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TV-Tipp 23.9.: "Die Dinge des Lebens": Romy Schneider - die "Sissi" war nur Fingerübung

Der Erfolg von "Sissi" ließ die junge Romy Schneider aus Deutschland flüchten. Was für ein Glück! Erst in Frankreich blühte das Talent der Schauspielerin richtig auf. Beweis? Unser TV-Tipp des Tages.

"Du liebst mich, weil ich da bin. Aber wenn du auch nur über die Straße müsstest, um zu mir zu kommen, wär' dir das zuviel. Du bist nur noch bequem." Hélène (Romy Schneider) zu ihrem Freund Pierre

"Die Dinge des Lebens"
21.40 Uhr, ZDF Kultur

DRAMA Ein Ratschlag gleich zu Beginn. Falls Sie diesen Film noch nicht gesehen haben (und Sie sollten ihn sehen!), dann lassen Sie bloß die Finger von jeglicher Fernsehzeitschrift und stöbern auf keinen Fall auf Wikipedia herum. Leider scheint man in vielen Redaktionen zu glauben, nur weil ein Film bereits einige Jahrzehnte auf dem Buckel hat, könnte man gleich die gesamte Handlung bis hin zum letzten Plot-Twist verraten.

Dabei spoilert der Film sein wichtigstes Ereignis sowieso schon selbst - und das mit Absicht. Es hat einen Unfall gegeben. Ein Wagen, ein sportlicher Alfa Romeo, steht in Flammen. Schaulustige haben sich um den Unglücksort versammelt. Endlich erscheint auch die Polizei. Es sieht nicht gut aus. Und dann spult Regisseur Claude Sautet zurück. In kurzen, stakkatohaften Szenen sehen wir, wie sich der zerstörte Wagen wie von Geisterhand repariert. Wie er Purzelbäume zurück auf die Straße schlägt. Zum ersten Mal blicken wir in das Gesicht des Unglückfahrers. Ein Mann um die 40. Angegraut, buschige Augenbrauen. Blanke Panik steht in seinen Augen. Der Wagen beschleunigt. Rückwärts geht es durch die Zeit. Aus Tag wird Nacht. Überblende. Derselbe Romeo parkt, nun wieder (noch immer?) in voller Pracht vor einem mehrstöckigen Wohnhaus. Die Kamera zoomt in ein Apartment, blickt durch die verschlossenen Vorhänge - und mitten auf Romy Schneider, die splitternackt, den Po in die Kamera gereckt, neben dem Unglücksfahrer im Bett liegt.

Der Mann heißt Pierre Bérard, erfahren wir bald, ist Architekt und Romy Schneider, nein, Hélène, seine Freundin. Eigentlich sind sie glücklich, wollen für einige Jahre nach Tunis auswandern, aber Pierre zweifelt daran, eine endgültige Entscheidung zu treffen. Die Reise würde ihn von seinem Sohn trennen und von seiner Frau Catherine, mit der er noch immer - ja! - ernsthaft befreundet ist. Schneider spielt gut, aber getragen wird der Film von Michel Piccoli, der ein Alphamännchen porträtiert, das, sobald es die Gefühlwelt angeht, völlig sprachlos dasteht. Einen Mann, der seine Verletzlichkeit nur zeigen kann, wenn er alleine ist und in Gefahr läuft, einen fatalen Fehler zu begehen.

Das Zuschauen tut weh, gerade weil wir Zuschauer die Zukunft kennen und schon zu wissen glauben, wie der Film enden wird. Doch so einfach macht es uns Sautet nicht. Ich zumindest saß die letzte halbe Stunde fingernägelkauend vor dem Fernseher.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Space Cowboys"
20.15 Uhr, Super RTL


KOMÖDIE Vier NASA-Veteranen (u.a. Clint Eastwood, Tommy Lee Jones) riskieren alles, um dem Rentnerdasein zu entfliehen und noch mal ins All zu fliegen. Fragt sich nur, ob sie das Training überleben... Regisseur Eastwood schickt die "ollen Fürze" mit lakonischem Witz auf die Reise. (bis 22.45)

"Die Tricks der Pharma-Industrie"
22.25 Uhr, 3Sat


DOKU Studien über neue Mittel werden manipuliert oder gar nicht erst veröffentlicht, Risiken unter den Tisch gekehrt, Preise unabhängig von der Wirksamkeit eines Medikaments nach oben geschraubt. Der Film klärt über die Tricks der profitablen Branche auf und lässt Opfer zu Wort kommen. (bis 23.15)