth-Kingpin Walter White nicht spurlos an "Paulette" vorübergegangen sein. Ihr Nachbar heißt sogar Walter!

Da ist es fast schade, dass Paulette im Gegensatz zu Walter White den umgekehrten Entwicklungsweg durchmacht. Natürlich lernt sie hinzu, natürlich wird sie irgendwann auch ihren schwarzen Schwiegersohn (Polizist im Drogendezernat, ausgerechnet!) respektieren. So erfindet "Paulette" am Ende zwar nicht das Rad neu, ist aber ein wundervoller Film für alle Menschen mit schwarzem Humor, die trotzdem ein Happy End mögen. Der Rest sollte zuschalten, weil Bernadette Lafont hier in ihrer letzten Rolle zu sehen ist.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Der große Stau"
20.15 Uhr, Arte
SATIRE 1979 blickte Luigi Comencini mit dieser Parabel auf eine im wahrsten Sinne des Wortes festgefahrene Gesellschaft, in der sich nichts mehr bewegt. Hinterm Steuer klemmen Ikonen des europäischen Films, u. a. Marcello Mastroianni, Fernando Rey und Gérard Depardieu. (bis 22.00)

"Wir waren Rebellen"
0.10 Uhr, ZDF

DOKUMENTARFILM Der einstige Kindersoldat Agel Ring Machar lebt 30 Jahre im Krieg. Als Südsudan 2011 die Unabhängigkeit erlangt, ist seine Hoffnung auf eine erblühende Demokratie groß. Ende 2013 steht das Land erneut am Abgrund, und Agel greift wieder zu seiner Waffe. (bis 1.45)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo