HOME

Stern Logo Der TV-Tipp des Tages

TV-Tipp 18.7.: "Iron Sky": Hinterm Mond gleich rechts

Nazis auf dem Mond! Sarah Palin als US-Präsidentin! Fliegende Untertassen, die mit Handy-Akkus betrieben werden! Wer auf B-Movies steht, schaut heute "Iron Sky". Unser TV-Tipp des Tages.

Die US-Präsidentin (Stephanie Paul, r.) und ihr neues Wahlkampfteam: Klaus Adler (Götz Otto), Vivian Wagner (Peta Sergeant), Renate Richter (Julia Dietze) und Wolfgang Kortzfleisch (Udo Kier)

Die US-Präsidentin (Stephanie Paul, r.) und ihr neues Wahlkampfteam: Klaus Adler (Götz Otto), Vivian Wagner (Peta Sergeant), Renate Richter (Julia Dietze) und Wolfgang Kortzfleisch (Udo Kier)

"Iron Sky"
20:15 Uhr, RTL 2
B-MOVIE-PERSIFLAGE Stellen Sie sich vor, ein junger, noch unbekannter Regisseur klopft bei den großen Studiobossen an und unterbreitet ihnen folgenden Vorschlag: Er will einen Film über Nazis drehen, die bei Kriegsende in ihren fliegenden Untertassen auf den Mond geflüchtet sind und seither auf Rache und Eroberung der Welt sinnen. Doch ihrer Superwaffe (ein unglaublich großes Raumschiff namens Götterdämmerung) fehlt es an der nötigen Power. Bis ihnen das Mobiltelefon eines US-Astronauten in die Hände fällt - und sie einen faustischen Pakt mit US-Präsidentin Sarah Palin schließen.

Es grenzt an ein Wunder, dass der finnische Regisseur Timo Vuorensola nicht in Zwangsjacken herausgeführt wurde. Aber mit einer zuvor nie gesehenen Werbe- und Crowdfunding-Kampagne schaffte es der Macher der "Star Wreck"-Parodien dann doch noch, einige Geldgeber von seiner Idee zu überzeugen.

Herausgekommen ist ein Nerd-Film, der Futter für Historiker und Science-Fiction-Fans gleichermaßen bietet. Kein Wunder, dass sich Udo Kier, der Godfather of B-Movie, dafür begeistern konnte, in seiner Paraderolle als evil Nazi mitzumachen. Das Schöne: Hier wurde nun wirklich gar nichts glattgebügelt oder für mögliche Zielgruppen entschärft. So reihen sich die Absurditäten Szene an Szene aneinander, und auch wenn nicht alle Gags zünden und manche unter der Gürtellinie meines Geschmacks angesiedelt sind, ist es doch ein großer Spaß, den Schauspielern dabei zuzusehen, wie sie ihr eigenes Overacting abfeiern, dass es William Shatner die Tränen in die Augen treiben würde. Ein B-Movie darf das. Und eine B-Movie-Parodie erst reicht.

Meine Lieblingsszene: Als auf einer Krisensitzung der UN sämtliche Nationen abstreiten, etwas mit den herannahenden Ufos vom Mond zu tun zu haben. Bis sich der Repräsentant von Nordkorea erhebt, gesteht ("Es sind unsere. Unser Großer Führer hat sie persönlich entworfen!) - und das ganze Plenum in Lachen ausbricht.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Der Eindringling"
22.35 Uhr, 3Sat
DRAMA Im Ansatz "inspiriert" vom Fall des belgischen Kinderschänders Dutroux, baut der glänzend gespielte Film über die Suche eines Vaters nach seinem Kind eine äußerst beklemmende Atmosphäre auf. Kleines Manko: Die Story verlässt sich bei der Auflösung zu sehr auf Zufälle. (bis 0.30)

"Stauffenberg"
23.30 Uhr, ARD

POLITDRAMA 21. Juli 1944. Kurz nach Mitternacht wird Oberst von Stauffenberg (Sebastian Koch) exekutiert. Mit ihm stirbt der Traum vom"„Aufstand des Gewissens". Der Film konzentriert sich auf den Tag des Attentats bis zur Hinrichtung Stauffenbergs und seiner Vertrauten. (bis 1.00)

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo