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TV-Tipp 22.6.: "Tron: Legacy": Fatal Facelift Overkill

Soundtrack von Daft Punk, schnittige Lichtrenner: "Tron: Legacy" ist ein Fest für Aug' und Ohr. Doch an der Verjüngung von Jeff Bridges scheitert die Fortsetzung des Kult-Klassikers. Zum Glück.

Familienessen im Computer: Sam Flynn (Garrett Hedlund, l.) trifft seinen lange verschollenen Papa Kevin Flynn (Jeff Bridges, r.) wieder, der in seiner virtuellen Welt Geschmack am Zen gefunden hat.

Familienessen im Computer: Sam Flynn (Garrett Hedlund, l.) trifft seinen lange verschollenen Papa Kevin Flynn (Jeff Bridges, r.) wieder, der in seiner virtuellen Welt Geschmack am Zen gefunden hat.

"Tron: Legacy"
20.15 Uhr, Pro Sieben
SCI-FI Kennen Sie noch die Zeichentrickserie "Es war einmal... das Leben"? Blutkörperchen, Bakterien und Viren wanderten dort als lebendige Wesen duch den menschlichen Körper. Ganz ähnlich stellten sich die Macher von "Tron" 1982 das Innere eines Computers vor. Der junge Programmierer Kevin Flynn (Jeff Bridges) wird bei dem Versuch, ein Programm zu hacken, "digitalisiert" und in dessen Welt gezogen. Der Film wurde Kult. Weil er das letzte aus den begrenzten Möglichkeiten der Computeranomation herausquetschte und einen eigenen visuellen Stil schuf, der bis heute fasziniert.

Die Erwartungen an eine Fortsetzung waren entsprechend groß. Der neuer "Tron" stand vor der Sysyphos-Ausgabe, an den Stil des Klassikers anzuknüpfen und gleichzeitig etwas völlig Neues, visuell Bahnbrechendes abzuliefern. Die Szene, auf die alle Zuschauer gespannt warteten, hatte allerdings nichts mit computeranimierten Lichtrennern oder der Tatsache zu tun, dass das französische Elektro-Duo Daft Punk den Soundtrack lieferte. Jeff Bridges, ewiger Dude und Hauptdarsteller im ersten Film, sollte wieder auftauchen - und digital um 30 Jahre verjüngt werden.

Ganz ehrlich: Díe Vision machte mir Angst. Vor meinem geistigen Auge sah ich eine neue Generation von Filmen auf uns zu schwirren, in denen alte, gar verstorbene Hollywood-Stars zu neuem, zombiehaftem Filmleben erweckt werden. Clark Gable an der Seite von Leonardo diCaprio? Janet Leigh als Love Interest für Robert Pattinson? Und könnte Sean Connery nicht wieder den Bond geben... ? Wohl erstmal nicht.

Ja, Bridges Verjüngungskur war ziemlich beeindruckend anzusehen gewesen. Doch gleichzeitig wollte mein Hirn ihn einfach nicht als echte Person akzeptieren. Bridges Bubigesicht wirkte irgendwie falsch - als wäre dem Schauspieler digitales Botox gespritzt worden. So hatte mich "Tron: Legacy" doch noch glücklich gemacht - weil der Film beweist, dass wir doch (noch) nicht alles per Computer simulieren können.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern




Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Willkommen bei den Rileys"
23.30 Uhr, ARD

DRAMA von Ridley Scotts ("Alien") Sohnemann Jake über - Väter. Der im vergangenen Jahr verstorbene "Sopranos"-Star James Gandolfini spielt einen Doug Rileys, der nicht über den Tod seiner Tochter hinwegkommt und einen Ersatz in einer jungen Stripperin (Kristen Stewart) sieht. Die Story ist alt, aber die Chemie zwischen beiden passt.

"Ludwig II."
20.15 Uhr, HR

HISTORIENDRAMA über Aufstieg und Fall von Ludwig II., König von Bayern. Bei seiner Uraufführung wurde der Visconti-Klassiker mit Helmut Berger rigoros um eine Stunde gekürzt. Umstrittene Szenen, die u.a. Ludwigs Homosexualität zeigten, wurdem entfernt. Der Hesssiche Rundfunk räumt heute Abend sein Programm frei für die ungeschnittene vier-Stunden-Fassung.